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König-Ludwig-Feuer Zu Ehren des Kini

König Ludwig II. liebte das bayerische Voralpenland und die Bauern dort ihn. Zum Gedenken an den Monarchen lodern jedes Jahr am Vorabend seines Geburtstages, am 24. August, König-Ludwig-Feuer auf den Berggipfeln der Ammergauer Alpen.

Stand: 23.08.2012 | Archiv

Am 23. August beim Einbruch der Dunkelheit ertönen drei Böllerschüsse der Feuermacher auf dem Oberammergauer Hausberg Kofel. Dazu wird der Choral "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" gesungen, begleitet von der Oberammergauer Musikkapelle. Nach und nach werden die anderen Feuer rings um Oberammergau auf den Gipfeln entfacht. Die Königskrone brennt auf dem höchsten Punkt des "Kofels".

Holzhaufen am Kofelflecken

Nach einigen traditionellen Liedern erklingt zum Schluss die Bayernhymne. Nach ungefähr eineinhalb Stunden, wenn die Feuer erloschen sind, endet das Spektakel. Die Feuermacher kehren mit Fackeln ins Dorf zurück. Auf der Ammerbrücke werden sie von einer Blaskapelle und Trommlern empfangen und zu einem Gasthof begleitet. Dort wird dann weitergefeiert.

Die Vorbereitungen zu den Feuern beginnen bereits im Mai. Das Holz wird gehackt und aufgeschichtet, damit es trocknen kann. Im Kofelflecken, der in der Mitte des Oberammergauer Hausberges Kofel liegt, wird das größte Kreuz errichtet. Es besteht aus 17 Holzhaufen.

Ein Geschenk begründet den Brauch

Eine Postkarte aus den 70er-Jahren: Zu sehen ist der Oberammergauer Hausberg Kofel mit der Königskrone in Flammen.

Am 15. Oktober 1875 entzündeten die Oberammergauer ein riesiges Freudenfeuer zur Enthüllung einer Kreuzigungsgruppe auf dem Osterbichl, die ein Geschenk von Ludwig II. war. Denn dieser war von einer Sondervorstellung des Passionsspiels so begeistert, dass er nicht nur 1.000 Gulden für karitative Zwecke spendete, sondern auch das zur damaligen Zeit größte aus Stein gemeißelte Monument in Auftrag gab. Der Bildhauer Wilhelm Lang und der Forstmeistersohn Karl Binder - beides Oberammergauer - hatten nach dem Tod König Ludwigs II. 1886 die Idee ein Feuer zum Gedanken an ihren verstorbenen Monarchen zu entflammen. 1888 loderte erstmals im Kofelflecken ein Kreuz.

Ludwig und die Oberammergauer

Die Passionsspiele in Oberammergau und seine Darsteller hat Ludwig II. schon früh ins Herz geschlossen. Als Kind besuchte er mit seiner Mutter Marie und Bruder Otto 1860 das Spiel. Wieviel Verständnis er für die Belange der Darsteller aufbrachte, zeigte sich zehn Jahr später: Wegen des Deutsch-Französischen Krieges bangten die Oberammergauer um ihre Hauptdarsteller und baten den Monarchen in einem Schreiben, er möge diese Männer zurückstellen. Ludwig entsprach dem Ersuchen und so konnte das Spiel vom Leiden und Sterben Jesu auch in den unruhigen Zeiten aufgeführt werden.


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