Telekolleg - Psychologie


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Gruppe, Konflikt, Mobbing Rollenstrukturen und Gruppenleistung

Menschen übernehmen innerhalb von Gruppen eine bestimmte Funktion oder, anders gesagt, eine Rolle. Mit dieser Rolle sind gruppenspezifische Verhaltenserwartungen und -muster verknüpft, die zu erfüllen sind.

Stand: 02.11.2016

Besprechung im Kreis auf der Sportbahn | Bild: Getty Images

Menschen übernehmen innerhalb von Gruppen eine bestimmte Funktion oder, anders gesagt, eine Rolle. Mit dieser Rolle sind gruppenspezifische Verhaltenserwartungen und -muster verknüpft, die zu erfüllen sind.

Je mehr vergleichbare Rollen es in einer Gruppe gibt, desto homogener ist die Gruppe. In Abhängigkeit von den Zielen, welche die Gruppe erreichen möchte, kann jedoch eine heterogene Rollenverteilung von Vorteil sein: Die Gruppenmitglieder sind dann auf verschiedene Bereichen spezialisiert. In diesem Fall besteht aber die Gefahr eines geringeren Gruppenzusammenhalts (Kohäsion), da sich die einzelnen Gruppenmitglieder als nicht mehr ähnlich wahrnehmen.

Formelle und informelle Gruppenstruktur

Die Rollenstruktur einer Gruppe ist immer auch vor dem Hintergrund der formellen und der informellen Gruppenstruktur zu betrachten. Die formelle Gruppenstruktur wird häufig durch einen Organisationsplan vorgeschrieben. Trotz dieser Vorgaben bilden sich fast immer davon abweichende informelle Gruppenstrukturen heraus. Sofern formelle und die informelle Gruppenstrukturen die gleichen Ziele verfolgen, ist alles in Ordnung. Konflikte sind jedoch vorprogrammiert, wenn die Ziele voneinander abweichen.

Wie sich Gruppen- und Einzelleistung beeinflussen

Auch wenn der Volksmund sagt: "Gemeinsam sind wir stark", so weiß man heute, dass die Gruppenproduktivität nicht in allen Fällen größer ist als die individuelle Leistung. Selbst bei scheinbar einfachen Beispielen, wie dem Tauziehen, ist zwar die Gruppenleistung trivialerweise größer als die Individualleistung, aber je mehr Personen am Tau mitziehen, desto geringer wird der relative Kraftaufwand jedes Einzelnen. Die Gruppenleistung erreicht damit nicht die Summe der Individualleistungen. Ein Phänomen, das man als "soziales Bummeln" bezeichnet.

Problemlösen in der Gruppe

Betrachten wir eine kognitiv anspruchsvolle Aufgabe, wie z. B. das Problemlösen, dann ist eine Gruppe zwar erfolgreich, sobald eines ihrer Mitglieder die Lösung findet. Es besteht aber die Gefahr, dass dieses intelligente Mitglied sich bei der Auswahl einer Lösung nicht durchsetzen kann oder von einem stärkeren Gruppenmitglied mit einem weniger tauglichen Lösungsvorschlag unterdrückt wird. Die Gruppenleistung entspricht damit nur im günstigsten Fall der Leistung des besten Gruppenmitglieds.


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