Telekolleg - Geschichte


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Telekolleg Geschichte (1) Krisenherd Kosovo

In den Staaten Europas geht die Bevölkerungsmehrheit mit den ethnischen Minderheiten meist friedlich oder sogar freundlich um, ein Krisenherd aber macht auch zu Anfang des 21. Jahrhunderts immer wieder von sich reden: der Kosovo.

Stand: 02.01.2014 | Archiv

Flüchtlinge aus dem Kosovo | Bild: picture-alliance/dpa

Dieser seit 2008 de facto selbstständige Staat im Südosten Europas mit knapp 2 Millionen Einwohnern wird zu über 80% von sog. Kosovo-Albanern bewohnt, die fast ausschließlich dem Islam angehören.

Im äußersten Norden des Landes aber wohnen überwiegend Serben, die der serbisch-orthodoxen Kirche angehören, sie machen über das ganze Land gerechnet etwa 7% der Bevölkerung aus.

Gebiete der Albaner und Serben im Kosovo

Der Kosovo kam nach dem Balkankrieg 1912 größtenteils zu Serbien und mit diesem Land 1918 zum neu gegründeten Königreich Jugoslawien, in dem die südslawischen Völker der Bosnier, Kroaten, Mazedonier, Montenegriner, Serben und Slowenen friedlich zusammenleben sollten. V. a. als 1945 die Jugoslawische Republik unter Staatspräsident Josip Broz „Tito“ gegründet worden war, genossen die Kosovo-Albaner eine weitgehende Autonomie, die den Gebrauch der albanischen Sprache und die Ausübung des islamischen Glaubens garantierte. Beim Zerfall Jugoslawiens nach 1992 blieb der Kosovo bei Serbien, wobei sich im Kosovo eine Untergrundarmee der Albaner (UÇK) konstituierte, die die Abspaltung von Serbien betrieb.

Der serbische Ex-Präsident Slobodan Milošević

Der serbische Präsident Slobodan Milošević beendete die Autonomie des Kosovo und schickte Truppen ins Land, so dass viele Kosovo-Albaner ins Ausland flohen.

Um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden, begann die NATO nach ergebnislosen Verhandlungen 1999 mit der Bombardierung strategischer Ziele in Jugoslawien.

KFOR Truppen bewachen serbisches Kloster

Als Ergebnis des Kosovokrieges wurde diese serbische Provinz von Truppen der KFOR besetzt und ein UN-Protektorat errichtet, anschließend kehrten viele Kosovaren in ihre Heimat zurück. Die Gewalt richtet sich nun aber gegen die serbische Minderheit im Norden des Kosovo, so dass serbische Kirchen, Klöster und andere Einrichtungen von KFOR-Truppen geschützt werden müssen. Andererseits verweigern die meisten Kosovo-Serben eine Zusammenarbeit mit der Regierung des Kosovo in Priština – ein Ende der Spannungen ist nicht abzusehen.

Diese anhaltenden Unruhen sind eine späte Folge der Neuordnung Südosteuropas durch den Friedensvertrag von St. Germain (bei Paris), der analog zum Vertrag von Versailles nach dem 1. Weltkrieg die Neugründung von Staaten auf dem Gebiet des besiegten Kaiserreichs Österreich-Ungarn regelte. Eigentlich sollte, einem Wunsch des US-Präsidenten Wilson entsprechend, das Selbstbestimmungsrecht der Völker verwirklicht werden, d.h. jedes Staatgebiet sollte möglichst alle Menschen der gleichen Nationalität umfassen. Leider wurden aber aus machtpolitischen Gründen zahlreiche Ausnahmen gemacht und so kamen auch die Kosovo-Albaner nicht zu Albanien sondern wurden in das serbisch dominierte Königreich Jugoslawien eingegliedert.      


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