Telekolleg - Deutsch


2

Fakten Kreatives Schreiben

Wer für seine Sprache etwas tut, tut was für seine Persönlichkeit. Aus dieser These heraus entwickelten sich in den USA seit 1930 zunehmend Ausbildungsstätten für kreatives Schreiben. In Deutschland sind diese Orte noch sehr rar.

Stand: 19.01.2013 | Archiv

Hand nah mit Stift hält einen Schreibblock  | Bild: picture-alliance/dpa

Langsam etablieren sich auch im deutschsprachigen Raum immer mehr Kurse für literarisches Schreiben. Das begrüßen viele Literaten. Denn wie der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger sagt,

"der höchste Sinn der Alphabetisierung liegt in der Fähigkeit, eine eigene sprachliche Identität zu entwickeln. Nicht um Handel zu treiben, ist Literatur nötig, sondern um sich selbst verstehen zu lernen und um sich auf seine ganz eigene Weise mitteilen zu können." (Die Zeit vom 19. Oktober 2000)

Es war der amerikanische Philosoph John Dewey, der vor fast 100 Jahren den Amerikanern klarmachte, dass die Sprachentwicklung wesentlich zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt. Inspiriert von diesem Gedanken inrichtete man in den USA seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts immer mehr Ausbildungsstätten für kreatives Schreiben ein.

Hierzulande brauchte man länger, sich von dem veralteten Geniebegriff, nach dem Kunst weder lehr- noch lernbar ist, zu verabschieden. Daher sind die Plätze an den offiziellen Ausbildungsstätten noch rar, längst nicht alle Bewerber können angenommen werden.

1. Deutsches Literaturinstitut Leipzig

Das Deutsche Literaturinstitut Leipzig bietet einen Bachelor-Studiengang für literarisches Schreiben, für Prosa, Lyrik, Dramatik und Neue Medien an. (Regelstudienzeit 6 Semester) Außerdem ein zweijähriges Masterstudium in Form einer Romanwerkstatt. Dozenten sind renommierte Autoren und Gastautoren wie Prof. Dr. Josef Haslinger, Prof. Dr. Hans-Ulrich Treichel, Kristof Magnusson und Kathrin Röggla.

Die Teilnahme kostet nicht mehr als die üblichen Studiengebühren. Aber die Teilnahmebedingungen sind streng: Notwendig sind literarische Arbeitsproben (20 Seiten lang) und, wenn die Gefallen finden, zusätzlich ein Zulassungsgespräch vor mehreren Mitgliedern der Prüfungskommission.

Anschrift:
Universität Leipzig. Deutsches Literaturinstitut.
Postfach 100920
04009 Leipzig

2. Studiengang Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus der Universität Hildesheim

An der Universität Hildesheim ist, nicht zuletzt auf Betreiben des Schriftstellers Hanns-Josef-Ortheil, ebenfalls ein Studiengang kreatives Schreiben eingerichtet worden, hier aber in Verbindung mit einem Grundkurs in Kulturjournalismus, wo es auch um die bildenden Künste, Kulturmanagement etc. geht. Die Regelstudienzeit für diese zweifellos auch breitere Ausbildung beträgt samt Prüfungszeit 9 Semester.

Teilnahmebedingung ist
1. ein "Nachweis der besonderen künstlerischen Befähigung" und
2. die Teilnahme an einer Aufnahmeprüfung.

Anschrift:
Universität Hildesheim. Immatrikulationsamt. Marienburger Platz 22.
31141 Hildesheim.
Tel.: 05121/883-150.
Alle Formalia über Teilnahmebedingungen und eine ausführliche Studiengangbeschreibung kann man herunterladen:

3. Studio Literatur und Theater Tübingen

"Das Studio Literatur und Theater bietet Raum für alle Aspekte des Kreativen Schreibens. Vom Diskutieren im Seminar bis zum Realisieren im Rundfunkstudio oder auf der Theaterbühne stehen alle Möglichkeiten offen", heißt es auf der Site der Uni Tübingen. Dies vielversprechende Angebot richtet sich an die Studierenden aller Fakultäten. Das heißt, es handelt sich hier (wie bei Manuskriptum in München) nicht um einen eigenen Studiengang, sondern um zusätzliche (nicht eine gesamte Studienzeit ausfüllende) Workshops, bei denen man sich eine Zusatzqualifikation erwerben kann. Auch die Tübinger haben namhafte Autoren als Dozenten an Land gezogen: u.a. Ingeborg-Bachmann-Preisträger Norbert Niemann und Dagmar Leupold.

Besondere Teilnahmebedingungen gibt es keine, Teilnahmegebühren auch nicht.

Anschrift:
Studio Literatur und Theater,
Wilhelmstraße 19-23,
72074 Tübingen,
Tel: 07071/2977379
Mehr dazu:

4. Studiengang Szenisches Schreiben an der HDK Berlin

Wer schon weiß, dass er vor allem Texte schreiben will/kann, die gesprochen, nicht nur gelesen werden, also wer Autor/in für Theater und Rundfunk werden möchte, ist wohl an diesem Studiengang der Hochschule der Künste am besten aufgehoben. In der Regel dauert das Studium 8 Semester und es fallen keine zusätzlichen Studiengebühren an. Die Zulassung zu diesem Studiengang setzt "eine besondere künstlerische Begabung" voraus, die Sie mit Arbeitsproben (szenischen Entwürfen etc.) und einer Aufnahmeprüfung unter Beweis stellen müssen. Weitere Teilnahmebedingung ist das Mindestalter von 18 Jahren.

Absolventen des Studiengangs sind u. a. Marius von Mayenburg, Rebekka Kricheldorf, Bernhard Studlar, Dea Loher, Juliane Kann, Andreas Sauter, Dirk Laucke, Anja Helling, Nis-Momme Stockmann, Marianna Salzmann.

Anschrift:
Universität der Künste Berlin.
IPA/Fakultät Darstellende Kunst,
Postfach 12 05 44,
10595 Berlin.
Mehr dazu auf der Site der HDK:

5. Autorenwerkstatt Prosa vom LCB (Berlin)

Das LCB steht für "Literarisches Colloquium Berlin" und knüpft mit seiner Autorenwerkstatt Prosa an eine seit den 60er Jahren bestehende Tradition an. Damals trafen sich jüngere Autor/innen, um mit Mentoren wie Günter Grass an ihren Texten zu arbeiten. Der ursprüngliche Name der Autorenwerkstatt war „Prosaschreiben“.

Heutzutage findet die Werkstatt an vier langen Wochenenden im Herbst statt. Jüngere Autorinnen und Autoren, können sich mit ihrem eigenen Manuskript bewerben. Für ein 3-monatiges Aufenthaltsstipendium können sich deutschsprachige Schriftsteller/innen die nicht in Berlin leben und max. 35 Jahre alt sind, bewerben. Als Voraussetzung ist mindestens eine literarische Publikation vorzuweisen.

Manch literarische Karriere hat ihre Wurzeln in der Autorenwerkstatt. So zum Beispiel die von Inka Parei, Norbert Zähringer, Judith Hermann und Thomas Weiss.

Nähere Informationen kann man einholen bei:
Literarischen Colloquium Berlin. Autorenwerkstatt,
Am Sandwerder 5,
14109 Berlin
und auf der Site des LCB:

6. Bayerische Akademie des Schreibens

Unter der Leitung des Literaturhauses München haben sich inzwischen sechs bayerische Universitäten zusammengeschlossen, um Seminare zum Literarischen Schreiben anzubieten. Neben den Münchner Universitäten LMU und TU sind das die Universität Regensburg , die Otto-Friedrich Universität Bamberg, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie die Universität Bayreuth.

Die Karrieren vieler Autor/innen begann in Schreibwerkstätten und an Lehrinstituten, die kreatives Schreiben anbieten. Die Erkenntnis, dass das Schreiben neben künstlerischer Begabung auch solides Handwerk erfordert, ist schon vor Jahren vom angelsächsischen Raum zu uns übergewandert. In den USA haben Creative Writing Courses an den Universitäten eine lange und erfolgreiche Tradition.

Um dieser Entwicklung auch in Bayern Rechnung zu tragen, bündelt die Akademie des Schreibens bestehende Initiativen wie textwerk im Literaturhaus München, Manuskriptum an der LMU München oder Poetik-Professuren und Poetik-Seminare der Universitäten in Bamberg und Erlangen.“ (Zitat aus der Presseinformation des Literaturhauses München vom 24.10.2011)

Die Organisation der Seminare und deren Programm liegt bei Dr. Katrin Lange vom Literaturhaus München gemeinsam mit Professoren der angeschlossenen Universitäten

Die Bayerische Akademie des Schreibens hat 2 Stufen:
Die Stufe 1 richtet sich an Studierende der Universitäten Bamberg, Bayreuth, Erlangen, LMU München, TU München und Regensburg. Sie bieten jährlich zwei parallele Kurse für Studierende an, unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
Die Stufe 2 bietet Seminare in den verschiedensten literarischen Genres für junge Autor/innen (bis 40 Jahre) an.

Anschrift:
Literaturhaus München
Salvatorplatz 1
80333 München
Tel. 089 / 29 19 34-23,
email:klange@literaturhaus-muenchen.de
Weitere Informationen unter:

Um dieser Entwicklung auch in Bayern Rechnung zu tragen, bündelt die Akademie des Schreibens bestehende Initiativen wie textwerk im Literaturhaus München, Manuskriptum an der LMU München oder Poetik-Professuren und Poetik-Seminare der Universitäten in Bamberg und Erlangen. Den Seminaren an den Universitäten sollen weiterführende Seminare für junge Autoren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum folgen. Diese modulare Seminarstruktur der Bayerischen Akademie des Schreibens ist ein alternatives Modell zu den Studiengängen in Leipzig und Hildesheim.

7. Klagenfurter Literaturkurse

Gemeinsam veranstalten die Kulturabteilung der Stadt Klagenfurt und das ORF Landesstudio Kärnten den Klagenfurter Literaturkurs, der immer unmittelbar vor dem Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis stattfindet. Die stets von prominenten Autor/innen geleiteten Tutorien bieten Gelegenheit zur Diskussion.. Über die Tutorien sagt Literaturkurs Stipendiatin 2011 Nora Wicke: „Es ist, als würde jemand meine Schultern sanft nach hinten ziehen und dicht an meinem Ohr zu mir sagen: Es lohnt sich, es lohnt sich deinen Text zu lesen. Es lohnt sich, die Arbeit daran fortzusetzen. Er interessiert uns und wir schätzen deine Sprache.“ Nur wer höchsten 35 Jahre ist und schon einmal etwas Literarisches veröffentlicht hat, wird als Bewerber akzeptiert.

Anschrift:
Robert-Musil-Literatur-Museum,
z.H. Dr. Heimo Strempfl,
Bahnhofstraße 50,
A-9020 Klagenfurt.
Mehr dazu vom Ort der Tutorien, dem Musil-Museum, unter:

8. Kölner Autorenwerkstatt

Auch der Fachbereich Germanistik der Kölner Universität hat eine "Autorenwerkstatt“ eingerichtet, in der Autor/innen, und solche, die es werden wollen, ihre Texte vorlegen und gemeinsam zerpflücken und zusammensetzen.

In der Autorenwerkstatt treffen sich schriftstellerisch Tätige, um über ihre eigenen literarischen Produktionen lebhaft zu diskutieren. In der Regel werden Kurzprosa, Lyrik oder Auszüge aus Romanen vorgestellt. Bei einem Treffen haben jeweils zwei Autoren ihre Texte in ausreichender Zahl kopiert, so dass jeder Teilnehmer das nun Vorgetragene hören als auch lesen darf. Für die folgende Diskussion existiert nur eine Spielregel: Der Autor selbst darf sich zunächst nicht äußern, sondern nur am Ende der Diskussion ein kurzes Statement abgeben.“ (Zitiert nach dem Vorlesungsverzeichnis WS 12/13 der Uni Köln / SchreibArt)

9. Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam Babelsberg

Wer lernen will, Drehbücher zu schreiben, findet an mehreren Hochschulen für Film und Fernsehen Gelegenheit dazu, z.B. in Potsdam. Dort bietet ein Bachelor-Studiengang (Regelstudienzeit 6 Semester) alles, was man dazu braucht, angefangen bei der Skizzierung einer Idee, über projektbezogene Zusammenarbeit mit Studierenden anderer Studienrichtungen wie zum Beispiel Regie oder Animation bis hin zur Filmmontage und Medienwissenschaft . Im Anschluss an das Bachelorstudium kann ein viersemestriges Masterstudium absolviert werden.
Die Bewerber müssen recht umfangreiche Arbeitsproben vorlegen. Wenn sie Glück haben, werden sie dann zu einer Aufnahmeprüfung geladen.

Anschrift:
Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg.
Studiengang Film- und Fernsehdramaturgie,
Marlene-Dietrich-Allee 11,
14482 Potsdam.
Mehr dazu auf der Site der Hochschule unter:

Für künftige Drehbuchschreiber/innen hier die Internetadressen von ein paar weiteren Hochschulen für Film und Fernsehen:

Neben den aufgeführten Schulen gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, kreatives Schreiben zu lernen. So bieten zum Beispiel auch Fernschulen entsprechende Seminare an. Hier werden Studienmaterialien per Post zugesandt und Internet-Plattformen dienen als Campus.


2