Telekolleg - Geschichte


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Telekolleg Geschichte (7) Das Zeitalter der Entspannungspolitik

Der Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in die CSSR setzte dem „Prager Frühling“ ein jähes Ende. Die deutsche Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt ließ sich aber durch diesen Rückschlag nicht entmutigen und setzte ihre Entspannungspolitik fort.

Stand: 11.02.2014 | Archiv

1967/68 gab es ein der Tschechoslowakei Unruhen, und der neue Generalsekretär der KPC Alexander Dubcek, begann mit Reformen, die aber von der Führung der UdSSR als „sozialdemokratisch“ empfunden wurden. Der Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in die CSSR setzte dem „Prager Frühling“ ein jähes Ende. Die deutsche Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt ließ sich aber durch diesen Rückschlag nicht entmutigen und setzte ihre Entspannungspolitik fort.

Am 19. März 1970 traf Brandt in Erfurt den DDRMinisterpräsidenten Willi Stoph zu ausführlichen Gesprächen und wurde von der Bevölkerung gefeiert. Im Sommer reiste er mit Außenminister Scheel nach Moskau und unterzeichnete mit Ministerpräsident Kossygin und Außenminister Gromyko einen Vertrag, der eine Entspannung in ganz Europa zum Ziel hatte.

Noch im gleichen Jahr folgte in Warschau ein Vertrag mit Polen, der auch die Anerkennung der polnischen Westgrenze – also den endgültigen Verlust der früheren deutschen Ostgebiete – zum Inhalt hatte. Bei der Ehrung der Millionen polnischer Opfer durch die NS-Herrschaft ging Brandt nach der Kranzniederlegung in Warschau zu einem stillen Gedenken spontan in die Knie, was weltweit größte Beachtung fand.

Egon Bahr und Michael Kohl

Die Verhandlungen Egon Bahrs mit der DDRFührung nahmen konkrete Formen an, und am 21. Dezember konnte er mit dem DDRStaatssekretär Michael Kohl den Grundlagenvertrag unterzeichnen. Es gab nun ständige Vertretungen in beiden Teilen Deutschlands, die aber noch nicht den Rang von Botschaften hatten. In der Folge nahmen viele andere Staaten diplomatische Beziehungen zur DDR auf. Ein Jahr später wurden beide deutsche Staaten als Vollmitglieder in die UNO aufgenommen. Konkrete Folgen des Vertrags waren Erleichterungen beim Transitverkehr zwischen der BRD und Westberlin. Weiterhin war jedoch das Ziel der DDR-Führung ihre volle staatliche Anerkennung.

Helmut Schmidt, Brandts Nachfolger, setzte dessen Ostpolitik fort, und so unterzeichnete er 1975 gleichberechtigt mit dem DDRStaatsratsvorsitzenden Erich Honecker in Helsinki die Schlussakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Die Unterzeichnung der KSZESchlussakte brachte der DDR international hohes Ansehen, bedeutete aber auch, dass die DDR-Führung den Druck auf ihre Bevölkerung lockern musste.

1979 hatte die NATO nach ihrem sog. „Doppelbeschluss“ mit der Stationierung von amerikanischen Mittelstreckenraketen in Deutschland begonnen, nachdem zuvor die Führung der UdSSR solche Raketen im europäischen Teil Russlands stationiert hatte. Zugleich sollten aber Verhandlungen mit der Sowjetunion über eine Abrüstung beginnen. In Deutschland war ein Großteil der Bevölkerung besorgt und empört darüber, dass ihr Land zum nuklearen Schlachtfeld werden könnte. Letztlich waren die Verhandlungen erfolgreich, die Raketen wurden auf beiden Seiten abgezogen.

Die Wahl von Michail Gorbatschow zum Generalsekretär des ZK der KPdSU brachte für die Staaten des Warschauer Pakts die Wende zu Demokratie und Selbstbestimmung. Zudem beendete Gorbatschow die zehnjährige Besetzung Afghanistans durch sowjetische Truppen. Gorbatschow wollte nicht nur die UdSSR zu einer demokratischeren Gesellschaft umbauen, er erlaubte auch den verbündeten Staaten ihren eigenen Weg.

Mauerfall

So konnte auch die Bevölkerung der DDR ihren Weg zu Wiedervereinigung mit der BRD einschlagen. Mit der Auflösung der UdSSR in einzelne unabhängige Staaten, dem Ende des Warschauer Pakts und der Integration der Staaten Osteuropas in die EU ging der Kalte Krieg zu Ende, die Welt war ein Stück sicherer geworden.


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