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Das Immunsystem 3. Versagen der Immunabwehr

AIDS, Diabetes Typ I oder Allergien - all das sind Erkrankungen, die mit dem Versagen der Immunabwehr zusammenhängen. Wie es dazu kommen kann, erfahren Sie hier.

Stand: 18.04.2017 | Archiv

Die erworbene Immunschwäche AIDS (acquired immune deficiency syndrome) wird durch das HI-Virus (HI steht für human immunodeficiency) ausgelöst. Die Ansteckungswege sind hinlänglich bekannt: ungeschützter Geschlechtsverkehr, Blutaustausch und Muttermilch sind die Hauptquellen der Übertragung. Den Verlauf der Infektion schildert oben stehendes Video.

Das HI-Virus

Modell des HI-Virus

Das HI-Virus besteht aus zwei Eiweißhüllen. In der inneren Hülle befindet sich die Erbinformation. An der äußeren Hülle sind Oberflächenmoleküle, die das Andocken an die Wirtszelle ermöglichen.

Im Prinzip erfolgt gegen das HI-Virus die ganz normale Immunantwort gegen Viren.Das Virus bleibt zunächst über längere Zeit inaktiv und wird vom Körper nur zu Anfang, gleich nach der Infektion, bekämpft. Zu diesem Zeitpunkt verspüren die Betroffenen in der Regel grippeähnliche Symptome, bei denen einige Lymphknoten stark anschwellen. Zwischen der Infektion mit HIV und dem Ausbruch von AIDS können weit über zehn Jahre liegen.

Hat das Virus seine Wirtszelle befallen, baut es sich in die Erbsubstanz des Wirtes ein und ruht unangreifbar für die Immunabwehr. Fatalerweise sind die Wirtszellen in diesem Fall die T-Helferzellen selbst!

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AIDS ist weiterhin nicht heilbar. Medikamente ermöglichen zwar trotz einer Infektion ein langes Leben, haben aber starke Nebenwirkungen. In Deutschland leben derzeit rund 86.000 Menschen mit einer HIV-Infektion oder Aids. [mehr]

Wird nun das Virus aus noch ungeklärten Gründen, meist nach Jahren, wieder aktiv, treten zwei Mechanismen in Kraft, die die Anzahl der T-Helferzellen rapide sinken lassen: Zum einen werden die Wirtszellen bei der Vermehrung des Virus zerstört und die frei gesetzten Viren befallen sofort wieder T-Helferzellen. Zum anderen präsentieren dendritische Zellen die HI-Antigene und aktivieren T-Killerzellen. Diese töten im Anschluss daran aktiv infizierte T-Helferzellen ab.

Da T-Helferzellen jedoch für jede spezifische Immunabwehr, sei es gegen Bakterien oder Viren, benötigt werden, führt ihr Fehlen zu einem Ausfall der Immunantwort gegen nahezu jeden Erreger. Die Betroffenen sterben an normalerweise nicht lebensgefährlichen Infektionen wie Lungenentzündung. Was das besonders Hinterhältige am HI-Virus ist, fasst das folgende Video noch einmal zusammen.

Autoimmunerkrankungen

Bei einer Autoimmunkrankheit sind B- und T-Zellen fehlgeleitet und greifen eigene, lebensnotwendige Zellen an. Das Immunsystem hat die Fähigkeit verloren, fremde von eigenen Stoffen zu unterscheiden - dies ist beispielsweise bei Diabetes vom Typ I der Fall: Der Körper reagiert gegen die eigenen Antigene.

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Obwohl die Ausprägungen der Autoimmunerkrankungen so unterschiedlich sind, ist die Fehlfunktion einheitlich: Anstelle krankheitsverursachender Keime werden Teile des eigenen Körpers als fremd eingestuft und bekämpft. [mehr]

Bei Diabetes vom Typ I gibt es einen Zusammenhang zwischen einer Entzündung der Bauspeicheldrüse und einer autoimmunen Erkrankung. Durch die Entzündung werden wahrscheinlich  dendritische Zellen aktiv, die neben dem Erreger auch Selbst-Antigene präsentieren und dadurch die B- und T-Zellen aktivieren. Das Immunsystem greift nun die ß-Zellen an, die das für den Zuckerhaushalt nötige Insulin herstellen. Da die ß-Zellen vom eigenen Körper selektiv zerstört werden, produziert der Betroffene kein Insulin mehr.

Allergien

Gerade im Frühjahr und Sommer wird für viele Menschen der Aufenthalt im Freien zum getrübten Vergnügen. Dann nämlich, wenn Pflanzen ihre Pollen frei geben, entwickeln Allergiker Heuschnupfen. Eine Allergie ist eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf ganz geringe Mengen eigentlich harmloser Stoffe. Das können Tierhaare, Birkenpollen, Schalentiere oder alle möglichen anderen Stoffe sein. Die allergische Reaktion ist im Prinzip nur die Aktivierung eines natürlichen Schutzmechanismus im Körper.

Allergietest: Allergene werden auf den Arm aufgetragen und eingeritzt.

Festgestellt wird eine Allergie durch Aufbringen und kurzes Einstechen des fraglichen Stoffes. Reagiert die Haut darauf mit Quaddelbildung, ist man gegen diesen Stoff allergisch, der entsprechende Stoff ist das Allergen.

Eigentlich wird bei Allergien ein Mechanismus in Gang gesetzt, der hauptsächlich die Lunge oder den Darm vor eindringenden Parasiten schützen soll. Die von Parasiten abgesonderten Enzyme rufen eine weitere Art von Leukozyten auf den Plan: die Mastzellen. Sie können ihre Oberfläche mit Antikörper "bewaffnen", die die eingedrungenen Enzyme erkennen und binden. Daraufhin schüttet die Mastzelle aus ihrem Inneren Histamin aus. Histamin bewirkt, dass das umgebende Gewebe anschwillt, um ein weiteres Vordringen der Parasiten zu verhindern. Außerdem kontrahieren Muskeln, wodurch wir husten oder erbrechen müssen - auch das eine Reaktion, um Erreger loszuwerden.

Allergene

Allergene sind häufig Enzyme, die auf Pollen oder Milbenkot gebunden sind und eingeatmet werden. Der Körper interpretiert das als Bedrohung und setzt die Abwehrreaktion in Gang. Ist der Pollen allergen, bewirkt die Immunreaktion ein Anschwellen oder Verengen der Atemwege und löst eine Entzündungsreaktion mit Schleimproduktion aus. Schnupfen, Atemnot und schlimmstenfalls ein asthmatischer Anfall können die Folge sein.

Therapiemöglichkeiten

Da Allergien nicht nur lästig sind, sondern auch lebensbedrohliche Schocks oder Asthma auslösen können, ist eine Therapie angezeigt. Antihistamin und Lungensprays zählen zu den Sofortmaßnahmen. Des weiteren zeigt die Hyposensibilisierung Erfolge. Hier wird dem Patienten in immer ansteigenden Dosen das Allergen gespritzt und sein Immunsystem über die Zeit ignorant gemacht. Aber auch so genannte alternative Heilmethoden wie Homöopathie oder Akupunktur zeigen gerade in diesem Teilbereich der Medizin gute Ergebnisse.

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