Telekolleg - Geschichte


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Telekolleg Geschichte (12) Nigeria – Lasten der Kolonialzeit

Seit 1861 hatte Großbritannien begonnen, das heutige Nigeria zu kolonisieren. Die Briten beherrschten in diesem Gebiet ganz unterschiedliche Völker mit völlig verschiedenen Gesellschaftsordnungen und Religionen. Das wurde später Anlass für viele Konflikte.

Stand: 22.03.2014 | Archiv

Deutsche Kolonien in Afrika | Bild: picture-alliance/dpa

Im Norden lebte und lebt der Volksstamm der Haussa, er war seit Jahrhunderten islamisch und streng feudalistisch geprägt. Hier waren die Emire die unumschränkten Herrscher. Die Ibo im Süden waren ursprünglich Feldbauern und hatten nicht einmal Häuptlinge – ihre Sozialstruktur war durch Sippen geprägt. Viele von ihnen nahmen den christlichen Glauben der Kolonialherren an.

Hungernde Kinder im Biafra-Krieg

Bei der Erdölsuche hatte Großbritannien bis 1957 der Firma Shell das Monopol eingeräumt, der Konzern konnte sich so die ertragreichsten Felder sichern. 1960 wurde Nigeria unabhängig. Sieben Jahre später begann der Biafra-Krieg: Militärputsche sorgten für eine Eskalation der Auseinandersetzungen zwischen den Haussa und dem Volk der Ibo. Die Ibo wollten unabhängig werden, dagegen kämpfte die Militärregierung mit allen Mitteln, unterstützt auch von Großbritannien – schließlich lagen die meisten Erdölfelder im Land der Ibo. Drei Jahre, 1967 bis 1970, konnten die Ibo ihren eigenen Staat, Biafra, gegen die Übermacht der Zentralregierung behaupten, dann wurde er mit Gewalt wieder Teil von Nigeria. Seit 2011 terrorisiert die islamische Gruppe Boko Haram die Christen im Norden Nigerias durch Überfalle und Sprengstoffanschläge und will sie zum Verlassen des islamisch dominierten Gebiets zwingen. Untersuchungen zeigten, dass Boko Haram dabei von Teilen der Regierung und Verwaltung unterstützt wird – ein neuer Bürgerkrieg ist nicht auszuschließen.

1900 bis 1945 – Lehren aus dem Zusammenbruch

Baumwollspinnerei

Um 1900 waren die Rollen zwischen den europäischen Staaten und ihren Kolonien klar verteilt. Der technische Fortschritt, der zur Industriellen Revolution geführt hatte, blieb auf die Industrienationen beschränkt. Die Kolonien lieferten die billigen Rohstoffe und mussten dafür die Produkte der Industrienationen abnehmen.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg blieb diese Rollenverteilung erhalten, bis 1929 am „Schwarzen Freitag“ die Weltwirtschaft durch einen katastrophalen Kurssturz an der New Yorker Börse erschüttert wurde. Dem freien Fall der Aktien folgte die Arbeitslosigkeit – sie brachte über Nacht Hunger und Elend in die Industriestaaten. Jeder vierte Arbeitnehmer in den USA war 1932 ohne Job. Die Regierungen der Industriestaaten gerieten unter Druck, sie verhängten Schutzzölle, um ihre Länder von den Schwankungen des Weltmarkts unabhängig zu machen. Das Welthandelsvolumen schrumpfte um 60 Prozent. Dieses Vorgehen beschleunigte aber die Krise. Der Abzug der amerikanischen Kredite vernichtete in Deutschland fast jeden zweiten Arbeitsplatz.

Propaganda Rede Goebbels Nationalsozialisten

Die demokratisch gewählte Regierung wurde der wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe nicht Herr, die radikalen Parteien der Kommunisten und Nationalsozialisten erhielten Zulauf. Schließlich errangen die Nationalsozialisten legal die Regierungsgewalt und errichteten ihre Diktatur – aber auch in vielen anderen Ländern Europas kamen rechtsradikale Regierungen an die Macht.

Die Konferenz von Bretton Woods und ihre Folgen

Konferenzteilnehmer in Bretton Woods

Die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs glaubten, dass die Errichtung von rechtsgerichteten Diktaturen in vielen Ländern Europas durch die gegenseitige Abschottung begünstigt wurde – dem wollten sie für die Zukunft vorbeugen. Deshalb trafen sich im Juli 1944 in Bretton Woods, New Hampshire, USA, 730 Delegierte aus 34 Nationen zur United Nations Monetary and Financial Conference. Der amerikanische Finanzminister Henry Morgenthau sicherte den Finanzexperten aus den Teilnehmerländern zu, dass der US-Dollar jederzeit gegen eine entsprechende Menge Gold eingetauscht werden könne. Der Dollar wurde die Leitwährung, an die sich die anderen Länder mit einem festen Wechselkurs ihrer Währungen banden. Die Institutionen, die damals gegründet wurden, gibt es heute noch: Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll verschuldeten Staaten unter die Arme greifen, damit die Krise eines Landes nicht auf andere überspringt. Dafür müssen die betroffenen Länder aber strenge Auflagen für ihre Wirtschaftspolitik befolgen.

Zweite Jahrestagung der Weltbank

Die Weltbank soll durch gezielte Entwicklungshilfe verhindern, dass zu große Wohlstandsunterschiede entstehen, die zu politischen Spannungen führen könnten. Schließlich soll die WTO, die World Trade Organization (vormals GATT), die Entwicklung des freien Welthandels durch den Abbau von Zöllen fördern. Die Globalisierung, also die organisierte internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, wurde somit nach dem Zweiten Weltkrieg gezielt gefördert, nicht nur um die Industriestaaten mit billigen Produkten aus den Schwellenländern zu versorgen, sondern um weltweit den Wohlstand der Länder zu garantieren.


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