Telekolleg - Geschichte


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Telekolleg Geschichte (2) Die Republik von Weimar - eine missachtete Demokratie

August 1914 - voller Begeisterung zogen die deutschen Soldaten in den Krieg. Doch vier Jahre später war das deutsche Reich militärisch und wirtschaftlich am Ende - Kaiser Wilhelm II. ging ins Exil.

Stand: 03.01.2014 | Archiv

Mobilmachung 1914 - Soldaten ziehen in den Krieg | Bild: picture-alliance/dpa

Rechtsradikalismus heute

In Potsdam, dem Ort, an dem die Sieger des II. Weltkriegs die Nachkriegsordnung für Deutschland beschlossen hatten, treiben auch noch 60 Jahre nach der totalen Niederlage des Nationalsozialismus rechtsradikale Rassisten ihr Unwesen. Sie schlugen einen eingebürgerten Deutschen mit äthiopischer Herkunft krankenhausreif - nur wegen seiner dunklen Hautfarbe.

Solidaritätskundgebung in Potsdam

Aber nur zwei Tage später demonstrieren über 4.000 Bürger unter dem Motto "Potsdam bekennt Farbe" für Toleranz und gegen Rassismus.

Dennoch bleibt bei vielen farbigen Mitbürgern ein Gefühl der Angst und Unsicherheit, denn rechtsradikales Gedankengut und rassistische Übergriffe finden sich immer noch in Teilen unserer Gesellschaft.

Die Republik von Weimar - eine missachtete Demokratie

August 1914 - voller Begeisterung zogen die deutschen Soldaten in den Krieg. Doch vier Jahre später war das deutsche Reich militärisch und wirtschaftlich am Ende - Kaiser Wilhelm II. ging ins Exil.

Soldaten revoltierten, überall bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte, die de facto die Macht ausübten, die vorher die kaiserlichen Behörden innehatten.

Philipp Scheidemann ruft die Republik aus

Um dieses Chaos zu beenden, rief der SPD-Politiker Philipp Scheidemann am 9. November 1918 die Republik aus.

Die Delegation des geschlagenen Deutschland musste in Versailles das Friedensdiktat der Sieger widerspruchslos entgegennehmen. Im neu gewählten Reichstag gab es größte Bedenken gegen den Vertrag, der Deutschland die alleinige Kriegsschuld zuwies und die Übernahme aller Kriegskosten aufzwang. Als die Alliierten drohten, die Kampfhandlungen wieder aufzunehmen, stimmte der Reichstag unter Führung der SPD zu, Ministerpräsident Scheidemann aber trat aus Protest zurück.

Anhänger des Kapp-Putsches

1920 versuchten enttäuschte Soldaten unter Führung des Offiziers Wolfgang Kapp, die Macht an sich zu reißen und sie besetzten Berlin, die demokratisch gewählte Regierung musste fliehen. Doch Kapp scheiterte, weil ein Generalstreik der Arbeiter das öffentliche Leben lahmlegte. Die putschenden Offiziere aber wurden von der Justiz nicht zur Verantwortung gezogen.

Ein weiteres Problem war die Geldentwertung, die 1923 ihren Höhepunkt erreichte. Die Reichsregierung hatte die Arbeiter aufgerufen, mit einem Generalstreik gegen die Besetzung des Ruhrgebiets zu protestieren und bezahlte sie mit in Massen gedrucktem Papiergeld, da sie ja ohne Arbeit kein Einkommen hatten.

Inflationsgeld 1923

Durch diese "Geldvermehrung" verlor die Reichsmark, deren Wert schon seit 1914 nicht mehr durch Goldreserven gedeckt war, ständig an Wert. Im Herbst 1923 z. B. hatten 4 Billionen Reichsmark nur noch  den Wert eines US-Dollars. Die Sparer verloren ihr Vermögen, die Kriegsanleihen wurden wertlos, nur Grundeigentümer und Industrielle behielten ihren materiellen Besitz.

Erst die Einführung der Rentenmark im Wert von 1 Billion alter Reichsmark im November 1923 schuf wieder eine stabile Währung.

Außenpolitisch zeigten sich erste Erfolge, die Deutschland aus der Isolierung führten: Der liberale Politiker Walter Rathenau vertrat Deutschland 1922 auf der Konferenz von Genua. Dort schloss er mit der sowjetischen Regierung den Vertrag von Rapallo ab, in dem sich die Vertragspartner zur gegenseitigen Anerkennung und zum Verzicht auf Reparationen verpflichteten. Wenig später wurde Rathenau in Berlin von rechtsradikalen Offizieren ermordet. 1924 einigten sich die deutsche Regierung und Vertreter der Alliierten auf den Dawes-Plan, der eine absehbare Höhe der Reparationszahlungen festlegte.

Deutschland erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung, die Industrie erzielte neue Produktionsrekorde, die Löhne wie auch der Lebensstandard stiegen. Kunst und Literatur blühten auf, die neuen Medien Kino und Rundfunk wurden populär.

Gustav Stresemann

Der nationalliberale Außenminister Gustav Stresemann erreichte 1926 die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund, im Vertrag von Locarno wurde die Aussöhnung Deutschlands mit fast allen Nachbarländern besiegelt. Im Reichstag allerdings wurde Stresemann von der rechten Opposition als Erfüllungsgehilfe der ehemaligen Kriegsgegner beschimpft.

1925 starb Friedrich Ebert. Er stand als Reichspräsident über den Parteien und versuchte alle Deutschen für die Weimarer Republik zu gewinnen. Nach seinem Tod kam es in der Politik zu einem deutlichen Rechtsruck.

Wer waren die antidemokratischen Kräfte?

Wegen der durch den Versailler Vertrag gebotenen Reduzierung des Heeres auf 100.000 Mann gab es unzählige Offiziere und andere ehemalige Frontsoldaten, die nicht ihrer Ausbildung gemäß beschäftigt oder arbeitslos waren. Zudem glaubten sie sich durch die demokratischen Politiker um die Früchte des vermeintlichen Sieges gebracht. Sie organisierten sich zunächst in Freikorps, die die linken Revolutionäre bekämpften und später auch Putschversuche, wie in Berlin und München, unternahmen. Ihr besonderer Hass galt den Linksparteien und den Juden.

Das Sammelbecken wurde schließlich die Organisation "Der Stahlhelm", in dem bis zu 500.000 ehemalige Frontsoldaten, aber auch jüngere Männer mit "nationaler Gesinnung" eine politische Heimat fanden. Finanziert wurde die Organisation von ehemaligen Militärs, von der Industrie, die sich eine Gegengewicht gegen die starke kommunistische Partei wünschte, und von ostelbischen Großgrundbesitzern.


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