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Fakten Objektivität, Subjektivität und Wahrheitsgehalt

Nicht jede Information ist eine Nachricht, nur eine solche, die "Nachrichtenwert" besitzt. Ist die unterschiedliche Auswahl der Nachrichten rein subjektiv und beliebig, oder gibt es Kriterien für die Auswahl?

Stand: 10.02.2012

Tagesschau feiert Jubiläum | Bild: picture-alliance/dpa

Was zur Nachricht werden soll, bestimmen, die Sender und Printmedien selbst. Ein Boulevardmagazin bringt gewöhnlich etwas anderes als Topnachricht als die Abo-zeitungen und die Nachrichten in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Wolf Schneider (Journalist und Dozent für Journalismus) hat drei brauchbare Kriterien unterschieden, die eine Nachricht ausmachen:
das Neue, Wichtige und Interessante.
Die Tatsache, dass sich diese drei Kriterien selten ganz decken, begründet die Verschiedenheit der Nachrichten in den verschiedenen Sendern und Blättern. Neuheit und Aktualität verspricht jede Nachricht. Die Qual der Wahl beginnt für die Redaktion in dem Moment, wo sie aus den vielen Neuigkeiten aus aller Welt, die ihr die Nachrichtenagenturen (die weltweiten wie Reuters, AP und AFP oder die deutschen: dpa, DNB etc.) liefern, bestimmen muss, welche Neuigkeit für sie eine Nachricht wert ist.

Neuigkeiten kann man subjektiv unterscheiden in wichtige und interessante. Zu beachten ist jedoch:

1. das, wonach sich Leser und Hörer und Zuschauer "richten müssen" (neue Gesetze und Verordnungen, Ferientermine, Straßensperren),
2. das, wonach sie sich "richten können" (z.B. Handlungen und Reden von Politikern, die möglicherweise zu künftigen Wahlentscheidungen beitragen, oder Ferienstaus auf Autobahnen), 3. die Hintergrundinformation zu einem Geschehen oder Ereignis, die dazu beiträgt, den Lesern, Hörern oder Zuschauern "eine vernünftige Einschätzung der irdischen Verhältnisse zu ermöglichen. Je ferner und je weniger bekannt die Weltgegend ist, um so mehr ist dem Rezipienten mit einer analytischen Aufbereitung des Nachrichtenstoffs gedient." (Schneider S. 55)

Zuweilen sind Nachrichten, die wichtig sind, auch von Haus aus interessant, wie z.B. die Ergebnisse der Bundestagswahlen. Ein großer Teil der Nachrichten ist indes nur interessant, ohne wichtig zu sein, d.h. ohne dass man sich in seinen Handlungsentscheidungen oder Einschätzungen danach richten muss oder kann. Das bloß Interessante ist der Stoff für das so genannte Infotainment. Es findet Platz auf den bunten Seiten oder dem "Vermischten" der Abo-zeitungen und grassiert als das „Interessant“ gemachte in allen Boulevardmagazinen und -zeitschriften. Vernachlässigen letztere zu sehr das Wichtige, so scheuen sich umgekehrt die Abo-zeitungen bisweilen aus lauter Angst, unseriös zu erscheinen, eine Nachricht von allgemeinem Interesse, selbst wenn sie wichtig ist, zur ersten Nachricht des Tages zu machen. Der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung untersagte z.B. der Nachrichtenredaktion 1990 den Einsturz der Inntal-Autobahnbrücke als Aufhänger, d.h. als erste Nachricht des Tages, zu bringen. Er begründete seine Zeitungspolitik, die diktiert, was wichtig ist: "Wir sind eine politische Zeitung." (Zitiert nach Schneider S. 57.)

Prüfen Sie doch einmal bewusst, was Ihre gewohnte Tageszeitung zu Aufhängern macht, das Wichtige oder das Interessante nach obiger Differenzierung. Gut bedient und informiert sind Sie, wenn Ihre Zeitung sich auf die Kunst versteht, das Wichtige auch interessant zu machen.

Literatur:

Deutsch für Profis – Handbuch der Journalistensprache Wolf Schneider(Stern-Buch 1982, Goldmann TB 1985, 29.Auflage 2010)


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