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Flugzeugabsturz 1960 Erinnerungen an das Drama in München

Am 17. Dezember 1960 verwandelte eine Katastrophe in München die vorweihnachtliche Stimmung in Trauer und Entsetzen. Am letzten verkaufsoffenen Samstag vor Weihnachten stürzte ein Flugzeug am Rande der Innenstadt ab und riss 52 Menschen in den Tod.

Stand: 27.12.2011 | Archiv

Um 14.05 Uhr war die zweimotorige amerikanische Maschine am 17. Dezember 1960 in München-Riem gestartet. Vollgetankt, Ziel: Norfolk in England. An Bord 20 Menschen, darunter zwölf Studenten der Universität Maryland. Sekunden nach dem Start fällt der linke Motor aus. Die Piloten wollen in einer Schleife über München zum Flughafen zurückkehren, die Feuerwehr wird für eine Notlandung alarmiert.

Kirchturmspitze im dichten Nebel übersehen

52 Menschen kamen ums Leben, darunter alle Fahrgäste dieser völlig ausgebrannten Straßenbahn.

Doch im dichten Nebel über München übersehen die Piloten die 97 Meter hohe Sankt-Paulskirche am Rande der Theresienwiese, sie streifen eine der Turmspitzen. Ein Teil der linken Tragfläche bricht ab, Sekunden später stürzt das Flugzeug fast senkrecht auf die belebte Kreuzung Bayer-/Martin-Greif-Straße. Der linke Motor wird gegen einen Wagen der Straßenbahnlinie 10 geschleudert, auslaufender Treibstoff entzündet sich an den abgerissenen Oberleitungen, alles steht schlagartig in Flammen. Alle Passagiere des Flugzeugs sterben, Fußgänger werden von den Trümmern erschlagen, und auch die Menschen in der Straßenbahn haben keine Chance. Nur vier Menschen kommen lebend aus dem Wagen - aber auch sie sterben später im Krankenhaus an ihren Brandwunden.

Hunderte Schaulustige an der Unfallstelle

Von Wrackteilen getroffene ausgebrannte Straßenbahn | Bild: BR zum Audio Flugzeugabsturz 1960 Katastrophe in München

17.12.1960: Eine Passagiermaschine der US-Luftwaffe stürzt über der Münchner Innenstadt ab. Sie fällt auf den Turm der Paulskirche und trifft den Anhänger einer voll besetzten Straßenbahn. Ernest Lang über die Folgen. [mehr]

Die Feuerwehr kann die brennenden Trümmer und ein angrenzendes Reifenlager schnell löschen, was aber nichts an der fürchterlichen Bilanz der Katastrophe ändert: 52 Menschen sind gestorben, 25 werden verletzt. An der Unfallstelle drängen sich schnell Hunderte Schaulustige - sie müssen von der Polizei teilweise mit Gewalt zurückgedrängt werden.

Der Flugzeugabsturz an der Sankt-Paulskirche facht die Diskussionen um eine Verlegung des stadtnahen Münchner Flughafens in Riem weiter an. Noch an der Unfallstelle fordert der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (SPD) die Auflösung von Riem. Doch erst 32 Jahre später, nach langen politischen und juristischen Auseinandersetzungen, nimmt der neue Münchner Flughafen im Erdinger Moos seinen Betrieb auf - Riem hat am 17. Mai 1992 ausgedient. An der Unfallstelle nahe der Theresienwiese erinnert seit 1961 eine schlichte Bronzetafel an die Katastrophe: "Zum Gedenken an die 52 Todesopfer des Flugzeugunglücks vom 17. Dezember 1960".


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