Telekolleg - Biologie


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Evolution und Sexualität 3. Evolution des Menschen

Irgendwann stiegen unsere Vorfahren von den Bäumen herab und fingen an, aufrecht zu gehen. Und wie ging es weiter? Es war ein langer Weg bis zum heutigen Menschen ...

Stand: 12.03.2019 | Archiv

Neandertaler | Bild: picture-alliance/dpa

Bereits Charles Darwin legte den Grundstein für die Theorie der Evolution des Menschen. Er postulierte, dass der Mensch und der Menschenaffe einen gemeinsamen Vorfahren gehabt haben müssen. Für diese Behauptung erntete der Wissenschaftler zynischen Spott, vor allem weil er missverstanden wurde - oder man ihn missverstehen wollte.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand hatte Darwin jedoch mit dieser Überlegung recht. Tatsächlich unterscheiden wir uns genetisch nur in zwei Prozent von den afrikanischen Menschenaffen. Afrika gilt als die "Wiege der Menschheit": Dort hat unser letzter gemeinsamer Vorfahre vor etwa acht Millionen Jahren gelebt. Es wird angenommen, dass er ein Baumkletterer war. Ein selektiver Druck muss auf ihn gewirkt haben: Durch die Grabenbruchbildung in Afrika vor 20 Millionen Jahren veränderte sich langsam seine Umwelt. Was das für unsere Vorfahren vermutlich bedeutete, zeigt das Video:

Um aufrecht gehen zu können, musste sich der menschliche Bewegungsapparat rasch umgestalten - immer nach dem bewährten Muster: Mutation - Vorteil durch Selektion - weitere Mutation.

Der aufrechte Gang

Das menschliche Becken: Ansatzpunkt für die Oberschenkelknochen

Für den aufrechten Gang mussten die Füße, die letztlich das gesamte Gewicht tragen, zur Sohle mit Fußgewölbe umgestaltet werden. Ein Greiffuß war nicht mehr möglich. Die Beine des Menschenaffen zeigen eine O-Form. Die menschliche Beinstellung gleicht der eines X, bei der das Gewicht des Menschen mit Knien und Unterschenkel ins Lot fällt. Weiterhin musste sich das Becken umgestalten, gedrungener und kleiner bietet es den Oberschenkelknochen einen Ansatzpunkt um das Gewicht auf beide Beine gleichmäßig zu verteilten. Damit verengt sich jedoch auch der Geburtskanal enorm.

Perfekt für den aufrechten Gang: die Doppel-S-Form der Wirbelsäule

Besonders herausragend ist die Doppel-S-Form der menschlichen Wirbelsäule. Sie balanciert den Schädel in der Mitte und federt beim aufrechten Gang Stöße ab.

Australopithecus - der Vormensch

Der Australopithecus war der erste unserer Vorfahren, der bereits aufrecht ging. Bis auf den aufrechten Gang unterscheidet sich die Gattung der Vormenschen nicht sehr von einem Menschenaffen. Sowohl die Körpergröße als auch das Gehirnvolumen sind relativ gleich. Lediglich das Verschwinden der Affenlücke zwischen Eck- und Schneidezähnen sowie ein U-förmiger Kiefer sind weitere Unterschiede zwischen den beiden. Die ältesten Funde lassen sich auf 4,2 Millionen Jahre datieren. Aufschluss gab der Fund eines Skeletts, das die Forscher „Lucy“ getauft haben.

Welchen selektiven Vorteil hatte der aufrechte Gang? Dazu gibt es mehrere Theorien. Die einleuchtendsten Erklärungen stützen sich auf die Veränderung der Umwelt. Ostafrika versteppte, es blieben nur Baumgruppen übrig. Was das für den Australopithecus bedeutete, zeigt das Video:

Für die Entwicklung des aufrechten Gangs gibt es verschiedene denkbare Erklärungen. Durch die Versteppung der Landschaft war eine Tarnung im Dickicht nicht mehr gut möglich. Der aufrechte Gang bot unter Umständen hier einen besseren Überblick, um frühzeitig Feinde wittern zu können. Weiterhin ist im Gespräch, dass er besser durch Wasser waten konnte, um dort mithilfe seiner freien Händen nach knapp werdender Nahrung zu suchen. Zudem geht das Wechseln von Baumgruppe zu Baumgruppe auf zwei Beinen schneller als auf vier.

Homo - der Urmensch

Die Entwicklung vom Australopithecus zum Homo - klicken Sie bitte auf die Lupe

Der Vormensch gliederte sich durch Mutation, Selektion und Isolation noch in mindestens neun verschiedene Arten beziehungsweise Unterarten auf. Die letzten starben vor etwa 1,5 Millionen Jahren aus, da sie in eine evolutive Sackgasse geraten waren. Allerdings ging aus einer Art des Vormenschen vor 2,4 Millionen Jahren der erste Mensch hervor: Homo rudolfensis. Er wurde etwa eine Million Jahre später abgelöst von Homo habilis.

Vergleich der Schädel von Australopithecus (links) und Homo habilis (rechts)

An seinem Schädel kann man schon entscheidende Unterschiede zum Vormensch erkennen: Die Schnauze ist weniger ausgeprägt, die Backenzähne sind kleiner und das Hirnvolumen hat sich wesentlich vergrößert.

Die Entwicklung von Homo habilis zu Homo ergaster - klicken Sie bitte auf die Lupe

Homo habilis war der Erste, der Steine abschlug um sie als Werkzeug zu verwenden. Als Aasfresser benutzte er sie um das Fleisch von den Knochen gefundener toter Tiere zu trennen. Auf Homo habilis folgte zuerst Homo ergaster. Er gilt als die frühe Form von Homo erectus.

Schädel von Homo erectus

Homo erectus beherrschte das Feuer: Er konnte Fleisch kochen. Da er kein rohes Fleisch mehr aß, benötigte nicht mehr so starke Kaumuskeln und Scheitelkämme als Ansatzpunkt für die Muskeln. Es blieb am Kopf mehr Platz für das Gehirn.

Homo erectus wanderte als erster der Gattung Homo aus Afrika aus. In Wanderwellen eroberte er während seines Daseins von 1,8 Millionen bis 400.000 Jahren den gesamten eurasischen Raum. Dies belegen erectus-Funde in Peking, in Heidelberg und auf den indonesischen Inseln. Ein besonders interessanter Schädelfund im Jahre 2004 auf der Insel Flores weist auf eine erectus-Art hin, die wahrscheinlich noch bis vor 18.000 Jahren lebte. Damit isolierte sich Homo erectus auf dem eurasischen Kontinent von seinen Vorfahren auf dem afrikanischen Kontinent.

Homo sapiens

Schädel von Homo sapiens

In Ostafrika ging die Evolution erfolgreich weiter: Vor 200.000 bis 150.000 Jahren tritt der Homo sapiens zum ersten Mal auf. Er ist unser direkter Vorfahre. Zwar veränderten sich beim Homo sapiens im Laufe der Jahrtausende noch bestimmte Körpermerkmale wie etwa die Größe der Backenzähne, aber der frühe Jetztmensch zeigte Merkmale, die wir auch besitzen: ein Hirnvolumen von rund 1.350 cm3, keine Augenwülste, eine ausgeprägte Stirn und ein Kinn.

Abdrücke auf der Schädelinnenseite belegen, dass Homo sapiens als Einziger ein Sprachzentrum ausgebildet hatte. Mit Hilfe von Sprache tauschte er Informationen aus und gab Wissen an die nächste Generation weiter. Damit nahm die kulturelle Evolution des Menschen ihren Fortgang.

Know-how für bessere Technik, genügend Nahrung und das gesellige Beisammensein einer sozialen Gruppe förderten Gedanken, die nicht mehr allein um die Nahrungsbeschaffung kreisten. Totenkult und Schmuckstücke ebenso wie Höhlenmalerei und Skulpturen zeigen uns, dass der frühe Homo sapiens sich den Luxus leisten konnte, seine Zeit auf philosophische und künstlerische Aspekte zu verwenden.

Auch Homo sapiens wanderte in Wellen aus Afrika aus. Erst die letzte Welle vor 100.000 Jahren war erfolgreich: Rund 10.000 Vorfahren des modernen Menschen eroberten alle Gebiete der Erde.

Das Rätsel um den Neandertaler:

Auch der Neandertaler zählt zu Homo sapiens, schon allein deshalb, weil sein Hirnvolumen mit rund 1.500 cm3 bedeutend größer war als das des Jetztmenschen. Verbrieft sind Höhlenmalereien, Werkzeuggebrauch und Totenkult. In Europa hat der vor 45.000 Jahren eingewanderte Homo sapiens den Neandertaler scheinbar schlagartig abgelöst.

Sowohl um dieses Aussterben als auch um die Herkunft des Neandertalers ranken sich viele Theorien. Die ersten Funde werden auf 300.000 Jahre datiert, also 100.000 Jahre bevor der modere Mensch in Afrika auftrat. Man vermutet, dass er sich aus einer Homo erectus-Art in Europa entwickelte.

So in etwa muss den Neandertaler ausgesehen haben

Was bewirkte das Aussterben des Neandertalers? Diskutiert wird die Möglichkeit, dass der moderne Mensch den Neandertaler verdrängte und eventuell sogar bekriegte. Eine weitere Ursache mag gewesen sein, dass der Neandertaler durch seine genetische Grundlage gegen auftauchende Krankheitserreger keine Immunität entwickeln konnte, während der Jetztmensch eine passende Immunantwort hatte. Oder aber der moderne Mensch vermischte sich mit dem Neandertaler.

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