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Goethes Leben Wer war Goethe?

Seine Werke zählen zu den wichtigsten der Weltliteratur: Johann Wolfgang von Goethe war schon zu Lebzeiten ein Star. Hier einige der wichtigsten Stationen aus dem Leben des Universalgenies und Dichterfürsten.

Stand: 30.03.2015

28. Agust 1749 – Geburt

Johann Wolfgang kommt am 28. August 1749 in Frankfurt am Main zur Welt. Er wächst in einer wohlhabenden und gebildeten Familie auf und holt sich schon früh geistige Anregung in der väterlichen Bibliothek. Ab seinem 6. Lebensjahr erhält er neben Zeichen- auch Sprachunterricht in Griechisch, Latein, Hebräisch, Französisch, Italienisch und Englisch.

Um weitere Stationen im Leben Goethes genauer zu erforschen – einfach auf die Jahreszahlen klicken.

1763 / 1764 – unglückliche Liebe

Der 14-Jährige verliebt sich in ein Mädchen namens Gretchen. Doch die Geschichte endet unglücklich. Der junge Goethe muss erkennen, dass ihn das Mädchen nur benutzt hat, um einem Vetter mit kriminellem Hintergrund Zugang zu seiner wohlhabenden Familie zu verschaffen.

1765 – erste dramatische Texte

Der 16-jährige Johann Wolfgang nimmt Reit- und Fechtunterricht und verfasst erste dramatische Texte. Goethe möchte Geschichte und klassische Philologie studieren – aber er folgt dem väterlichen Wunsch und beginnt ein Jurastudium in Leipzig. Gleichzeitig besucht er Poetik-Vorlesungen von Christian Fürchtegott Gellert. Gellert gilt als einer der Wegbereiter des literarischen "Sturm und Drang".

1768 – Tuberkulose

Goethe erkrankt an Tuberkulose, und muss sein Studium in Leipzig abbrechen. Während seiner Genesungszeit in Frankfurt veröffentlicht er seinen ersten Band mit selbstverfasster gefühlsbetonter Lyrik.

1770 – Jurastudium

Goethe führt sein Jurastudium in Straßburg fort. Er besucht dort auch Medizin- und Chemie- Vorlesungen und beschäftigt sich mit Alchemie und mystisch-religiösen Schriften. 1771 schließt er das Jurastudium ab und richtet sich im Frankfurter Elternhaus eine kleine Kanzlei ein.

1772 – "Die Leiden des jungen Werther"

Ab dem 25. Mai arbeitet Goethe auf Drängen seines Vaters als Referendar am Reichskammergericht in Wetzlar. Dort verliebt er sich in die schöne Charlotte Buff. Doch die junge Dame erwidert seine Gefühle nicht – sie ist bereits vergeben. Seinen Liebeskummer schreibt sich Goethe in "Die Leiden des jungen Werther" von der Seele. Die Geschichte einer unglücklichen Liebe wird ein riesiger Publikumserfolg.

1775 – Goethe in Weimar

Anfang November trifft Goethe in Weimar ein. Er folgt einer Einladung des jungen sächsischen Herzog Karl August, erwirbt rasch das Vertrauen des Herzogs und wird von ihm zum Geheimrat am Weimarer Hof ernannt.

Am 11. November begegnet Goethe der sieben Jahre älteren Hofdame Charlotte von Stein, mit der ihn fortan für viele Jahre eine – wohl platonisch gebliebene – Liebesbeziehung verbindet. Charlotte von Stein macht ihn mit höfischen Verhaltensweisen vertraut und ist für ihn Muse und geistreiche Gesprächspartnerin zugleich.

1776 – Mineralie und Geologie

Auch die Mineralogie und Geologie gehören zu Goethes Fachdisziplinen. Er sammelt leidenschaftlich Steine und untersucht den Aufbau der Erdkruste und die Tätigkeit von Vulkanen. Dieses Wissen dient ihm, als er – im Auftrag von Herzog Karl August – in Ilmenau ab 1796 für die Erschließung und Ausbeutung eines Kupfer- und Silberbergwerks verantwortlich ist.

1779 – Goethe als Minister

Goethe wird Kriegs- und Wegebauminister. Drei Jahre später wird er zum Finanzminister ernannt und in den Adelsstand erhoben. Außerdem wird ihm die Aufsicht über die Universität Jena übertragen.

1783 – Illuminat

Goethe tritt in den Illuminatenorden ein. "Illuminati", zu deutsch "die Erleuchteten", wollten die Aufklärung vorantreiben und die Monarchie bekämpfen. Die Geheimgesellschaft wurde 1776 in Ingolstadt von Adam Weishaupt gegründet. Unter den rund 1.500 Mitgliedern war auch Adolph Freiherr von Knigge, der in Norddeutschland zahlreiche neue Mitglieder anwarb. Wegen staatsfeindlicher Tendenzen wurde der Orden 1785 in Bayern verboten.

1784 – Entdeckung des Zwischenkieferknochens

Am 27. März macht Goethe eine spektakuläre Entdeckung: Auch der Mensch hat einen Zwischenkieferknochen. Dieser Knochen war vorher bereits bei (anderen) Säugetierarten nachgewiesen worden. Goethes Entdeckung trägt deshalb dazu bei, dass die bis dahin geltende Schöpfungsgeschichte in Frage gestellt wird, die von einer Sonderstellung des Menschen ausgegangen war. Außerdem entsteht in diesem Jahr seine naturphilosophische Schrift "Über den Granit" und Goethe unternimmt ausführliche Botanik-Studien.

1786 – Italienreise

Im Gefühl, durch Hofwelt und Ämtervielfalt zu sehr eingeschränkt zu sein und getrieben von der Angst, seine künstlerische Schaffenskraft zu verlieren, bricht Goethe am 3. September heimlich und incognito auf, um mit der Kutsche über Verona und Venedig nach Italien zu reisen. Nur der Herzog ist informiert. Am 29. Oktober trifft er in Rom ein. Er wohnt dort bei dem Maler Heinrich Wilhelm Tischbein, der ihn in die römische Kulturszene einführt.

1787 – ein neues klassisches Kunstverständnis

Tischbein begleitet Goethe nach Neapel und Sizilien. Goethe fertigt über 1.000 Blätter mit Handzeichnungen. In seinem Tagebuch hält er botanische Beobachtungen fest (u.a. zur Urpflanze). In der Begegnung mit den Zeugnissen der Antike und der Renaissance formen sich allmählich Grundzüge eines neuen, klassischen Kunstverständnisses. Der Dichter entfernt sich vom leidenschaftlichen Sturm und Drang und widmet sich nun vor allem der klassisch geprägten Tragödie.

1788 – Rückkehr nach Weimar

Am 25. April tritt Goethe die Rückreise nach Weimar an. Sein Leben ändert sich grundlegend. Dem Herzog schreibt er: "Ich darf wohl sagen: ich habe mich in dieser anderthalbjährigen Einsamkeit selbst wiedergefunden; aber als was? – Als Künstler!" Er lässt sich von den meisten politischen Ämtern entbinden. Administrative Aufgaben beschränkt er auf wissenschaftliche und künstlerische Bereiche. Jetzt will er sich auf das eigene künstlerische Schaffen konzentrieren.

Kurz nach seiner Rückkehr beginnt Goethe eine Liebesbeziehung mit der 23-jährigen Christiane Vulpius. Sie ist hübsch und hat ein umgängliches Wesen – aber sie stammt aus einfachen Verhältnissen. Das ungleiche Paar erregt den Unmut der höfischen Kreise. Am 25. Dezember 1789 wird der gemeinsame Sohn August geboren.

1789 – Französische Revolution

Zur ausgebrochenen Französischen Revolution hat Goethe ein distanziertes Verhältnis. Er ist bestürzt über die Brutalität. Und er ist davon überzeugt, dass nachhaltige Veränderungen im Sinne aufklärerischer Prinzipien eher behutsam und vernunftbasiert eingeleitet werden sollten.

1791 – Leiter des Hoftheaters

Goethe übernimmt die Leitung des neuen Hoftheaters, die er bis 1817 inne haben wird.  Zwei Jahre später wird Goethe den Botanischen Garten in Jena mitbegründen.

1794 – Freundschaft mit Schiller

Der Herzog schenkt Goethe das Haus am Frauenplan. Es beginnt eine enge und freundschaftliche Zusammenarbeit mit Schiller. Für beide bedeutet das eine Wiederbelebung ihrer künstlerischen Schaffenskraft im Geist der Antike. Goethe arbeitet an Schillers Kunst- und Kultur-Zeitschrift "Die Horen" mit.

1797 – "Die Metamorphose der Pflanzen"

Ermuntert von Schiller, nimmt Goethe die Arbeit am "Faust" wieder auf.
Und er stellt "Die Metamorphose der Pflanzen" fertigeine seiner bedeutendsten naturwissenschaftlichen Schriften.

1806 – Heirat und "Faust I." fertig

Weimar wird nach der Schlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober von französischen Soldaten geplündert. Christiane Vulpius rettet Goethe aus einer lebensgefährlichen Situation. Aus Dankbarkeit heiratet er seine langjährige Geliebte und Lebensgefährtin fünf Tage später. Trotz der Kriegswirren gelingt Goethe der Abschluss seiner Arbeit am "Faust I.". 

1808-10 – Erste Gesamtausgabe

Die erste Gesamtausgabe der Werke Goethes erscheint in 13 Bänden im Verlag Cotta. Darunter befindet sich auch "Faust. Eine Tragödie".

1823 – Vergebliches Werben

Goethe leidet an einer Herzbeutelentzündung; er stellt Johann Peter Eckermann als Privatsekretär ein. Sein vergebliches Werben um Ulrike von Levetzow findet seinen literarischen Widerhall in der "Marienbader Elegie".

1831 – "Faust II"

Goethe schließt die Arbeit an "Faust II" ab und versiegelt das Manuskript mit der Auflage, dass es erst postum veröffentlicht wird. Auch den vierten Teil von "Dichtung und Wahrheit" kann er noch vollenden. Goethes Sekretär Friedrich Wilhelm Riemer und Johann Peter Eckermann beauftragt er testamentarisch mit der literarischen Nachlassverwaltung.

1832 – Goethe stirbt

Am 16. März erkrankt Goethe, am 22. März stirbt er. Als letzte Worte sind überliefert: "Mehr Licht!" Am 26. März wird Goethe in der Fürstengruft beigesetzt.

"Faust II" erscheint wenige Monate später postum.


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