386

Vollmond oder Sichel? Der Mond & seine Reise im Juni

Er ist immer der Gleiche, doch Nacht für Nacht sieht er etwas anders aus: unser Mond. Er wandert quer durch die Sternbilder übers Firmament - mal als Sichel, mal als Vollmond. Der aktuelle Mondkalender für Juni 2021 mit den Mondphasen und den schönsten Begegnungen.

Von: Heike Westram

Stand: 31.05.2021

Anfang Juni taucht der Mond erst spät in der Nacht mit abnehmender Scheibe auf, dafür in toller Begleitung der hellen Planeten Saturn und Jupiter. Danach zieht sich der Mond immer mehr in die Morgenstunden zurück, wo er sich als schmale Sichel am 8. Juni verabschiedet. Als Neumond macht er sich diesmal spektakulär mit einer Sonnenfinsternis bemerkbar, auch wenn sich diese bei uns sehr bescheiden ausnimmt. Danach trifft die junge Mondsichel am Abendhimmel auf Venus und Mars, wandert anschließend durch die Sternbilder des Frühlings und erreicht zur Sommersonnwende die Sommerbilder. Der Vollmond am 24. Juni könnte riesengroß werden, aber nur aus der richtigen Perspektive. Zum Ende des Monats kommt der abnehmende Mond ein weiteres Mal bei Saturn und Jupiter vorbei.

DatumUhrzeitMondphase
02.06.2109.25 Uhrabnehmender Halbmond
10.06.2112.53 UhrNeumond
18.06.2105.54 Uhrzunehmender Halbmond
24.06.2120.40 UhrVollmond

Mond bei Saturn und Jupiter

Im Juni erscheint der Mond zunächst in tiefer Nacht: Erst gegen zwei Uhr geht seine abnehmende Scheibe in der Nacht zum 1. Juni auf, zwischen den unscheinbaren Sternbildern Steinbock und Wassermann. Dort hat der Mond strahlende Begleitung: Rechts über ihm steht der Planet Saturn, links über ihm der Riese Jupiter. Bis in die späte Morgendämmerung sind sie zu sehen, der Mond sogar noch nach Sonnenaufgang. In der folgenden Nacht ist unser Begleiter zum abnehmenden Halbmond geschrumpft und links unter Jupiter zu finden.

Nacht für Nacht taucht der Mond etwa zwanzig Minuten später auf, immer mehr gen Morgen, während er durch das große Sternbild Fische wandert. Das lässt Ihnen abends in viel Gelegenheit, die Milchstraße zu bewundern, die jetzt wieder ihre schöne, sommerliche Seite zeigt. Wer morgens unterwegs ist, kann stattdessen die immer schmaler werdende Mondsichel bewundern. Allerdings müssen Sie schon sehr früh unterwegs sein, um sie zu sehen, vor dem Sonnenaufgang etwa um Viertel nach fünf Uhr.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Am Morgen des 8. Juni ist die Mondsichel vorerst zum letzten Mal zu sehen: Sie geht kurz nach vier Uhr im Osten auf, eine gute Stunde vor dem Sonnenaufgang. Von der Sonne ist der Mond nur zwei Handbreit entfernt, nur etwa drei Prozent der für uns sichtbaren Mondfläche werden noch vom Sonnenlicht angestrahlt.

Danach bleibt der Mond einige Tage im Sonnenlicht verschwunden: Er zieht am 10. Juni als Neumond zwischen Sonne und Erde hindurch. Doch diesmal macht er sich dabei bemerkbar: Es gibt eine ringförmige Sonnenfinsternis am 10. Juni, von der wir hier in Bayern zumindest einen winzigen Teil sehen können, als kleine Teilfinsternis.

Junge Mondsichel bei Venus und Mars

Bereits einen Tag nach Neumond taucht der junge Mond am 11. Juni wieder auf, als hauchzarte Mondsichel im Nordwesten. An diesem Abend ist sie allerdings nur bei perfekten Bedingungen zu sehen - außerhalb der Stadt bei klarem Himmel und freier Sicht zum Horizont. Denn der Mond ist nur anderthalb Handbreit links der Sonne und geht schon um halb elf Uhr unter, knapp anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang. Sie bekommen eine kleine, aber strahlende Hilfestellung, um die Mondsichel zu finden: Venus, unser heller Abendstern, steht ebenfalls im Nordwesten über dem Horizont. Die Mondsichel ist links unter der Venus zu finden, drei Fingerbreit von ihr entfernt.

Am 12. Juni ist die Mondsichel selbst bei schlechteren Bedingungen wieder zu sehen und bleibt eine Dreiviertelstunde länger am Abendhimmel. Jetzt steht sie drei Fingerbreit entfernt links über der Venus. Und links über dem Mond können Sie einen weiteren Planeten entdecken: Mars. Am Abend des 13. Juni geht das noch besser, jetzt steht der Mond rechts neben Mars, mit gerade mal einem Fingerbreit Abstand. Bis Mitternacht bleibt unser Begleiter. Danach verspätet sich der Monduntergang Nacht für Nacht um etwa eine halbe Stunde.

Weil der Mond Mitte Juni wieder so lange am Abendhimmel bleibt, bis dieser dunkel ist, können Sie auch rings um den Mond wieder die Sternbilder am Nachthimmel erkennen. Am 15. Juni ist die immer noch schmale Mondsichel dicht beim großen Frühlings-Sternbild Löwe, der dem Horizont entgegensinkt. Sie steht rechts seiner breiten Brust, nur drei Fingerbreit rechts über dem hellsten Löwenstern Regulus, am Abend darauf eine Handbreit links über ihm.

Am 18. Juni erreicht der Mond, jetzt bereits zum Halbmond angewachsen, auf seiner Runde um die Erde das nächste große Sternbild: die Jungfrau. Am 19. Juni können Sie drei Fingerbreit links unter der Mondscheibe die Spika finden, den hellsten Stern der Jungfrau. Bis zwei Uhr nachts ist der Mond jetzt schon zu sehen - und jede weitere Nacht länger.

Mit weiter anwachsender Scheibe zieht der Erdtrabant ostwärts durch die Sternbilder, zunächst durch die unscheinbare Waage, dann zu einer echten Schönheit des Sommers, dem Skorpion: Am 22. Juni, nur einen Tag nach Sommeranfang, ist der Mond genau über dem Skorpion, gerade mal drei Fingerbreit vom hellsten Stern Antares entfernt. Den können Sie vielleicht im hellen Mondlicht gerade noch finden, der Rest vom Skorpion wird vom Mondlicht überstrahlt, ebenso die Milchstraße, die sich links vom Skorpion erhebt. Aber merken Sie sich die Stelle und gucken Sie ein paar Abende später nochmal dorthin, wenn der Mond wieder weg ist. Dann können Sie den Skorpion betrachten, der nur jetzt im Sommer so gut zu sehen ist.

Riesiger Vollmond am Horizont

Vom Skorpion aus wandert der Mond quer über die Milchstraße weiter zum Schützen, wo er am 24. Juni als Vollmond erscheint. Er geht erst gegen halb zehn Uhr abends auf und bereits um halb fünf Uhr unter. Er entfernt sich nur langsam und die ganze Nacht nicht allzu weit vom Horizont. Das ist der Grund, warum gerade der Sommer-Vollmond oft so riesig aussieht: Die Horizontnähe lässt ihn in unserem Kopf wachsen wie ein Scheinriese. Was da genau passiert, zeigt Ihnen das folgende Video. Was Sie dagegen nicht wahrnehmen werden, ist, dass dieser Vollmond wirkliche etwas größer als im Durchschnitt ist, weil er der Erde relativ nahe ist. Allerdings nicht mehr so nah wie der Vollmond im April und Mai, der jeweils noch etwa 4.000 Kilometer dichter an der Erde war.

Der Mond ist Ende Juni noch einmal bei Saturn und Jupiter

Mit langsam wieder abnehmender Scheibe wandert der Mond weiter ostwärts und geht immer später nach Sonnenuntergang auf. Zum Ende des Monats hat er nochmals eine strahlende Begegnung: Er wandert ein zweites Mal im Juni an den beiden großen Planeten Saturn und Jupiter vorüber. Am 26. Juni nähert er sich von rechts an Saturn an, steht am Abend darauf fast mittig unter den beiden Planeten und ist am 28. Juni genau unter dem hellen Jupiter zu sehen, nur gut zwei Fingerbreit entfernt. Seine Runde ums Firmament hat er damit vollendet. Und von der nächsten Runde berichten wir im Juli auf dieser Seite.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


386