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Totale Mondfinsternis 2015 Blutroter Mond am Morgen

Spektakel am Himmel: Am 28. September 2015 war in Deutschland eine totale Mondfinsternis zu sehen. Der Mond wanderte durch den Erdschatten und wurde schließlich blutrot!

Stand: 29.09.2015 | Archiv

Am 28. September 2015 tauchte frühmorgens der Vollmond komplett in den Erdschatten ein und verdunkelte sich: Es gab eine totale Mondfinsternis in Bayern - mehr als eine Stunde lang. Unser Begleiter wurde dabei zum glutroten Mond, den es nur während der Totalität gibt. Und diese MoFi war riesig! Denn der Mond hatte zum Zeitpunkt der Mondfinsternis beinahe seine kleinste Entfernung zu uns und war dadurch größer als normal - ein Super-Vollmond!

Keine MoFi für Morgenmuffel

Die MoFi begann schon kurz nach zwei Uhr morgens, zunächst fast unbemerkbar: Zu dem Zeitpunkt fiel nur der Halbschatten der Erde auf den Mond. Kurz nach drei Uhr begann sich der Erdschatten von links oben in die Mondscheibe zu fressen, der Vollmond schrumpfte in nur einer Stunde zur dünnen Sichel. Von 4.11 Uhr bis kurz vor halb sechs Uhr war die Mondfinsternis total.

Totale Mondfinsternis am 28. September 2015
UhrzeitEreignis
2.10 UhrEintritt in den Halbschatten der Erde beginnt
(Halbschattenfinsternis)
3.07 UhrEintritt in den Kernschatten beginnt
(partielle Mondfinsternis)
4.11 UhrBeginn der Totalität
(Mondscheibe komplett im Erd-Kernschatten)
5.24 UhrEnde der Totalität
6.27 UhrAustritt aus dem Kernschatten endet
7.24 UhrAustritt aus dem Halbschatten endet
(kurz nach Untergang des Mondes)

Foto-Tipps: So machen Sie tolle MoFi-Bilder!

Zeit & Übung

Eine Mondfinsternis lässt sich recht gut fotografieren, auch mit einer "ganz normalen" Digitalkamera. Sie brauchen auch keine speziellen Filter wie bei einer Sonnenfinsternis. Doch alle nächtlichen Himmelsobjekte sind eine Herausforderung. Hier ein paar Tipps, falls Sie die Jagd mit der Kamera versuchen wollen. Bringen Sie Zeit und Geduld mit, um sich mit der Kamera erst einmal auf die Nachtfotografie "einzuschießen". Die Mondfinsternis selbst dauert lang genug, um unterschiedliche Einstellungen auszuprobieren.

Noch besser: Testen Sie Standort, Blickrichtung und Einstellungen der Kamera schon am Abend vor der Mondfinsternis! Aber Vorsicht: Am Abend vor der Mondfinsternis befindet sich der Mond etwa 50 Minuten früher dort, wo er zur MoFi sein wird.

grundlegende Tipps

Nachtfotografien müssen Sie so lange belichten, dass Sie die Bilder nicht mehr freihändig machen können. Das gilt selbst für den hellen Mond.

  • Verwenden Sie Stativ und Fernauslöser (oder Selbstauslöser) für unverwackelte Bilder.
  • Schalten Sie den Blitz aus und stellen Sie die Belichtungszeiten, wenn möglich, manuell ein.
  • Fokussieren Sie lieber manuell, der Autofokus kommt bei einer Mondfinsternis oft an seine Grenzen.
  • Machen Sie immer Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Einstellungen.
  • Verwenden Sie lieber kleine ISO-Werte, damit die Bilder klar werden; mit höheren ISO-Werten können Sie zwar die Belichtungszeiten verkürzen, in Ihrer Aufnahme entsteht aber immer mehr Bildrauschen.
  • Stellen Sie eine möglichst offene Blende (kleine Blendenzahl wie 2.8 oder 4) ein, dann fällt mehr Licht in Ihr Objektiv und Sie können kleinere Belichtungszeiten wählen.

Weitwinkel oder Tele?

Versuchen Sie beides! Einfacher ist die Weitwinkel-Aufnahme. Details der Mondoberfläche werden aber erst ab 200 mm Brennweite eindrucksvoll.

  • Kleine Brennweiten (Weitwinkel) wie 28 oder 35 mm eignen sich für stimmungsvolle Panorama-Aufnahmen einer Mondfinsternis. Suchen Sie sich einen schönen Bildvordergrund! Der Mond selbst wird in der Aufnahme allerdings recht klein erscheinen.
  • Bei kleinen Brennweiten gelangt mehr Licht in die Kamera. Sie können kürzer belichten, die ISO-Zahl verringern oder die Blende für höhere Bildschärfe weiter schließen (größere Blendenzahl).
  • Längere Brennweiten ziehen bei einigen Kameras geschlossenere Blenden nach sich (die kleinste Blendenzahl ist dann z.B. 8 statt 4), dann müssen Sie die Belichtungszeit oder den ISO-Wert erhöhen
  • Je länger die Brennweite, umso stärker macht sich die Erddrehung bemerkbar, der Mond bewegt sich schneller durch Ihren Bildausschnitt (etwa 1/2 Mondbreite pro Minute). Bei 28 mm können Sie den Mond getrost 25 Sekunden lang belichten, bei 300 mm Brennweite verschmiert er schon ab 1 bis 2 Sekunden Belichtungszeit.

Belichtungswerte

Bei einer totalen Mondfinsternis ändert sich die Helligkeit des Mondes sehr stark, Sie müssen die Kamera-Einstellungen ständig anpassen. Während der unverfinsterte Vollmond so hell ist, dass er schnell überbelichtet wird (am besten in der Dämmerung fotografieren!), ist er bei der Totalität kaum noch zu sehen. Eine grobe Orientierung:

  • heller Vollmond vor/nach der Mondfinsternis: ISO 100, Belichtungszeiten um 1/100 bei geschlossenen Blenden (große Blendenzahl)
  • Halbschattenphase: Belichtungszeiten oder ISO-Werte verdoppeln
  • partielle Mondfinsternis: anfangs wie Halbschattenphase, dann immer länger belichten, offenere Blenden (kleinere Blendenzahlen) oder höhere ISO
  • totale Mondfinsternis: je nach Mondfinsternis wird die Mondscheibe unterschiedlich dunkel; Sie brauchen ISO-Werte zwischen 400 und 800 und Belichtungszeiten von 1-10 Sekunden bei weit offener Blende
  • Wenn Sie die Brennweite ändern (zoomen), ändern sich bei manchen Kameras auch Ihre Blendenwerte!

Ab 5.24 Uhr trat der Mond langsam wieder aus dem Erd-Kernschatten heraus und wuchs rund eine Stunde lang erneut zum Vollmond an, während es schon dämmerte. Die abschließende Halbschattenphase war nicht sichtbar, denn um kurz nach sieben Uhr ging die Sonne auf und der Mond unter.

Diese Mondfinsternis war in Europa, Afrika, Amerika und im Westen des asiatischen Kontinents zu sehen. Während aber östlich von Afrika der Mond bereits unterging, wenn die Mondfinsternis total wurde und in Teilen Indiens gerade noch der unspektakuläre Anfang zu sehen war, konnte man in Spanien, Westafrika oder Südamerika auch das Ende der MoFi bewundern, während der Mond noch hoch stand. Im Westen der Vereinigten Staaten hingegen endete die Mondfinsternis, als dort der Mond gerade erst aufging.

Mondfinsternis - ein seltenes Schauspiel

So kommt eine Mondfinsternis zustande

Eine Mondfinsternis gibt es immer nur bei Vollmond, wenn der Mond - von der Sonne aus gesehen - hinter der Erde vorbeizieht. Das macht er alle vier Wochen. Doch weil die Mondbahn leicht zur Erdbahn geneigt ist, zieht er dabei meist etwas ober- oder unterhalb der Achse Sonne-Erde vorbei und wird deshalb voll von der Sonne angestrahlt - Vollmond.

Kreuzt die Mondbahn jedoch zum Vollmond-Zeitpunkt die Erdbahn, liegen Sonne, Erde und Mond genau auf einer Achse und der Vollmond gerät in den Schatten der Erde - eine Mondfinsternis findet statt. Aus Sicht des Mondes schiebt sich die Erde vor die Sonnenscheibe und der Mann im Mond freut sich, denn er erlebt eine partielle Sonnenfinsternis.
Schatten ist aber nicht gleich Schatten: Zunächst fällt nur der Halbschatten der Erde auf den Mond, der kaum wahrnehmbar ist. Die Mondscheibe wird nur leicht angegraut.

Totale Mondfinsternis - in glutrotem Schimmer

Tritt der Mond auch in den Kernschatten der Erde, wird die Mondfinsternis unübersehbar: Der Erdschatten frisst sich in die Mondscheibe und lässt sie zur Sichel schrumpfen. Jetzt spricht man von einer partiellen Mondfinsternis. Eine totale Mondfinsternis ist es erst dann, wenn die gesamte Mondscheibe in den Kernschatten der Erde eintaucht. Dann wird der Mond stark abgedunkelt und müsste eigentlich sogar komplett aus unserem Blick verschwinden, verschluckt vom Kernschatten der Erde. Doch stattdessen erstrahlt der Mond plötzlich in glutrotem Schimmer, was die totale Mondfinsternis gerade so sehenswert macht.

Der Mond leuchtet 10.000-mal schwächer als vorher, doch Streulicht aus der Erdatmosphäre färbt ihn ein: Das langwellige, rote Lichtspektrum wird genau in den Schattenkegel abgelenkt. Der Mond wird gewissermaßen ins irdische Abendrot getaucht und bleibt damit während seiner totalen Verfinsterung gut sichtbar - anders als bei einer Sonnenfinsternis, bei der die Sonne vom Mond völlig verdeckt wird. Da die Leuchtkraft des Mondes während der totalen Mondfinsternis jedoch deutlich abnimmt, treten zum Zeitpunkt der Totalität plötzlich die Sterne um ihn hervor, die das helle Mondlicht sonst überstrahlt.

MoFi im Teleskop? Fragen Sie die Sternwarte in Ihrer Nähe!

Wenn der Vollmond als Sichel aufgeht

Vollmond in Sichelform

Bei einer partiellen Mondfinsternis, bei der nur ein Teil des Mondes in den Kernschatten der Erde rückt, kommt es nie zu diesem rostroten Schein. Dennoch ist der Anblick einer Teilfinsternis sehenswert: Der Vollmond erscheint als Sichel, die zunächst schrumpft und dann von Minute zu Minute anwächst. Die Halbschatten-Finsternis fällt dagegen kaum auf.

Zweimal im Jahr - aber eben nicht überall

Nur wenn der Vollmond genau durch den Schnittpunkt zwischen Mondbahn und Erdbahn wandert, durch einen der Drachenpunkte, wird er vom Erdschatten getroffen. Das passiert in jedem Jahr zweimal. Daher gibt es jährlich zwei Mondfinsternisse, irgendwo auf der Erde. Zwei Wochen vor oder nach einer MoFi kommt es immer auch zu einer Sonnenfinsternis: Am 13. September schiebt sich der Mond vor die Sonne, bei uns ist das allerdings leider nicht zu sehen. Für jeden einzelnen Ort der Erde sind Sonnen- und Mondfinsternisse jedoch lange nicht so häufig. Eine totale Mondfinsternis gab es bei uns in Bayern zuletzt im Juni 2011.

Die nächste Mondfinsternis für uns

Mondfinsternis-Termine für Bayern

  • 16.09.16 - Halbschatten-Finsternis
  • 07.08.17 - partielle Mondfinsternis
  • 27.07.18 - totale Mondfinsternis

Die nächste Mondfinsternis am 23. März 2016 ist bei uns in Bayern nicht zu sehen. Es ist eine Halbschatten-Finsternis, deren zartes Schauspiel von Asien bis Amerika zu sehen ist, jedoch nur über dem Pazifik in voller Länge.
Die Halbschatten-Finsternis am 16. September 2016 können wir bei Mondaufgang teilweise sehen.

Ein knappes Jahr später, am 7. August 2017, gibt es zumindest eine partielle Mondfinsternis, von der wir hier in Bayern aber nur den Schluss bei Mondaufgang sehen. Ein Jahr darauf wird es dann wieder richtig sehenswert: Die totale Mondfinsternis am 27. Juli 2018 können wir sehen. Allerdings wieder nur teilweise: Der Mond geht auf, wenn die Totalität gerade beginnt. Doch es ist immerhin die Mondfinsternis mit der längsten Totalitätsphase des ganzen Jahrhunderts: Eindreiviertel Stunden lang wird der Mond wieder blutrot.


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