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Passionsspiele Oberammergau Das war die Passion 2010

Kanzlerin und Bundespräsident waren da, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx mitsamt 21 Kollegen ebenfalls - und 515.000 weitere Besucher aus Bayern und der ganzen Welt. Die 41. Passionsspiele von Oberammergau waren ein voller Erfolg - trotz teilweise widrigen Wetters mit Kälte und Hagel.

Stand: 09.11.2011

Merkel bei Passionsspielen | Bild: picture-alliance/dpa

Zum dritten Mal führte der Intendant des Münchner Volkstheaters Christian Stückl Regie. Er präsentierte eine rundum erneuerte Fassung der Version von Alois Daisenberger aus dem Jahre 1860.

Christian Stückl | Bild: picture-alliance/dpa zum Video mit Informationen Passionsspiele Oberammergau Christian Stückl - der Passionierte

Zum dritten Mal in Folge war Christian Stückl Oberammergauer Passionsspielleiter. Der Gemeinderat hatte ihn im November 2005 erneut das Vetrauen ausgesprochen. Ein großer Vertrauensbeweis - doch was treibt ihn an? Warum immer wieder die Passion? [mehr]

Stückl eliminierte die antisemitischen Tendenzen des Stücks und brachte erstmals das Gebet "Schma Israel" ("Höre Israel") in jüdischer Sprache auf die Bühne - er bekam dafür große Anerkennung auch von jüdischen Verbänden. Nach anfänglicher Kritik, etwa über die Spielzeit am späten Abend, gab es von allen Seiten Lob. Großen Beifall fanden Chor, Bühnenbild und Kostüme. Besonders zufrieden zeigte sich Christian Stückl mit der Leistung der Theatertruppe, alle 21 Hauptrollen waren doppelt besetzt.

Gutes Ergebnis trotz Wirtschaftskrise

Filmszenen und Interviews

99,8% der 109 Veranstaltungen waren ausgebucht, trotz teilweise widrigem Wetter mit Kälte und Hagel - ebenso die fünf Vorpremieren und die beiden zusätzlichen Aufführungen. Dennoch wurden nur 244.000 "Arrangements" (Gesamtpakete mit Übernachtung und Eintrittskarte) verkauft, deutlich weniger als ursprünglich geplant. Allein aus den USA kamen wegen der Wirtschaftskrise 80.000 Karten zurück. Da sie größtenteils im Einzelverkauf landeten, waren erstmals auch wieder mehr Besucher aus Bayern und dem übrigen Deutschland in Oberammergau.

Die meisten ausländischen Touristen kommen traditionell aus den USA und Großbritannien. Stark vertreten waren 2010 aber auch Gäste aus Japan, Südafrika, Australien und Neuseeland sowie den skandinavischen Ländern. Knapp 32 Millionen Euro kosteten die Passionsspiele, gut 70 % davon waren Personalkosten. Schließlich bekamen alle 2.400 Mitwirkenden eine, allerdings meistens geringe, Gage. Unterm Strich blieb der Gemeinde ein Reinerlös von 25,7 Millionen Euro.

Wer wird nächster Spieleiter?

Die Passionsspiele gehen auf ein Pestgelübde aus dem Jahr 1633 zurück und werden alle zehn Jahre aufgeführt. Bei den nächsten Passionsspielen im Jahr 2020 dürfte wieder das halbe Dorf auf oder hinter der Bühne beteiligt sein. Ob Stückl dann wieder als Regisseur antritt, ließ er offen. "Das ist noch so lang hin. Viel wichtiger ist, dass wir auch in den Jahren dazwischen weiter machen.


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