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Printmedien Fakten

Wer gehört wem? Fakten zur Medienkonzentration zeigen, wie sich Inhalte am besten verkaufen - verteilt auf Tagezeitungen, Zeitschriften und Bücher.

Stand: 31.01.2012

Zeitungskästen | Bild: picture-alliance/dpa

1. Tagespresse

Mit einem Marktanteil von 19,6 Prozent (im Jahr 2000 noch 23,6 Prozent) an der Tagespresse ist die Axel Springer Verlag AG, Hamburg/Berlin, nach wie vor die auflagenstärkste Verlagsgruppe der BRD (siehe Media Persektiven 2010). Diesen stabilen Vorsprung in der deutschen Presselandschaft verdankt Springer vor allem dem Boulevardblatt, das er 1952 ins Leben rief, der Bild-Zeitung. Unter dem sprechenden Titel "10Pfg.-Bildzeitung" erschien sie üppig bebildert am 24. Juni 1952 mit einer Startauflage von 250.000 Exemplaren und überschritt – ein einzigartiger Erfolg in der deutschen Mediengeschichte – schon nach ein paar Monaten die Millionengrenze. In den 80er Jahren erreichte sie mit 5,4 Millionen ihr Auflagenhoch. Heute ist die Bildzeitung immer noch die meistverkaufte Tageszeitung, allerdings mit einer sinkenden Auflagenanzahl von 3,15 Millionen Exemplaren. Der schöne Werbespruch von Bild, "Bild dir deine Meinung", mag angesichts dieses Meinungsmonopols immer noch zynisch anmuten.

Der Springer-Verlag hat nach und nach noch viele andere große und kleine Zeitungen aufgekauft: z.B. das Hamburger Abendblatt, das heute gut 300.000 Exemplare verkauft, die Welt mit einer Auflage von 234.000, die Ostsee-Zeitung mit 195.000 und die Leipziger Volkszeitung mit fast 120.000. Dazu kommen zahlreiche kleine Blätter wie die Dresdener Neuesten Nachrichten, das Naumburger Tageblatt, die Lübecker oder die Kieler Nachrichten, bei denen Springer zu Anteilen zwischen 25 und 75 Prozent beteiligt ist. Gefolgt wird der Springer-Verlag von der, Verlagsgruppe Stuttgarter Zeitung, Rheinland Pfalz / Südwest Presse (8,6 Prozent Marktanteil), Verlagsgruppe WAZ (5,8 Prozent) DuMont (5,5 Prozent) und die Ippen- Gruppe (4,2 Prozent). Insgesamt halten diese fünf größten Verlagsgruppen der BRD im Jahr 2010 einen Marktanteil von 43,7 Prozent, die zehn größten einen von 58,1 Prozent. Über achtzig Prozent ihres Umsatzes machen die Tageszeitungen durch das Anzeigengeschäft. Nach dem Konjunktureinbruch im Jahr 2009 ist der Aufschwung bei der Tagespresse auch im Jahr 2010 zu verzeichnen, so der Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger. Mit einem Werbeumsatz von 3,64 Milliarden Euro im Jahr 2010 (-1,5 Prozent) sind die Tageszeitungen in Deutschland nach dem Fernsehen der zweitgrößte Werbeträger. 48 Millionen Deutsche über 14 Jahren lesen täglich eine Zeitung. Ihre höchste Reichweite von fast 80 Prozent erzielen die Tageszeitungen traditionell bei den 40- bis 69-jährigen Lesern.

2. Zeitschriftenmarkt

Die Bewegungen auf dem Zeitschriftenmarkt in den letzten 25 Jahren sind beträchtlich. Die Anzahl der Wochenzeitschriften verringerte sich seit 1975 um mehr als die Hälfte, während die Auflagenzahl der verkauften Exemplare insgesamt etwas stieg. Einen enormen Anstieg haben die Publikumszeitschriften zu verzeichnen: 2009 waren 879 verschiedene Publikumszeitschriften auf dem Markt, fast viermal so viele wie 1975. Ihre Auflagenhöhe insgesamt verdoppelte sich nahezu. Um ein Drittel wuchs die Anzahl der Fachzeitschriften – allerdings sind in den letzten Jahren insgesamt weniger Fachzeitschriften verkauft worden als 1975. Im Jahr 2011 wurden 113,12 Mio Publikumszeitschriften verkauft, dass sind 0,17 Prozent mehr als im Vorjahr. Dass die Vielfalt der Fach- und Publikumszeitschriften nicht unbedingt Meinungsvielfalt bedeutet, zeigt ein Blick auf die Homepages der Medienkonzerne, (zu) denen die meisten von ihnen gehören: Burda, Gruner + Jahr AG & Co und Bertelsmann.

3. Buchmarkt

Ein Ende der Konzentration ist bei den Buchverlagen immer noch nicht in Sicht. Die noch selbstständigen Verlage müssen um ihre Existenz bangen, die bereits gekauften um ihre Programmvielfalt: "Kapitalistische Monopolkommunisten" seien die Medienkonzerne. So der engagierte Berliner (Klein-)Verleger Klaus Wagenbach in der SZ: "Was früher noch mühsam enteignet wurde, wird jetzt einfach gekauft. Dafür braucht man Kriegskassen, die mit Extraprofiten aus Teilmonopolen, Personal-Verschlankungen, Einschränkungen der Produktpalette oder Rationalisierungen in der Distribution gefüllt werden." (Zitiert nach Hachmeister S.19).

Die größten Verlage der BRD und ihren Umsatz kann man dem Buchreport entnehmen. Sämtliche Verlage werden dort aber mit ihren traditionellen Namen aufgeführt, die sie auch nach der Übernahme durch die Großen behalten. Daher geht aus der Aufstellung nicht hervor, (zu) welchen Giganten sie gehören.

Online Vertriebsfirma, wie der marktbeherrschende amazon – shop, hat durch seine Logistik und sein Bestellwesen den Buchhandel radikal verändert und bescherten dem gedruckten Buch nie gekannte Auflagen. Mit dem Verkauf von ebooks und eReaders steht amazon wieder an erster Stelle: „Nun ist das digitale Lesen in Deutschland angekommen“, prophezeit die Marketingabteilung von Amazon, der E-Reader „Kindle“ mit deutscher Menüführung ist das meistverkaufte Produkt auf amazon.de seit Beginn der Weihnachtssaison am 1. November 2011 (buchreport online). Tatsächlich steigt der Markt der ebooks stetig. Nach einer Hochrechung des Hightech-Verbands Bitkom liegt der Absatz in diesem Jahr bei 2,1 Mio Geräten, ein Plus von 162 Prozent. Im Juli 2011 besaßen knapp 800.000 Deutsche einen E-Reader. Im Januar 2011 waren es noch 380.000 Geräte. Das digitale Lesen ist auf dem Vormarsch.

Literatur und Links

  • Lutz Hachmeister, Günter Rager. Wer beherrscht die Medien. Die 50 größten Medienkonzerne der Welt. Jahrbuch 2000. München 2000.

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