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21. Juni 2020 Ringförmige Sonnenfinsternis in der Ferne

Am 21. Juni 2020 schiebt sich der Mond vor die Sonne und verdeckt sie, bis nur ein dünner Sonnenring sichtbar bleibt: eine ringförmige Sonnenfinsternis. Zu sehen ist sie von Afrika über die Arabische Halbinsel bis Pakistan, Indien und China.

Von: Heike Westram

Stand: 29.05.2020

Sie müssten sehr weit reisen, wenn Sie die nächste Sonnenfinsternis erleben wollten: Von Afrika über den südlichen Rand der Arabischen Halbinsel, Pakistan und Indien bis Süd-China und Taiwan gibt es am 21. Januar 2020 eine ringförmige Sonnenfinsternis. Bei dieser seltenen Sonderform einer SoFi schiebt sich der Mond zwar komplett vor die Sonnenscheibe wie bei einer totalen Sonnenfinsternis, doch ist die Mondscheibe so klein, dass ein strahlender Sonnenring stehen bleibt.

Animation des Finsternisverlaufs der Sonnenfinsternis am 21. Juni 2020 | Bild: NASA 

Wenn morgens gegen sieben Uhr unserer Zeit die Sonne über dem Kongo in Afrika aufgeht, ist die Mondscheibe bereits ganz vor die Sonne gezogen und bedeckt sie - fast komplett. Denn der Mond ist dieses Mal ein bisschen kleiner als die Sonne und bedeckt sie nur zu 99 Prozent. Ein hauchdünner Sonnenring bleibt stehen - eine ringförmige Sonnenfinsternis ist zu sehen. Weil der Sonnenring so dünn ist, dauert die Ringförmigkeit (Annularität) auch nur ganz kurz: Etwa 80 Sekunden über dem Kongo.

Wo die ringförmige Sonnenfinsternis am 21. Juni 2020 zu sehen ist

Zu sehen ist die ringförmige Sonnenfinsternis allerdings nur auf einem etwa zwanzig Kilometer breiten Streifen. Nur dort trifft der Kernschatten des Mondes auf die Erde - und rast mit etwa 4.000 Kilometer pro Stunde über die Erde. Von Afrika aus wandert er über den Süden der Arabischen Halbinsel, den Golf von Oman, Pakistan und den Norden Indiens bis China. Hier ist der Sonnenring nur noch 38 Sekunden lang zu sehen, weil die Sonne dort zu dem Zeitpunkt hoch am Himmel steht. Der Mondschatten quert den Süden des Landes und Taiwan und zieht dann über den Pazifik, wo die Sonnenfinsternis nach fast vier Stunden Gesamtdauer um halb elf Uhr unserer Zeit endet.

Partielle Sonnenfinsternis für den Süden Europas

Nördlich und südlich des zwanzig Kilometer schmalen Streifens, in dem der Sonnenring sichtbar ist, ist zumindest eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen, bei der der Mond nur ein Stück der Sonne bedeckt. In diesen Genuss kommen der große Teile Afrikas, der Nahe Osten, fast ganz Asien und auch der Südosten Europas und Süditalien. Allerdings ist in Europa nur ein sehr kleiner Teil der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt. Bei uns in Deutschland ist von dem Spektakel nichts zu sehen. Und auch der Mond lässt sich nicht blicken: Es ist Neumond.

Ein kosmischer Zufall

Sonne, Mond und Erde - dieses kosmische Dreiecksverhältnis führt zu einem einzigartigen Ereignis im Sonnensystem: der totalen Sonnenfinsternis. Die Sonne ist zwar 400 Mal größer als der Mond, aber sie ist auch 400 Mal weiter von der Erde entfernt. Dadurch erscheinen uns beide am Himmel gleich groß. Tritt der Mond genau zwischen Erde und Sonne, verdeckt er sie aus unserer Perspektive komplett - die Sonne ist verfinstert.

Warum es nicht jeden Monat eine SoFi gibt

Auf seiner Runde um die Erde zieht der Mond jeden Monat zwischen Erde und Sonne hindurch - Neumond. Doch dabei bedeckt er die Sonnenscheibe meistens gar nicht. Denn zur Erdumlaufbahn um die Sonne ist die Mondbahn um fünf Grad geneigt. Dadurch befindet sich der Mond aus unserer Sicht meist unterhalb oder oberhalb der Sonnenscheibe, wenn er zwischen Erde und Sonne hindurch wandert. Nur wenn der Neumond zugleich genau die Erdbahn kreuzt, kommt es zu einer Sonnenfinsternis.

Totale Sonnenfinsternis

So kommt es zu einer Sonnenfinsternis

Je nach Länge und Geometrie des Mondschattens kann von der Erde aus eine partielle, eine ringförmige oder eine totale Sonnenfinsternis beobachtet werden. Bei der totalen Sonnenfinsternis steht der Beobachter im Kernschatten des Mondes, dessen Scheibe die Sonnenscheibe vollständig bedeckt. Während dieser Totalität ist die Korona der Sonne sichtbar und es wird so dunkel, dass man sogar mitten am Tag die helleren Sterne sehen kann.

Partielle Sonnenfinsternis

Partiell ist die Sonnenfinsternis, wenn die Mondscheibe nur Teile der Sonne verdeckt. Dann trifft nur der Halbschatten des Mondes auf die Erde - auch Halbschatten-Finsternis genannt. Aber auch jede totale Sonnenfinsternis beginnt und endet als partielle. Und auch die Totalität, bei der die Mondscheibe die Sonnenscheibe völlig bedeckt, ist nur auf einem relativ schmalen Streifen der Erde zu sehen, der sogenannten Totalitätszone: Nur hier wandert der Kernschatten des Mondes über die Erde. Nördlich und südlich grenzen an die Totalitätszonen sehr breite Streifen, von denen aus nur eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen ist.

Wie schön selbst diese Teilfinsternis ist, zeigen Ihre Bilder von der letzten partiellen Sonnenfinsternis bei uns im März 2015:

Der seltene, schöne Sonnenring

Ringförmige Sonnenfinsternis

Eine ringförmige Sonnenfinsternis ist eine Sonderform der totalen: Der Mond schiebt sich komplett vor die Sonne, wenn er gerade sehr weit von der Erde entfernt ist. Dadurch kann in diesem Fall die etwas kleinere Mondscheibe die Sonnenscheibe nicht vollständig verdecken. So bleibt der typische Sonnenring stehen, der diese Sonnenfinsternis besonders sehenswert macht.

Siebeneinhalb Minuten

Zur Totalität wird die Korona der Sonne sichtbar

Wie lange der schöne Moment der Totalität anhält, ist bei jeder Finsternis verschieden. Die letzte totale Sonnenfinsternis über Deutschland im Jahr 1999 war mit knapp zweieinhalb Minuten recht kurz. Die längste tatsächlich gemessene Totalität gab es am 20. Juni 1955 auf den Philippinen: 7 Minuten und 8 Sekunden.
Theoretisch kann die Totalität bis zu 7 Minuten und 33 Sekunden dauern. Das wird die Finsternis am 16. Juli 2186 im Mittelatlantik mit 7 Minuten und 29 Sekunden fast erreichen. Sie bleibt für die nächsten 1.469 Jahre Rekordhalter.

Eine ringförmige Sonnenfinsternis kann theoretisch sogar 12,5 Minuten dauern, da der Mond weiter von der Erde entfernt ist. In Erdferne bewegt er sich langsamer und braucht für die gleiche Strecke am Firmament deutlich länger.

Die regelmäßige Sensation

Jedes Jahr gibt es zwei bis vier Sonnenfinsternisse - weltweit gesehen. Doch da jede SoFi nur auf einem wenige hundert Kilometer breiten Streifen zu sehen ist, wird sie für jeden einzelnen Ort auf der Erde zur Seltenheit.

Immer zwei Wochen vor oder nach einer Sonnenfinsternis kommt es auch zu einer Mondfinsternis: Der auf die Sonnenfinsternis folgende Vollmond verfinstert sich zum Teil - es gibt eine Halbschatten-Mondfinsternis über Bayern am 5. Juni 2020, allerdings bei Mondaufgang und kaum zu sehen.

Die nächste Sonnenfinsternis

Der Moment kurz vor der Totalität

Das nächste Mal wird sich die Sonne im Dezember verfinstern: Am 14. Dezember 2020 gibt es eine totale Sonnenfinsternis über dem Süden Südamerikas und der Antarktis. Bei uns in Bayern kommt es erst am 10. Juni 2021 überhaupt wieder zu einer Sonnenfinsternis. Und dann wird, wie auch bei den folgenden SoFis, nur ein winziger Teil der Sonne verdeckt werden. Erst am 12. August 2026 ist eine SoFi bei uns wieder richtig bemerkenswert. In Teilen Spaniens und Islands wird sie total sein, bei uns wird immerhin der größte Teil der Sonnenscheibe bedeckt. Für eine totale Sonnenfinsternis in Deutschland müssen wir uns noch sehr lange gedulden: Erst am 3. September 2081 ist es wieder so weit - über dem Gebiet des Bodensees. Rund ein halbes Jahrhundert später, am 7. Oktober 2135, dann auch in Norddeutschland.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.

  • Was ist eine Sonnenfinsternis? alpha-centauri, 14.08.2019 um 02:30 Uhr, ARD-alpha
  • Kurz erklärt: Totale Sonnenfinsternis. radioWelt, 02.07.2019 um 06:05 Uhr, Bayern 2

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