Telekolleg - Sozialkunde


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Globalisierung Entwicklungshilfe als Chance

Die negativen Auswirkungen der Globalisierung: Arme Länder werden noch ärmer. Gezielte, sinnvolle Entwicklungshilfe als Anleitung zur Selbsthilfe kann dem entgegenwirken. Positive Beispiele dafür gibt es in Nicaragua - wir stellen zwei dieser Projekte vor.

Stand: 12.03.2019

Kakaoanbau in Nicaragua: mühsame Handarbeit | Bild: BR

Die Hauptlast der Globalisierung tragen die Entwicklungsländer: Die Reichen im Norden drücken den Preis, die Armen im Süden müssen immer mehr, immer billiger produzieren. Dazu brauchen sie Maschinen und Dünger - und Geld, um dies alles zu kaufen. Was übrig bleibt, sind Schulden beim Norden. Dem kann sinnvolle Entwicklungshilfe entgegen wirken. Wir haben in Nicaragua Beispiele für Entwicklungshilfe gefunden, die die negativen Auswirkungen der Globalisierung mildern.

Letzte Rettung für den Regenwald?

Nicaragua: eines der ärmsten Länder Lateinamerikas

Um neue Anbauflächen zu gewinnen, zerstören Bauern immer noch wertvollen Regenwald: Tausende Quadratkilometer tropischen Regenwaldes brennen in Mittelamerika - Urwald, dessen Erhalt auch für unser Klima wichtig wäre. Im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland leitet die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) mehrere Projekte in Nicaragua. Nicaragua ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Naturkatastrophen, Kriege und politisch instabile Verhältnisse haben die Not immer weiter vergrößert.

Positivbeispiel: Kakaoanbau in Nicaragua

Seit jeher wird im Norden von Nicaragua Kakao angebaut. Neu ist, dass einige Bauern mit deutscher Hilfe eine umweltverträgliche und nachhaltige Landwirtschaft betreiben. Entwicklungshelfer zeigen den Bauern, wie sie aus ihren Kakaofeldern bessere Erträge erzielen können - und das auf umweltfreundlicher, organischer Basis. Die Ernte ist, wie der ganze Kakaoanbau, Handarbeit.

Qualität als Chance

geerntete Kakao-Bohnen: entscheidend ist die hohe Qualität

Dem Preisdruck auf dem globalen Kakaomarkt kann der Kakaobauer nur durch hohe Qualität des Kakaos standhalten - nur gut verarbeiteter Kakao hat eine Chance gegen die Massenware. Die Bauern haben sich zusammengetan, um ihren Kakao gemeinsam zu vermarkten. So erhalten sie einen fairen und sicheren Preis für ihren organischen Kakao. Die Firma Ritter bezieht von ihnen Kakao und unterstützt das Projekt mit einer Prämie und einem Fair-Trade-Preis. Inzwischen haben die Bauern ein gutes Auskommen. Sie können weiter in ihre Landwirtschaft investieren. Die Nachhaltigkeit haben sie so verstanden, dass sie nicht mehr entnehmen, als natürlich nachwächst.

Kaffeeanbau auf Kosten der Umwelt

Kaffee: Seinem hemmungslosen Anbau werden Urwald und Boden geopfert

Auch für den Anbau von Kaffee wird in Nicaragua immer mehr Urwald gerodet, immer neue Anbauflächen werden erschlossen. Es wird stark gedüngt und viel Chemie eingesetzt, wenn es darum geht, mehr Geld zu machen. Der Boden wird solange ausgebeutet, bis er keinen Ertrag mehr bringt. Dann folgen Rinder nach, die das Letzte aus dem Boden herausholen. Zuletzt erodiert der Boden und wird vom Regen weggespült.

Positivbeispiel: Rezept gegen die Rodungs- und Chemiefalle

Schafe in der Kaffee-Plantage

Die Aufforderung "Schont den Regenwald" bringt nur etwas, wenn man Alternativen aufzeigt. Im Hochland von Bocay, im Norden Nicaraguas, läuft in einem Kaffeeanbaugebiet ein GTZ-Projekt: Mitten in den Kaffeefeldern grasen Kamerunschafe - sie sind das Rezept der GTZ-Berater für die Bauern, um aus der Rodungs- und Chemiefalle herauszukommen. Diese afrikanische Rasse weidet zwischen den Kaffeepflanzen und frisst das Unkraut. Die Schafe betätigen sich so als biologische Unkrautvernichter und sie eröffnen wegen ihres guten Fleisches eine zusätzliche Einnahmequelle. Außerdem ist die Schafsgülle Dünger für die Kaffeepflanzen. Chemischer Dünger müsste teuer importiert werden und würde so die Abhängigkeit von den Industriestaaten erhöhen. Immer mehr nicaraguanische Bauern interessieren sich für diese Methode und erkennen, dass der Boden ihr Kapital ist. Ökokaffee erzielt am Markt einen höheren Preis und der Bauer erhält zusätzlich eine Fair-Trade-Prämie, die letztlich der Verbraucher bezahlt.


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