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So machen Sie tolle Bilder vom Blutmond Fototipps zur totalen Mondfinsternis

Was brauche ich, um die Mondfinsternis am 27. Juli 2018 zu fotografieren? Ist ein Stativ nötig, oder kann ich MoFi-Fotos auch aus der Hand machen? Welche Blende stelle ich ein, wie lange belichte ich? Tipps von Fotografen für Sie.

Von: Heike Westram

Stand: 30.05.2018

Damit Sie die perfekte MoFi auch perfekt in den Kasten kriegen und von der totalen Mondfinsternis am 27. Juli schöne Bilder bekommen, geben wir Ihnen hier spezielle MoFi-Foto-Tipps.

Foto-Tipps MoFi kompakt

Eine Mondfinsternis kann jeder fotografieren. Anders als bei einer Sonnenfinsternis brauchen Sie keine speziellen Filter. Wenn Sie aber richtig tolle Fotos vom Blutmond machen wollen, sollten Sie gezielt zu Werke gehen. Die Mondfinsternis am 27. Juli 2018 dauert so lange, dass reichlich Zeit ist, ein wenig herumzuprobieren!

Das Erlebnis der MoFi wird aber ebenso wie Ihre Fotos umso schöner werden, je besser Sie auf die Mondfinsternis vorbereitet sind.

Wichtigstes Utensil: genug Zeit vorab

Wenn Sie Fotos von der Mondfinsternis machen wollen, empfehle ich Ihnen, eine gute Stunde vor Mondaufgang an Ort und Stelle zu sein, etwa um acht Uhr abends. Dann können Sie Kamera, Stativ, Fernauslöser und anderes noch im hellen Sonnenlicht auspacken und vorbereiten.

Die richtige Kamera

Wichtigster Punkt: die Kamera. Marco Sproviero von der Beobachtergruppe Sternwarte Deutsches Museum in München, der viel Erfahrung mit Astro- und Mondfotografie hat, rät von zu kleinen Kameras ab:

"Eine gute Pocketkamera oder ein Smartphone mit einer guten, halbwegs lichtempfindlichen Kamera sind in der Lage, eine schöne Landschaftsaufnahme mit dem sich verfinsternden Mond zu machen; Nahaufnahmen des Mondes sind damit nicht möglich. Dafür sind digitale Spiegelreflex oder Systemkameras mit Objektiv am besten geeignet. Aber auch mit guten langbrennweitigen Bridgekameras lassen sich gute Aufnahmen machen."

Marco Sproviero, Beobachtergruppe Sternwarte Deutsches Museum, München

Wenn Sie tolle MoFi-Fotos machen, dann schicken Sie uns Ihre Bilder! Wir präsentieren die schönsten Fotos der Mondfinsternis anschließend.

Test-Fotos am Vorabend machen

Mond-Check am Vorabend

Überprüfen Sie schon am 26. Juli, dem Vorabend der Mondfinsternis, Ihren gewählten Beobachtungsort. Das erspart Ihnen böse Überraschungen. Und Sie können abschätzen, wo der Mond während der MoFi sein wird: Am 26. Juli steht der Mond eine gute Handbreit rechts über der Stelle, wo er während der Mondfinsternis zur gleichen Uhrzeit sein wird.

Verschiedene Phasen einer totalen Mondfinsternis

Wenn Sie wenig Erfahrung mit Nacht- oder Mondfotografien haben, können Sie dann auch bequem noch mal üben. Allerdings ist der Mond am Vorabend der Mondfinsternis viel heller, die fast schon volle Mondscheibe wird ja nicht überschattet. Der Halbmond am 19. Juli entspricht etwa dem Austritt aus dem Kernschatten während der Mondfinsternis. Aber selbst die junge Mondsichel am 14. Juli ist noch heller als der Mond während der Totalität.

Die richtige Kamera-Einstellung

  • Verwenden Sie Stativ und Fernauslöser (oder Selbstauslöser) für unverwackelte Bilder.
  • Schalten Sie den Blitz aus und stellen Sie die Belichtungszeiten manuell ein.
  • Fokussieren Sie manuell, der Autofokus kommt bei einer Mondfinsternis an seine Grenzen. Das müssen Sie nur einmal machen - der Mond ist den ganzen Abend gleich weit weg.
  • Machen Sie Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Einstellungen.
  • Verwenden Sie möglichst kleine ISO-Werte, damit die Bilder klar werden; mit höheren ISO-Werten können Sie zwar die Belichtungszeiten verkürzen, in Ihrer Aufnahme entsteht aber immer mehr Bildrauschen.
  • Stellen Sie eine möglichst offene Blende (kleine Blendenzahl wie 2.8 oder 4) ein, dann fällt mehr Licht in Ihr Objektiv und Sie können kleinere Belichtungszeiten wählen.

Geeignete Belichtungszeiten für den Blutmond

Bei einer totalen Mondfinsternis ändert sich die Helligkeit des Mondes sehr stark, Sie müssen die Kamera-Einstellungen ständig anpassen. Während der unverfinsterte Vollmond so hell ist, dass er schnell überbelichtet wird, ist er bei der Totalität kaum noch zu sehen. Eine grobe Orientierung:

  • heller Vollmond nach der Mondfinsternis: ISO 100, Belichtungszeiten um 1/100 bei geschlossenen Blenden (große Blendenzahl)
  • Halbschattenphase: Belichtungszeiten oder ISO-Werte verdoppeln
  • partielle Mondfinsternis: anfangs wie Halbschattenphase, dann immer länger belichten, offenere Blenden (kleinere Blendenzahlen) oder höhere ISO
  • totale Mondfinsternis: je nach Mondfinsternis wird die Mondscheibe unterschiedlich dunkel; Sie brauchen ISO-Werte zwischen 400 und 800 und Belichtungszeiten von 1-10 Sekunden bei weit offener Blende
  • Wenn Sie die Brennweite ändern (zoomen), ändern sich bei manchen Kameras auch Ihre Blendenwerte und Sie müssen die Belichtungszeit anpassen!

Ablauf von Mondfinsternis und Abenddämmerung

Die Mondfinsternis am 27. Juli 2018 findet während der fortschreitenden Abenddämmerung statt. Damit ändert sich nicht nur die Helligkeit der Mondscheibe, sondern auch der gesamten Umgebung und des Himmels:

  • Kurz vor/nach 21.00 Uhr: Mondaufgang, wenige Minuten vor Sonnenuntergang. Die Mondscheibe wird schon teilweise vom Erdschatten verfinstert.
  • 21.30 Uhr: Beginn der Totalität bei Ende der bürgerlichen Dämmerung. Die Mondscheibe ist komplett überschattet und leuchtet rötlich als Blutmond. Rings um den Mond sind die hellsten Sterne sichtbar, ebenso die beiden hellen Planeten Mars und Saturn. Die blaue Stunde, bei Fotografen wegen ihrer stimmungsvollen Lichtverhältnisse besonders beliebt, geht zu Ende. Vermutlich einer der schönsten Momente der Mondfinsternis.
  • 22.23 Uhr: Höhepunkt der Totalität. Die Mondscheibe befindet sich im Zentrum des Erdschattens und ist jetzt am dunkelsten. Der Himmel ist noch blau, aber leidlich dunkel; die nautische Dämmerung endet und alle Sterne bis zur dritten Größenklasse sind schon sichtbar.
  • 23.13 Uhr: Die Totalität endet, die Mondscheibe ist noch rötlich und komplett vom Erdschatten bedeckt, aber nicht mehr so dunkel wie zuvor. Die astronomische Dämmerung ist fast vorbei, der Himmel ist nachtschwarz und auch schwache Objekte wie die Milchstraße sind zu sehen, solange die Mondscheibe noch verdeckt ist.
  • 23.13 Uhr bis 00.19 Uhr: Der Mond tritt aus dem Kernschatten hervor, ein immer größerer Teil der Mondscheibe wird beleuchtet und überstrahlt immer mehr Objekte in ihrer Umgebung. Stimmungsvolle Weitwinkel-Aufnahmen werden immer schwieriger, da der Kontrast zwischen heller Mondscheibe und dunkler Umgebung, auch dunkler Landschaft, immer größer wird.

Weitwinkel oder Tele?

Versuchen Sie beides! Einfacher ist die Weitwinkel-Aufnahme mit kleinen Brennweiten wie 28 oder 35 mm. Sie eignen sich für stimmungsvolle Panorama-Aufnahmen einer Mondfinsternis. Achten Sie auf einen schönen Bildvordergrund! Der Mond selbst erscheint in der Aufnahme allerdings recht klein und ist zum Höhepunkt der Mondfinsternis kaum zu erkennen.

Bei kleinen Brennweiten gelangt mehr Licht in die Kamera. Sie können kürzer belichten, die ISO-Zahl verringern oder die Blende für höhere Bildschärfe weiter schließen (größere Blendenzahl).

Die Journalistin und Fotografin Sandra Demmelhuber rät zu Nahaufnahmen vom verfinsterten Mond, weil er in der Totalen kaum zu erkennen ist. Aber auch dann gilt:

"Ich würde mir bei einer Nahaufnahme auch immer ein Vordergrund-Motiv suchen, zum Beispiel die Frauenkirche, denn Bilder nur mit Mond wirken schnell langweilig."

Sandra Demmelhuber, Fotografin

Mit langen Brennweiten (Teleobjektiv) nehmen Sie mehr die Mondscheibe selbst ins Visier. Details der Mondoberfläche werden erst ab 200 mm Brennweite eindrucksvoll. Aber dann haben Sie nur so lange auch eine stimmungsvolle Umgebung im Bild, wie der Mond in der Nähe des Horizonts oder Ihres Vordergrundmotives ist.

Tipp: lange Brennweite = Supermond

Sie können zugleich versuchen, in Ihren Bildern den Eindruck einzufangen, den ein Sommer-Vollmond durch die Mondtäuschung häufig hervorruft: Mit geeignetem Vordergrund (Häuser oder ähnliches) wirkt der herangezoomte Mond am Horizont riesengroß.

Längere Brennweiten ziehen bei einigen Kameras geschlossenere Blenden nach sich (die kleinste Blendenzahl ist dann z.B. 8 statt 4), dann müssen Sie die Belichtungszeit oder den ISO-Wert erhöhen. Je länger die Brennweite, umso stärker macht sich die Erddrehung bemerkbar, der Mond bewegt sich schneller durch Ihren Bildausschnitt (etwa 1/2 Mondbreite pro Minute). Bei 28 mm können Sie den Mond getrost 25 Sekunden lang belichten, bei 300 mm Brennweite verschmiert er schon ab 1 bis 2 Sekunden Belichtungszeit.

Und dann: Herzeigen!

Wenn Ihnen mit diesen Tipps oder ohne schöne Bilder der Mondfinsternis gelingen, dann behalten Sie die nicht für sich! Wir zeigen gerne die schönsten MoFi-Fotos her. Schicken Sie uns Ihre Bilder! So wie diese von der Mondfinsternis 2015:

  • alpha-Thema Mondfinsternis. 27.07.2018, 20:15 Uhr, ARD-alpha
  • Die perfekte Mondfinsternis. IQ - Wissenschaft und Forschung, 27.07.2018, 18:05 Uhr, Bayern 2

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