Themen - Ein Dorf wird Wirt!


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Von der Stadt aufs Land Erste Pfarrstelle in Altenau

Bald 30 Jahre ist es her, da trat Pfarrer Rainer Maria Schießler seine erste Stelle an - in Altenau. Hier lernte der Großstadtjunge schnell, dass sich Wirtshaus und Kirche auf dem Dorf prima ergänzen ...

Stand: 07.04.2014

Pfarrer | Bild: privat

Der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler erinnert sich: "Im Mai 1986 bin ich als junger, frisch diplomierter Theologe in Erwartung höherer Weihen in den Pfarrverband Bad Kohlgrub geschickt worden. Neben Saulgrub und Bad Bayersoien (damals noch ohne Bad!) gehörte zu diesem Pfarrverband auch Altenau - und da vorerst kein Platz zum Wohnen in Kohlgrub frei war, bezog ich Quartier im Obergeschoss im ehemaligen schnuckeligen Pfarrhaus von Altenau. Da saß ich nun, ganz frisch der lärmenden Großstadt und dem Universitätsbetrieb entrissen, mitten auf dem Land am Dorfrand, wo neben dem Haus Kühe friedlich grasten, und dachte mir: "Hier bist Du falsch! Was macht ein Großstadtjunge, der nie auf dem Land gelebt hat, denn bitteschön hier?"

Pfarrer Rainer Maria Schießler | Bild: BR zur Sendung Pfarrer Schießler Gäste & Geschichten

"Pfarrer Schießler - Gäste & Geschichten" ist keine Talkshow im herkömmlichen Sinne. Hier wird nicht gestritten, kein aktuelles Thema zerredet, keine schwere Politik diskutiert oder gar wild durcheinander geschrien. Im Mittelpunkt stehen immer die Menschen, und jeder Mensch ist seine Geschichte. [mehr]

Zum Jammern aber war keine Zeit, es gab viel zu tun: Predigtgottesdienste in der so viel heimatliches Gefühl versprühenden Pfarrkirche oder Schulunterricht in der Grundschule gleich daneben. Als Noch-Nicht-Geweihter konnte ich auch Maiandachten halten, und da kamen dann auch etliche Gottesdienstbesucher, die den Städter mal erleben wollten - nur Jugendliche waren nicht so viele da. Beim Rückweg von der Kirche zum Pfarrhof, es war ein wunderschöner Maitag, kam ich wieder mal am Gasthof 'Zur Post' vorbei. Von drinnen hörte man Stimmen, ich war aber bislang noch nie dort Gast gewesen. 'Einmal musst Du da reingehen', dachte ich mir, betrat die Wirtschaft - und entdeckte einen ganzen Tisch junger Leute.

'Was macht Ihr denn hier? Maiandacht ist wohl nicht angesagt bei Euch, oder?', sprudelte es aus mir raus. Das müsste der neue Hilfsarbeiter vom Pfarrer sein, meinte ein junges Mädchen und fragte: 'Wieso? Können's uns brauchen?' - 'Und ob!' erwiderte ich, 'ich brauch' hier eine g'scheite Pfarrjugend!' Und von diesem Tag an hat die Barbara zusammen mit mir bis zum Weggang nach meiner Priesterweihe im September 1987 eine quirlige und sehr aktive Pfarrjugendarbeit in Altenau gemacht. Treffpunkt und Ausgangsort war stets das kleine Wirtshaus 'Zur Post', das sich friedlich mit der Dorfkirche das Zentrum Altenaus teilte. Dass man die Menschen, die der liebe Gott braucht, nicht bloß in Kirchen, sondern eben auch im Wirtshaus trifft (oder vielleicht gerade dort?), das hat mir mein Altenau als lebenslange Erfahrung mitgegeben!"


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