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Vollmond oder Mondsichel? Der Mond & seine Reise im Juli

Er ist immer der Gleiche, doch Nacht für Nacht sieht er etwas anders aus: unser Mond. Er wandert quer durch die Sternbilder übers Firmament - mal als Sichel, mal als Vollmond. Der aktuelle Mondkalender für Juli 2022 mit den Mondphasen und den schönsten Begegnungen.

Von: Heike Westram

Stand: 30.06.2022

Supermond über der Ruine der Trimburg im fränkischen Saaletal | Bild: Alexander Preyer

Der Juli beginnt mit einem jungen Mond abends im Westen, der durch die Frühlingssternbilder Löwe und Jungfrau wandert. Dann zieht seine zunehmende Scheibe dicht über den Skorpion und quer über die Milchstraße. Der Vollmond am 13. Juli ist zwar größer als normal, wirkt aber vor allem durch die Mondtäuschung riesig - typisch für den Sommer-Vollmond. Die zweite Julihälfte wird spannend für den Mond, der allmählich abnimmt und immer später in der Nacht erscheint, dabei aber an der langen Reihe heller Planeten vorüberwandert: an Saturn, Jupiter und dann Mars. Zum Schluss kommt die zarte Mondsichel beim hellen Morgenstern Venus an, verschwindet dann kurz und taucht an den letzten Juliabenden wieder mit junger Sichel im Westen auf.

DatumUhrzeitMondphase
07.07.2204.14 Uhrzunehmender Halbmond
13.07.2220.37 UhrVollmond
20.07.2216.18 Uhrabnehmender Halbmond
28.07.2219.55 UhrNeumond

Der Juli fängt mit einer noch jungen Mondsichel an, die nach dem späten Sonnenuntergang um 21.18 Uhr abends im Westen über dem Horizont sichtbar wird. Zwei Stunden nach der Sonne geht auch die Mondsichel unter. Am 2. Juli bleibt die Mondsichel eine knappe halbe Stunde länger, lange genug, dass auch die Sternbilder noch in später Dämmerung auftauchen, bevor der Mond verschwindet. Links über der noch dünnen Mondsichel können Sie noch kurz den Löwen erkennen, der bald nach dem Mond untergeht.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Am folgenden Abend ist die Mondsichel drei Fingerbreit über dem hellsten Stern im Löwen zu sehen, Regulus. Das Frühlingssternbild ist so groß, dass der Mond zwei weitere Nächte braucht, um auf seiner Runde ostwärts übers Firmament zum nächsten Sternbild zu gelangen. Dabei wächst seine Scheibe merklich an und er geht Nacht für Nacht rund zwanzig Minuten später unter.

In der Nacht vom 6. auf den 7. Juli geht unser Begleiter gegen ein Uhr unter. Ganz typisch für den zunehmenden Halbmond: In Winter- oder Normalzeit wäre jetzt Mitternacht. Der abnehmende Halbmond geht dagegen immer etwa um Mitternacht auf. Der Mond hat jetzt das Sternbild Jungfrau erreicht und steht eine gute Handbreit rechts von Spika, dem hellsten Stern der Jungfrau. Abends am 7. Juli ist der Mond dicht über die Spika gerückt und überstrahlt sie mit seinem hellen Licht vermutlich weitestgehend. Am nächsten Abend geht der Erdtrabant schon wieder auf anderthalb Handbreit Abstand zu ihr. In der folgenden Nacht zieht er durch die unscheinbare Waage und damit in die Region der Sommer-Sternbilder.

Am 10. Juli können Sie links unter dem Mond, nur anderthalb Fingerbreit entfernt, Antares entdecken, den hellsten Stern im Sternbild Skorpion. Das reckt jetzt in den Sommernächten endlich wieder seinen hübschen Kopf über den Horizont. Besser zu erkennen ist der Skorpion allerdings, wenn der Mond wieder ein Stück weit weg ist.

Ebenso die Milchstraße, die sich links vom Skorpion erhebt, aber das Mondlicht scheut. Deshalb ist sie in den folgenden Nächten nicht zu sehen, weil der Mond sie mit immer vollerer Scheibe kreuzt.

Am 13. Juli erscheint der Vollmond um 21.39 Uhr im Südosten. Und wie schon im Juni ist er ein Supermond, der größte Vollmond des Jahres. Am Vormittag erreicht der Mond auf seiner elliptischen Bahn um die Erde den nächsten Punkt zu uns, sein Perigäum. Er ist dann nur 357.263,7 Kilometer von uns entfernt - und damit sogar um 170 Kilometer näher als bei seinem Perigäum im Juni. Bis er abends aufgeht, hat er sich aber bereits wieder um 150 Kilometer von uns entfernt und ist damit nur noch so super wie der Juni-Supermond.

Durch die größere Nähe zur Erde ist die Scheibe eines Supermonds im scheinbaren Durchmesser tatsächlich ein wenig größer als bei mittlerem Abstand. Dieser Unterschied zu einem Durchschnittsvollmond ist allerdings so gering, dass Sie ihn nur sehen könnten, wenn der direkt daneben stünde.

Täuschend großer Vollmond

Doch die Sommer-Vollmonde wirken aus einem anderen Grund oft so riesengroß: Weil der Vollmond im Sommer wie die Sonne im Winter nah beim Horizont bleibt, schlägt die Mondtäuschung bei geeigneter Umgebung zu. Der Mond wirkt in der Nähe des Horizonts viel größer. Wie das genau funktioniert, erklären wir am besten mit folgender Animation.

Auch die folgenden Nächte bleibt der Mond noch nah am Horizont, er zieht jetzt durch die tiefliegenden und eher unscheinbaren Sternbilder Steinbock und Wassermann. Seine langsam abnehmende Scheibe geht allabendlich später auf, steht dafür nach Sonnenaufgang am nächsten Morgen noch am Himmel.

Mond bei Saturn und Jupiter

Am linken Rand des Steinbocks erwartet den Mond ein besonderes Licht: der Ringplanet Saturn. Am Abend des 14. Juli ist der Mond noch anderthalb Handbreit rechts von Saturn, doch am 15. Juli ist er schon fast unter den Planeten gerutscht und hat nur noch gut zwei Fingerbreit Abstand zu ihm. Je diesiger der Himmel, umso mehr wird Saturn mit dem Mondlicht zu kämpfen haben, auch wenn der Planet heller als die Sterne ringsum ist. Am besten warten Sie bis nach Mitternacht, dann steht Saturn ausreichend hoch. In der folgenden Nacht entfernt sich der abnehmende Mond wieder auf anderthalb Handbreit und ist links von Saturn zu sehen.

Jupiter im Mondlicht

Ein Stück weiter links von Saturn erwartet bereits ein dominantes Licht den Mond: Jupiter. Gegen halb ein Uhr können Sie den größten Planeten im Sonnensystem sehen. Er ist so hell, dass ihm auch das Mondlicht nichts anhaben kann. In der Nacht vom 17. auf den 18. Juli ist der Mond noch anderthalb Handbreit rechts von Jupiter, doch in der Nacht auf den 19. Juli rückt er dem Planeten zu Leibe: Anderthalb Fingerbreit Abstand haben die beiden zueinander, ein Wettleuchten. In der folgenden Nacht geht der Mond schon wieder auf mehr als eine Handbreit Abstand zu Jupiter und wendet sich dem nächsten Planeten zu.

Mond zieht von Jupiter zu Mars

Wenn der abnehmende Halbmond in der Nacht zum 20. Juli eine Viertelstunde nach Mitternacht aufgeht, ist er noch zwei Handbreit von Mars entfernt, dem Nachbarplaneten der Erde. Der kann sich zwar in Größe und Helligkeit bei Weitem nicht mit Jupiter messen, ist aber deutlich heller als die Sterne ringsum und wird Ihnen auffallen. In den frühen Morgenstunden des 21. Juli steht der Mond keine vier Fingerbreit mehr von Mars entfernt, morgens am 22. Juli ist er dann an dem Planeten schon vorbeigezogen und zwei Fngerbreit links unter Mars zu sehen. Die beiden befinden sich unter dem markanten Bogen des Sternbilds Widder, das bis zur Morgendämmerung zu sehen ist.

Anschließend zieht der Mond ein paar Nächte lang alleine übers Firmament. Dabei wandert er durch den Stier, ein Sternbild des Winters, das im Juli in den frühen Morgenstunden im Osten auftaucht. Bis etwa vier Uhr ist es gut zu erkennen, danach wird die Morgendämmerung zu hell. Am 23. Juli finden Sie zwei Fingerbreit links über dem Mond ein hübsches Gebilde: das Siebengestirn. Es sieht aus wie sieben helle Sterne, die in einen zarten Schleier gehüllt sind. In Wirklichkeit verbirgt sich hier ein Offener Sternhaufen mit Tausenden von Sternen. Gucken Sie mal mit einem Fernglas zu den Plejaden, wie sie auch genannt werden, dann bekommen Sie eine Ahnung von der Sternenmenge.

Der auffällige Stierkopf, ein liegendes V mit dem hellsten Stier-Stern Aldebaran, befindet sich an diesem Morgen eine gute Handbreit links unter der Mondsichel, am folgenden Morgen dann ein paar Fingerbreit rechts unter ihr.

Mondsichel beim Morgenstern Venus

Am 25. Juli geht die inzwischen dünn gewordene Mondsichel erst um 2.14 Uhr im Osten auf. Sie steht genau zwischen den beiden Hörnerspitzen des Stiers, die bis zum Anbruch der Morgendämmerung zu sehen sind. Ab etwa vier Uhr wird es zu hell für diese Sterne, doch dann taucht anderthalb Handbreit unter dem Mond ein Licht auf, das alle Blicke auf sich zieht: die Venus. Unser innerer Nachbarplanet ist so strahlend hell, dass sie als Morgenstern fast bis Sonnenaufgang gut zu sehen ist. Am Morgen des 26. Juli steht die Mondsichel genau über der Venus, keine drei Fingerbreit entfernt.

Mondsichel & Venus

Am 27. Juli morgens ist die Mondsichel in ähnlicher Entfernung zur Venus, allerdings jetzt links vom Morgenstern auf fast gleicher Höhe. Der Mond ist an diesem Morgen letztmals zu sehen, bevor er als Neumond abends am 28. Juli zwischen Erde und Sonne hindurch zieht und in derem hellen Licht verschwindet.

Ganz am Ende des Monats taucht die Mondsichel wieder auf: Erstmals erscheint sie wieder am 30. Juli, abends im Westen. Doch Sie müssen schnell sein, um sie zu sehen: Bereits um 22.12 Uhr geht der Mond unter. Am letzten Juliabend haben Sie eine Viertelstunde länger Zeit.

Junge Mondsichel abends im Westen

Seine zarte Sichel steht wieder im Sternbild Löwe. Damit hat der Mond seit Anfang Juli nicht nur alle Phasen einmal durchlaufen, sondern auch eine Runde übers Firmament vollzogen. Über die nächste Runde berichten wir im August auf dieser Seite.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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