Telekolleg - Deutsch


235

Goethes "Faust" Darum geht's im "Faust"

"Faust I – Der Tragödie erster Teil" von Johann Wolfgang von Goethe spielt in Deutschland um das Jahr 1500. Es verbindet zwei Handlungsstränge: die "Tragödie des Gelehrten Faust" und die "Gretchentragödie".

Stand: 30.03.2015

Der Gelehrte Heinrich Faust hat alles: Wissen und Ansehen. Zufrieden ist er trotzdem nicht.

"Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Magister, heiße Doktor gar,
Und ziehe schon die zehen Jahr
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum –
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen."

('Faust I', Beginn der Tragödie erster Teil, Nacht,Vers 354 - 365)

"Faust I" - Kurz zusammengefasst

Seine Gier nach mehr Erkenntnis und mehr Lust macht es Faust unmöglich, den Moment zu genießen. Tief deprimiert und lebensmüde, schließt er mit Mephistopheles – dem Teufel – einen Pakt. Sollte Mephisto Faust so weit bringen, dass er einen glücklichen Augenblick festhalten wolle, dann erhält er Fausts Seele. Mephisto tut alles, um Faust vom rechten Weg abzubringen. Er macht ihn jünger und verhilft ihm zu einer Affäre mit einem jungen, unschuldigen Mädchen: Gretchen.

Faust schwängert Gretchen und verursacht den Tod ihrer Mutter und ihres Bruders. Aus Verzweiflung halb wahnsinnig geworden, tötet Gretchen das unehelich geborene Kind. Im Kerker wartet sie auf ihre Hinrichtung. Faust will sie mit Mephistos Hilfe retten. Aber sein Versuch, sie zur Flucht zu überreden, ist vergeblich. Gretchen zieht es vor, ihr Schicksal in Gottes Hand zu legen. Sie wird erlöst. Faust und Mephisto fliehen.

Der Tragödie erster Teil (Szenentitel nach Goethe)

Hier nun die einzelnen Szenen:

Zueignung

In diesem Gedicht wendet sich Goethe an die Personen des Dramas. Er spricht von den Gefühlen, die ihn beim Schreiben begleitet haben – vor allem Wehmut, wenn er an vergangene Zeiten denkt: seine Jugend, seine erste Liebe, frühere Freunde.

Vorspiel auf dem Theater

Ein Theaterdirektor, ein Dichter und die Lustige Person (gemeint ist ein Schauspieler) diskutieren darüber, was ein gelungenes Theaterspiel erreichen soll. Der Direktor möchte etwas damit verdienen, dem Dichter geht es um die künstlerische Qualität und der Schauspieler will in erster Linie sein Publikum unterhalten. Sie einigen sich, dass "Faust" alles erfüllt: Er bringe "den ganzen Kreis der Schöpfung" auf die Theaterbühne – und zwar "vom Himmel durch die Welt zur Hölle!"

Prolog im Himmel

Der Herr (Gott) glaubt an das Gute im Menschen – so auch an das Gute in Doktor Faust. Mephisto (der Teufel) schließt eine Wette mit ihm ab, dass er den Gelehrten durchaus vom rechten Weg abbringen könne. Diese Wette erinnert an die Hiobswette im Alten Testament.

Nacht – Faust, Erdgeist, Wagner

Doktor Heinrich Faust ist ein umfassend gelehrter Wissenschaftler – aber er spürt, dass ihm all sein Wissen nicht erklärt, was die "Welt im Innersten zusammenhält." Ob ihm die Magie helfen kann? Er beschwört den Erdgeist und hofft, durch dessen Hilfe zu erkennen, was hinter den Dingen steckt.

Fausts studentische Hilfskraft, der Famulus Wagner, ist der Prototyp des fortschrittsgläubigen Naturwissenschaftlers. Er kann ihm in dieser Situation nicht helfen.
Faust ist so verzweifelt, dass er beschließt, sich das Leben zu nehmen. Das Geläut der Osterglocken – und damit Erinnerungen an eine glückliche Kindheit – hält ihn davon ab, den vorbereiteten Giftbecher auszutrinken.

Vor dem Tor – Osterspaziergang

Faust und Wagner unternehmen am Ostersonntag einen Spaziergang. Vorbeigehende Menschen erweisen dem Gelehrten ihre Hochachtung. Faust vertraut sich Wagner an. Er ist zerrissen zwischen irdischen und spirituellen Bedürfnissen: "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen: die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Durst zu den Gefilden hoher Ahnen."

Den schwarzen Pudel, der den beiden während des Spaziergangs folgt, nimmt Faust mit in sein Studierzimmer.

Studierzimmer – Pudelszene: Faust, Mephisto

Szenische Lesung aus Faust

Während Faust den Anfang des Johannesevangeliums übersetzt, wird der schwarze Pudel unruhig. Faust beschwört ihn mit Zaubersprüchen – bis er sich als Mephisto/Teufel zu erkennen gibt. "Das also war des Pudels Kern!" 

Auerbachs Keller in Leipzig

Mephisto führt Faust in Auerbachs Keller – die laut feiernden Studenten dort, sollen dem Gelehrten zeigen, wie leicht es ist, das Leben zu genießen.

Hexenküche

In der Hexenküche nimmt Doktor Faust einen Zaubertrank zu sich, der ihn verjüngt – und ihm jede Frau begehrenswert erscheinen lässt.

Straße – Begegnung mit Gretchen

Gretchen kommt gerade von der Beichte, als Faust ihr auf der Straße sein Geleit anbietet. Er ist sofort von ihr entzückt – doch Mephisto rät zu Geduld.

Abend

Gretchen hält Faust für einen Edelmann. Als Faust – von Mephisto – in Gretchens Zimmer geführt wird, malt er sich leidenschaftliche Schäferstündchen aus – bekommt aber auch Skrupel, weil er während Gretchens Abwesenheit in ihr Zimmer eingedrungen ist.

Gretchen findet nach ihrer Rückkehr ein Kästchen mit einem wertvollen Geschmeide, das sie gleich anlegt und vor dem Spiegel betrachtet.

Spaziergang

Faust erfährt von einem verärgerten Mephisto, dass Gretchens Mutter den Schmuck dem Ortspfarrer gezeigt – und der das Geschmeide sofort für die Kirche konfisziert habe. Faust möchte Gretchen ein noch kostbareres Geschenk machen und verlangt von Mephisto, die Nachbarin Marthe als Komplizin zu gewinnen.

Der Nachbarin Haus

Mit einer List arrangiert Mephisto ein Treffen von Gretchen, Marthe, Faust und sich selbst.

Straße

In einem Gespräch wirft Mephisto Faust Doppelmoral vor, weil er den Tod von Marthes Ehemann nur bezeugen will, wenn er dessen Grab gesehen hat. Faust habe schließlich auch als Wissenschaftler Aussagen über Gott, Welt und Menschen gemacht, ohne mehr Kenntnis zu haben, als jetzt vom Tod von Marthes Ehemann. Außerdem würde er Gretchen ewige Liebe versprechen, was ja wohl auch eine Lüge sei.

Garten

In Marthes Garten kommen sich Faust und Gretchen näher. Er macht ihr unverhohlen Avancen: "Sich hinzugeben ganz und eine Wonne / Zu fühlen, die ewig sein muß".

Wald und Höhle

In einer Waldhöhle dankt Faust dem Erdgeist dafür, dass er die Natur nicht mehr nur mit den Augen des nüchternen Wissenschaftlers sehen, sondern mit Gefühl erspüren könne. Gleichzeitig erkennt er seine zunehmende Abhängigkeit von Mephisto – und wie sehr dieser sein inneres Gleichgewicht durcheinander bringt. Mephisto drängt Faust, nun endlich bei Gretchen "zur Sache" zu kommen. Faust ist bewusst, dass er das Mädchen zerstören wird.

Gretchens Stube

Gretchen sitzt am Spinnrad und beklagt, dass ihr die innere Ruhe abhanden gekommen ist – sie kann nur noch an Faust denken und wünscht sich nichts mehr, als in seinen Armen zu liegen.

Marthens Garten – Gretchenfrage

Margarete stellt die berühmte "Gretchen"-Frage: 
"Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon."

Faust gibt eine ausweichende Antwort. Um für das Schäferstündchen ungestört zu sein, soll Gretchen der Mutter ein vermeintlich harmloses Schlafmittel geben. (Die Mutter wird daran sterben.)

Am Brunnen

Gretchen trifft beim Wasserholen eine Freundin. Die erzählt ihr von einem Mädchen, das ein uneheliches Kind erwartet und vom Liebhaber verlassen wurde. Gretchen hat Mitgefühl mit dem Mädchen ... Sie ahnt wohl, dass ihr ein ähnliches Schicksal blühen wird.

Zwinger

Gretchen ist hin- und hergerissen. Sie sehnt sich nach Faust und wehrt sich gleichzeitig dagegen. In ihrer Not bittet sie Mater Dolorosa, eine schwerzensreiche Mariendarstellung, um Beistand.

Nacht, Straße vor Gretchens Türe

Gretchens Bruder Valentin hat vom Fehltritt seiner Schwester erfahren. Er will ihre verlorene Ehre rächen und lauert dem Verführer auf. Während Faust und Valentin kämpfen, lässt Mephisto Valentins Hand erlahmen und ermuntert Faust, zuzustechen. Faust tötet Valentin. Faust und Mephisto fliehen aus der Stadt.

Dom

Gretchen weiß um die Schuld, die sie am Tod der Mutter und des Bruders trägt. Während eines Gottesdienstes hat sie eine Vorahnung, schwanger zu sein.

Walpurgisnacht

In der Walpurgisnacht lockt Mephisto Faust auf den Blocksberg zum Hexentanz. Faust und Mephisto tanzen im Getümmel mit zwei lüsternen Hexen. Als Faust Bilder vor sich sieht, die auf Gretchens Hinrichtung verweisen, versucht Mephisto, ihn mit einem Zaubertrank abzulenken.

Walpurgisnachttraum

Das Theaterstück "Walpurgisnachtstraum" ist ein "Stück im Stück" mit zahlreichen Anspielungen auf das Zeitgeschehen.

Trüber Tag, Feld

Faust erfährt, dass Gretchen ihr neugeborenes Kind ertränkt hat, und nun im Kerker auf ihre Hinrichtung wartet. Er verlangt von Mephisto, ihm bei der Befreiung Gretchens zu helfen. Mephisto ist zwar bereit, den Wächter einzuschläfern und Zauberpferde für die Flucht zu stellen – die Befreiung Gretchens müsse Faust aber selbst in die Hand nehmen.

Nacht, offen Feld

Faust und Mephisto nähern sich der Stadt, um Gretchen zu befreien.

Kerker – Gretchens Erlösung

Faust dringt in den Kerker ein und will Gretchen zur Flucht überreden. Doch Gretchen zieht es vor, sich der gerechten Strafe zu stellen. Sie legt ihr Schicksal in Gottes Hand – "Gericht Gottes! dir hab ich mich übergeben!" - und wird erlöst.

Mephisto und Faust fliehen.


235