Telekolleg - Geschichte


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Telekolleg Geschichte (3) 1945 – 1949 Wiederaufbau im Westen, Demontage im Osten

Wie fast alle deutschen Großstädte lag Berlin 1945 in Trümmern. Während sich die Deutschen mühten, ihren Alltag nach der totalen Niederlage zu organisieren, tagten in Potsdam die Vertreter der drei Siegermächte USA, Großbritannien und UdSSR.

Stand: 17.01.2014 | Archiv

Die ersten Bilder führen zum ehemaligen „Palast der Republik“, der von der Führung der DDR an der Stelle des gesprengten Berliner Stadtschlosses der Hohenzollern errichtet worden war. Wo einst in „Erichs Lampenladen“ - wie ihn der Volksmund nannte – die DDR-Elite feierte und sich feiern ließ, begannen um 2005 die Abbrucharbeiten, heute ist der Repräsentationsbau dem Erdboden gleichgemacht.

Nur an wenigen Stellen wird noch an Berlins Zeit als „Viersektorenstadt“ erinnert, so am ehemaligen Zonengrenzübergang Heinrich- Heine-Straße, dem „Checkpoint Charlie“, an den heute nur ein kleines Museum erinnert. Jahrzehntelang standen sich hier die Repräsentanten der beiden Machtblöcke des Kalten Krieges gegenüber.

Quer durch Deutschland verliefen nun Grenzen mit strengen Kontrollen, denn das Gebiet des Deutschen Reichs, von dem schon Gebiete unter polnischer und russischer Verwaltung abgetrennt waren, wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

Die Besatzungszonen der vier Siegermächte des 2. Weltkriegs

Die drei Siegermächte hatten Frankreich in ihren Kreis aufgenommen, das eine Zone angrenzend an sein Staatsgebiet im Südwesten Deutschlands erhielt. Die Zone der USA lag in Süddeutschland, dazu kam Bremen als Überseehafen. Die ehemalige Reichshauptstadt Berlin war ebenfalls in vier Sektoren aufgeteilt, mit garantierten Zufahrtswegen durch die SBZ für das Militär der Westalliierten. In den vier Zonen herrschte jeweils eine Militärregierung, die Koordination für alle vier Zonen hatte der Alliierte Kontrollrat in Berlin. Schon bald zeigte sich jedoch, dass die Vorstellungen über die Zukunft ihrer Gebiete zwischen den Machthabern in der Sowjetisch Besetzten Zone (SBZ) und denen der drei westlichen Zonen weit auseinandergingen.

Die Westzonen profitierten schon bald von den Krediten und Warenlieferungen aus den USA nach dem Marshallplan, mit denen das zerstörte Westeuropa wieder aufgebaut werden sollte. Denn die Amerikaner glaubten, dass nur in wirtschaftlich gestärkten Ländern eine stabile Demokratie aufgebaut werden könnte.

Besonders willkommen waren bei der hungernden deutschen Bevölkerung die Lebensmittelpakete der Wohltätigkeitsorganisation CARE. Zudem sollten v.a. in der amerikanischen Besatzungszone durch die sog. Entnazifizierung Verbrechen gegen die Menschenrechte geahndet und durch ihre NS Vergangenheit belastete Beamte aus ihren Ämtern entfernt werden. Andererseits ermöglichten die Amerikaner schon 1946 in ihrer Zone zunächst Gemeinde-, gegen Ende des Jahres auch schon Landtagswahlen in den inzwischen wieder gegründeten Ländern. Später folgten auch Briten und Franzosen diesem Beispiel. Die UdSSR hingegen verbot in ihrer Zone und auch in ihren Satellitenstaaten die Annahme von Mitteln aus dem Marshall- Programm. In der SBZ wurde zunächst das Land von Großgrundbesitzern enteignet, neu aufgeteilt und an Kleinbauern abgegeben. Die Industrie wurde in staatseigene Betriebe überführt, allerdings wurden nicht nur einzelne Maschinen, sondern komplette Industriebetriebe demontiert und als Kriegsentschädigung in die UdSSR transportiert, so dass die industrielle Basis in der SBZ sehr geschwächt war.

Immer deutlicher zeichnete sich ab, dass aus den drei Westzonen die Bundesrepublik Deutschland und aus der SBZ die Deutsche Demokratische Republik entstehen würde.

Ein letzter Versuch, die sich abzeichnende Teilung aufzuhalten, war 1947 gescheitert. Aus allen Zonen waren die Ministerpräsidenten der neu gegründeten deutschen Länder nach München angereist, um über eine Zusammenarbeit zu beraten. Die Konferenz endete jedoch mit einem Eklat: Die Ministerpräsidenten der osteuropäischen Länder reisten ab, bevor auch nur eine Tagesordnung beschlossen war.

Ein weiterer Einschnitt war die in den drei Westzonen durchgeführte Währungsreform. Die Reichsmark hatte stark an Wert verloren und wurde am 18. Juni 1948 durch neues, in den USA unter strenger Geheimhaltung gedrucktes Geld ersetzt. Jeder Deutsche erhielten einmalig für 40 Reichsmark 40 neue „D-Mark“, Sparguthaben wurden im Verhältnis 10:1 abgewertet, die Guthaben der Gemeinden Städte und Länder wurden wertlos. Plötzlich kamen mit dem neuen Geld auch Waren und Lebensmittel auf den Markt, die man bisher nur „schwarz“, d.h. im Tauschhandel erwerben konnte. Am 19. Juni führten dann die Sowjets in der SBZ die „Ostmark“ (MDN = Mark der Deutschen Notenbank) als neue Währung ein. Als die Westalliierten dies mit der D-Mark auch in ihren drei Sektoren in Berlin tun wollten, reagierte die Regierung der UdSSR mit einer Blockade der Zufahrtswege zwischen den Westzonen und Westberlin.

Die Amerikaner errichteten hierauf eine „Luftbrücke“ zwischen den Westzonen und Westberlin, bis zu 900 Flugzeuge täglich brachten alles Lebensnotwendige nach Berlin. Besonders schwierig war die Versorgung mit ausreichend Kohle und so wurden alle Parks in Berlin abgeholzt. Nach Verhandlungen zwischen den Westalliierten und der Regierung der UdSSR wurde die Blockade am 4. Mai 1949 wieder aufgehoben.


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