Telekolleg - Geschichte


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Telekolleg Geschichte (9) Iran – Islamismus an der Macht

In der Außenpolitik betrieb der Schah eine Annäherung an den Westen. Doch die Politik der Verwestlichung und Modernisierung rief starken Widerstand bei der schiitischen Geistlichkeit hervor, die die Vernachlässigung islamischer Werte beklagte.

Stand: 01.03.2014 | Archiv

Freitagsgebet in Teheran | Bild: picture-alliance/dpa

Persien, der heutige Iran, war schon in der Antike eine Großmacht, bevor es von Alexander dem Großen besiegt wurde. Im 19. Jahrhundert entkam der Iran – wie auch das benachbarte Afghanistan – der Kolonisierung, weil Großbritannien und Russland einen neutralen Pufferstaat zwischen ihren Interessengebieten behalten wollten.

Schah Mohammed Resa Pahlevi und Kaiserin Farah Diba

Der moderne Staat Iran wurde nach einem Putsch des Armeeoffiziers Resa Khan gegründet. Er ließ sich 1925 zum „Schah“ (Kaiser) wählen und nahm den Namen Schah Resa Pahlevi an. Das Land wurde von Persien in Iran umbenannt und man versuchte, den Staat nach den Wirren des Ersten Weltkriegs unabhängig von fremden Mächten zu einem modernen Staat auszubauen. 1941 wurde Resa Schah Pahlevi wegen seiner Nähe zum III. Reich durch Großbritannien und die UdSSR zur Abdankung gezwungen. Nachfolger wurde sein Sohn Mohammed Resa Pahlevi. Zu Beginn der 50er-Jahre wurde der Schah aus dem Land vertrieben, weil sich wegen der Ausbeutung der Ölquellen durch ausländische Firmen unter Premierminister Mossadegh eine starke antiwestliche Bewegung gebildet hatte. Erst dessen Sturz 1953 ermöglichte dem Schah die Rückkehr.

Protestveranstaltungen

Eine Vielzahl an westlichen Vorbildern orientierter sozialer und wirtschaftlicher Reformen sorgten für große Unruhe unter der konservativen iranischen Bevölkerung. Geplant waren u. a. eine Bodenreform, die Bildung landwirtschaftlicher Genossenschaften, der Ausbau des Gesundheitswesens und die Gewährung politischer Rechte für Frauen. In den nächsten Jahren häuften sich Proteste und Massenkundgebungen, die teilweise durch Waffengewalt unterdrückt wurden. In der Außenpolitik betrieb der Schah eine Annäherung an den Westen, besonders an die USA, Großbritannien und auch die Bundesrepublik Deutschland. Diese Politik der Verwestlichung und Modernisierung rief starken Widerstand bei der schiitischen Geistlichkeit hervor, die die Vernachlässigung islamischer Werte beklagte. Der Schah versuchte, diese Protestbewegung mit Hilfe seines Geheimdienstes durch eine Vielzahl von Verhaftungen Oppositioneller zu unterdrücken.

Die Islamische Revolution

Revolutionsführer Ayatollah Chomeini

Die Proteste und Streiks erreichten ihren Höhepunkt zwischen August 1978 und Februar 1979, so dass der Schah mit seiner Familie schließlich das Land verließ. Neuer Herrscher wurde der Revolutionsführer Ayatollah Chomeini, der von seinem Exil in Paris aus die Aufstände geschürt hatte. Er rief die Islamische Republik Iran aus, die nun nach den Prinzipien des islamischen Fundamentalismus neu gestaltet wurde. Zum Ministerpräsidenten wurde der gemäßigte Politiker Basargan ernannt. Er hatte aber wenig Einfluss, weil radikale Islamisten mit Billigung Chomeinis den Staat nach fundamentalistischen islamistischen Prinzipien umzubauen begannen. Es gab zwar weiterhin Wahlen, da aber die Kandidaten vom islamischen Wächterrat zugelassen werden mussten, bedeuteten die Wahlergebnisse stets eine Unterstützung der islamischen Republik. Das vom geistlichen Führer Ayatollah Chomeini ernannte und von Wahlen unabhängige Oberhaus konnte notfalls alle vom Parlament verabschiedeten Gesetze verhindern. Familien, Frauen, Demokratie, alle mussten sich den Regeln des Wächterrats unterwerfen. Das Machtinstrument des Regimes waren und sind die bewaffneten Revolutionskämpfer. Sie beherrschten die Straßen und schüchterten die Bevölkerung ein.

Der Iran und seine Anrainerstaaten

Doch die sozialen Probleme konnten so nicht bewältigt werden. Weite Teile der Bevölkerung blieben bitterarm, in den Städten bildeten sich Slums. Von 1971 bis heute hat sich die Bevölkerung mehr als verdoppelt. Die landwirtschaftliche Produktion konnte aber nicht Schritt halten und so kam es zu Hunger und Unterernährung. Außenpolitisch gab es starke Spannungen mit den USA, weil radikale sog. „Studenten“ die US-Botschaft in Teheran stürmten und das Botschaftspersonal als Geiseln nahmen – mit Billigung der Regierung. Die USA brachen daraufhin die diplomatischen Beziehungen ab und verhängten Wirtschaftssanktionen, unter denen aber auch die normale Bevölkerung zu leiden hatte. Der achtjährige Krieg mit dem Nachbarstaat Irak führte zu hohen Verlusten und einer weiteren Schwächung der Wirtschaft.

Die Ära nach Chomeini

Ayatollah Chamenei

Nach dem Tod von Chomeini 1989 wurde der ehemalige Staatspräsident Chamenei neuer religiöser Führer. Der neue Staatspräsident Rafsandjani versuchte eine vorsichtige Annäherung an den Westen. 1997 gewann dann Muhammad Chatami die Präsidentschaftswahlen. Diese Wahl eines als Reformer geltenden Politikers war für die religiöse konservative Führungsschicht des Iran eine unangenehme Überraschung. Gegen Ende der 1990er-Jahre nahmen die Proteste gegen die Bevormundung der Bevölkerung durch die Islamisten dennoch zu. In dieser Zeit wurde alle 3 Wochen eine oppositionelle Zeitung verboten. Islamistische Störer drangen in die Protestversammlungen ein, begannen Schlägereien und sprengten so die Demonstrationen.

Mahmud Ahmadinejad

2005 gewann überraschend der ultrakonservative Teheraner Oberbürgermeister Mahmud Ahmadinejad die Präsidentschaftswahlen. Er provozierte seitdem den Westen durch ständige Drohungen gegen Israel und die Leugnung des Holocaust. Außerdem ließ er die besorgte Weltöffentlichkeit im Unklaren über die Ziele des iranischen Atomforschungsprogramms. Kritiker meinten und meinen, Ziel sei der Besitz von eigenen Kernwaffen. Der Westen hat deshalb ein umfangreiches Wirtschaftsembargo gegen den Iran verhängt, unter dem allerdings nicht nur die Führungsschicht, sondern v. a. die Bevölkerung schwer zu leiden hat. Außenpolitisch unterstützt der Iran Länder, deren Bevölkerungsmehrheit der schiitischen Glaubensrichtung angehört, mit finanziellen Zuwendungen und Waffen, so das syrische Assad-Regime und die Terrororganisation Hisbollah im Libanon. Nachdem Präsident Ahmadinejad nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren durfte, wurde am 3. August 2013 Hassan Rohani zum neuen Präsidenten Irans gewählt. Er gilt als gemäßigt und den westlichen Staaten gegenüber verhandlungsbereit und so hoffen die Iraner auf eine Lockerung der Wirtschaftssanktionen westlicher Staaten.


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