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Vollmond oder Sichel? Der Mond & seine Reise im Oktober

Er ist immer der Gleiche, doch Nacht für Nacht sieht er etwas anders aus: unser Mond. Er wandert quer durch die Sternbilder übers Firmament - mal als Sichel, mal als Vollmond. Der aktuelle Mondkalender für Oktober 2019 mit den Mondphasen und den schönsten Begegnungen.

Von: Heike Westram

Stand: 30.09.2019

Der Mond beginnt und endet seine Reise im Oktober als junge Mondsichel - Sie können im Monatsverlauf einen vollständigen Mondzyklus beobachten. Als junger Mond abends im Westen wandert er dabei an den hellen Planeten Jupiter und Saturn vorbei, überstrahlt zur Monatsmitte als Vollmond die fernen Gasriesen Neptun und Uranus und die Herbst-Sternbilder. Danach streift der abnehmende Mond in der zweiten Nachthälfte durch die typischen Sternbilder des Winters und danach des Frühlings, wo er vor Neumond morgens als schmale Sichel zu sehen ist. Wenn er Ende Oktober erneut als junge Mondsichel in den Westen zurückkehrt, begegnet er dort kurz der Venus, die als Abendstern auftaucht.

Mondphasen im Oktober

DatumUhrzeitMondphase
05.10.1918.47 Uhrzunehmender Halbmond
13.10.1923.08 UhrVollmond
21.10.1914.39 Uhrabnehmender Halbmond
28.10.1904.38 UhrNeumond

Junge Mondsichel am Abend

junger Mond am Abend

Der Mond beginnt seine Reise übers Firmament am 1. Oktober als ganz zarte, junge Sichel, gerade mal drei Tage nach Neumond. Sonnenuntergang ist gegen sieben Uhr Sommerzeit, bald darauf macht sich unser Begleiter bemerkbar, tief im Südwesten. Keine zwei Stunden lang ist die Mondsichel zu sehen, dann geht sie unter. Doch Abend für Abend bleibt der Mond eine gute halbe Stunde länger, denn er entfernt sich auf seiner Runde um die Erde immer weiter von der Sonne. Allerdings wandert er Anfang Oktober durch sehr tiefstehende Sternbilder, gewinnt daher zunächst nur wenig an Höhe. Die Morgenstunden bleiben zunächst mondlos und bieten damit eine kleine Chance, das Tierkreislicht zu sehen.

Am 2. Oktober steht die Mondsichel dicht beim schönen Sommer-Sternbild Skorpion, das jetzt gerade noch seinen Kopf über dem Horizont hält. Links davon wartet ein auffälliges, sehr helles Licht, das der Mond am folgenden Abend erreicht: Jupiter.

Mond bei Jupiter und Saturn

Junger Mond bei Jupiter und Saturn

Am 3. Oktober ist die Mondsichel auf einen Fingerbreit Abstand an den großen Planeten Jupiter herangerückt, der dem Mondlicht mit Leichtigkeit standhält. Abends darauf hat sich der Mond von Jupiter schon eine gute Handbreit weit entfernt. Und in etwa gleichem Abstand wartet das nächste Licht: Saturn. Am 5. Oktober ist der Mond, jetzt zum Halbmond angewachsen, beim Ringplaneten im Sternbild Schütze angelangt und macht ihm mit seinem hellen Licht zu schaffen. Abends darauf hat der Mond auch Saturn hinter sich gelassen.

Goldener Henkel sichtbar

Auch die Sommer-Sternbilder liegen auf seiner Rundreise übers Firmament jetzt hinter dem Mond. Er zieht in der zweiten Oktoberwoche durch die unscheinbaren Sternbilder Steinbock und Wassermann und geht inzwischen erst nach Mitternacht unter. Leider, denn so verdirbt er den hübschen Sternschnuppen-Regen am Abend des 9. Oktober.

Die Mondscheibe wächst allmählich an. In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober zeigt sie dabei ein sehr hübsches Detail: den Goldenen Henkel. Mit einem Fernglas können Sie ihn sehen: An der Licht-Schatten-Grenze auf der Mondscheibe wird ein hoch liegender Kraterrand von der Sonne angestrahlt, der wie ein kleiner Tassenhenkel an der beleuchteten Mondhälfte haftet: Sonnenaufgang im sechs Kilometer hohen Jura-Gebirge! Die Regenbogenbucht darunter liegt dagegen noch im Schatten.

Vollmond in den Fischen

Unter dem großen Herbstviereck Pegasus hindurch zieht der Mond anschließend durch die Fische, die er als Vollmond am 13. Oktober völlig überstrahlt, ebenso die beiden fernen Planeten Neptun und Uranus. Es ist ein eher kleiner Vollmond, da unser Begleiter kurz zuvor am entferntesten Punkt seiner elliptischen Bahn um die Erde war, dem Apogäum.

Vollmond ist immer auch ein Wendepunkt für den Mond: Zum Vollmondtermin geht der Mond etwa bei Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang wieder unter. Danach zieht er sich in die zweite Nachthälfte zurück und erscheint abends immer später.

Mond bei Siebengestirn und Stier

Am 16. Oktober geht der abnehmende Mond gegen acht Uhr abends im Osten auf, da ist der Himmel schon fast nachtschwarz. So können Sie die schöne Begleitung des Mondes in dieser Nacht sehen, sobald er sich etwas vom Horizont entfernt hat. Knapp eine Handbreit links über dem Mond schimmern sieben helle Sterne, gehüllt in einen zarten Schleier - das Siebengestirn. Schon mit einem einfachen Fernglas bekommen Sie eine Ahnung, was sich hier verbirgt: ein Offener Sternhaufen aus Tausenden von Sternen, der auch Plejaden genannt wird.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

In ähnlicher Entfernung links unter dem Mond können Sie, wenn es nicht zu dunstig ist, ein markantes V erkennen. Das ist der Kopf des Sternbilds Stier. Sein helles Auge Aldebaran erreicht der Mond in der kommenden Nacht, dann steht er nur einen Fingerbreit über dem Stierauge. Von hier wandert unser Begleiter weiter zu den Spitzen der Stierhörner, wo er am Abend des 18. Oktober ankommt. Dann steht der Mond genau in der Mitte des Wintersechsecks, das bis Mitternacht in ganzer Größe aufgegangen ist. Die hellsten Sterne des Nordhimmels umringen den Mond in dieser Nacht.

Abnehmend oder zunehmend? Eine kleine Faustregel

Von hier zieht der abnehmende Mond in den kommenden Nächten weiter durch die Zwillinge hindurch und schrumpft dabei zum Halbmond am 21. Oktober. Erst kurz vor Mitternacht geht er in dieser Nacht auf, ganz typisch für den abnehmenden Halbmond. Dafür ist der Mond jetzt auch vormittags noch zu sehen. Leider verdirbt er damit auch den Sternschnuppen-Regen der Orioniden. Dem Winter hat er den Rücken gekehrt und wendet sich den ersten Sternbildern des Frühlings zu: Der Mond steht mitten im kleinen Krebs.

Mond beim Frühlings-Sternbild Löwen

In der Nacht auf den 23. Oktober zieht hinter dem Mond ein gewaltiges Sternbild im Osten empor: der Löwe. Sein hellster Stern Regulus ist eine knappe Handbreit links unter dem Mond. In der folgenden Nacht ist der Mond genau unter dem mächtigen Löwenleib angelangt. Das Sternbild ist so groß, dass der Erdtrabant noch zwei Nächte braucht, bis er zum nächsten Frühlingsbild gelangt. In dieser Zeit nimmt er zur dünnen Sichel ab.

Mondsichel bei der Jungfrau

Am Morgen des 26. Oktober ist die Mondsichel bei der Jungfrau angelangt. Allerdings geht der Mond inzwischen erst nach fünf Uhr morgens Sommerzeit auf. Wenn er hoch genug steht, dass das Sternbild sichtbar wird, beginnt bereits die Morgendämmerung.

Abschied der Mondsichel am Morgen

Noch einmal können Sie die Mondsichel sehen, am Morgen des 27. Oktober, dem Tag der Zeitumstellung. Sie geht erst um halb sechs Uhr (jetzt Winterzeit) im Osten auf, keine anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang. Doch die Planetenebene (Ekliptik) verläuft morgens steil zum Horizont, sodass die Mondsichel in der Morgendämmerung noch ein Stück den Himmel erklimmt, bevor es zu hell wird. Wegen der steilen Ekliptik liegt die Mondsichel fast auf dem Bauch, in der Kahnlage. Danach bleibt unser Begleiter einige Zeit im hellen Licht der Sonne verborgen, vor der er als Neumond am 28. Oktober vorüberzieht.

Junge Mondsichel beim Abendstern

Mondsichel beim Abendstern Venus

Schon am 29. Oktober, nur einen Tag nach Neumond, taucht der Mond wieder am Firmament auf, als dünne Sichel abends im Südwesten. Abends verläuft die Planetenebene aber jetzt sehr flach zum Horizont im Westen, daher ist die Mondsichel schon bei Sonnenuntergang um fünf Uhr Winterzeit sehr tief gesunken und geht gut eine Stunde nach der Sonne selbst unter. Doch Sie sollten unbedingt einen genaueren Blick auf sie werfen, am besten mit einem Fernglas: Gut einen Fingerbreit rechts unter der Mondsichel könnte die Venus zu sehen sein. Unser Abendstern kehrt nach langer Abwesenheit gerade wieder an den Sternenhimmel zurück.

Noch einmal bei Jupiter

Mond erneut bei Jupiter

Am Monatsletzten erreicht die Mondsichel noch einmal Jupiter. Und diesmal steht sie noch viel dichter bei dem hellen Planeten als Anfang Oktober: Kein halber Finger passt zwischen Mond und Planet. Seine Runde ums Firmament hat unser Begleiter damit vollendet. Wenn er das nächste Mal hier vorbeikommt, wird Jupiter schon nicht mehr zu sehen sein. Dafür können Sie dann die Venus besser sehen. Doch davon mehr im November auf dieser Seite.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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