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Vollmond oder Sichel? Der Mond & seine Reise im Juni

Er ist immer der Gleiche, doch Nacht für Nacht sieht er etwas anders aus: unser Mond. Er wandert quer durch die Sternbilder übers Firmament - mal als Sichel, mal als Vollmond. Der aktuelle Mondkalender für Juni 2020 mit den Mondphasen und den schönsten Begegnungen.

Von: Heike Westram

Stand: 29.05.2020

Supermond über der Ruine der Trimburg im fränkischen Saaletal | Bild: Alexander Preyer

Den Juni beginnt der zunehmende Mond in den Sternbildern des Frühlings, die am Abend untergehen. Als Vollmond plustert er sich zu täuschender Größe auf und danach wird es spannend: Unser Begleiter begegnet nacheinander den hellen Planeten Jupiter, Saturn und Mars. Dabei nimmt er deutlich ab und ist bald nur noch früh morgens zu sehen, wo er dem strahlenden Morgenstern Venus begegnet. Nach Neumond taucht seine hauchzarte Sichel wieder abends im Westen auf und wandert erneut durch die Frühlingsbilder.

Mondphasen im Juni

DatumUhrzeitMondphase
05.06.2021.12 UhrVollmond
13.06.2008.23 Uhrabnehmender Halbmond
21.06.2008.41 UhrNeumond
28.06.2010.15 Uhrzunehmender Halbmond

Zunehmender Mond in den Frühlings-Sternbildern

Der Mond erscheint am 1. Juni schon nachmittags um halb vier Uhr, wenn er mit mehr als halb beleuchteter Scheibe im Osten aufgeht, während die Sonne noch hoch am Himmel steht. Ist es dann um halb elf Uhr abends halbwegs dunkel geworden, steht der Mond hoch im Süden im großen Frühlings-Sternbild Jungfrau. Deren hellster Stern Spika, vier Fingerbreit links unter dem Mond, hält dem Mondlicht vielleicht Stand, wenn der Himmel sehr klar ist. Am nächsten Abend liegt die Spika schon eine Handbreit hinter dem Mond, der linkswärts Richtung Osten durch die Sternbilder wandert. Seine Scheibe wächst dabei allabendlich an, weil er sich auf seiner Runde um die Erde immer weiter von der Sonne entfernt. Dadurch geht unser Begleiter auch täglich über eine Stunde später auf.

Beim schönen Sommer-Sternbild Skorpion

Der Mond wandert in den folgenden Nächten zunächst durch die unauffällige Waage. Je voller der Mond wird, umso mehr nähert er sich immer den typischen Sternbildern der aktuellen Jahreszeit. Im Sommer gehört dazu ein besonders hübsches: der Skorpion, der am Fuß der Milchstraße sein Haupt über den Horizont hebt und jetzt im Juni endlich wieder toll zu sehen ist. Allerdings nicht genau dann, wenn der Mond am 4. Juni über dem Skorpion steht, eine knappe Handbreit rechts über dem hellen Herz des Skorpions, Antares. Denn die Mondscheibe ist jetzt schon fast voll und überstrahlt alle Objekte ringsum.

Vollmond am 5. Juni - mit leichtem Schleier

Wenn der Vollmond am 5. Juni kurz vor neun Uhr abends aufgeht, dann ist er nicht ganz so hell wie normal: Gerade in dem Moment findet eine Halbschatten-Mondfinsternis statt, die eine halbe Stunde später ihren Höhepunkt erreicht und dennoch kaum wahrnehmbar ist. Doch in vollem Glanz erscheint der Mond erst ab elf Uhr, wenn er wieder ganz aus dem Halbschatten der Erde heraus gezogen ist. Er steht dann im Süden genau auf der Milchstraße, die er leider völlig überstrahlt. Diese ist im Sommer über dem Horizont im Süden so breit, dass der Mond auch die kommende Nacht noch auf ihr unterwegs ist.

Riesiger Vollmond am Horizont

Der Vollmond am 5. Juni ist zwar ein bisschen größer als ein Durchschnitts-Vollmond, weil der Erdtrabant zwei Tage zuvor auf seiner elliptischen Bahn den kleinsten Abstand zur Erde hatte. Mit bloßem Auge ist das aber nicht zu erkennen. Weil der Sommer-Vollmond in den tiefliegenden Sternbildern unterwegs ist und sich die ganze Nacht nicht allzu weit vom Horizont entfernt, kommt es oft zu einem typischen Phänomen: Nah beim Horizont sieht der Vollmond hinter geeigneter Landschaft und der richtigen Perspektive manchmal riesengroß aus. Doch das ist nur die Mondtäuschung:

Lassen Sie sich nicht täuschen!

Mond bei den Planeten Jupiter und Saturn

Mond bei zwei mächtigen Planeten

Die Zeit nach Vollmond wird für unseren Begleiter so richtig aufregend, denn auf ihn warten ein paar besondere Lichter am Firmament: In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni nähert sich der Mond mit immer noch recht voller Scheibe den beiden Planeten Jupiter und Saturn. Allerdings müssen Sie bis nach Mitternacht warten, um das zu sehen. Oder Sie nutzen die frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Jupiter, der weitaus hellere und größere der beiden, ist in dieser Nacht nur eine knappe Handbreit links über dem Mond, Saturn ein Stückchen weiter. In der Nacht auf den 9. Juni steht der Mond mittig unter den beiden Planeten, von jedem nur zwei bis drei Fingerbreit weit weg. In der nächsten Nacht ist er weiter gezogen und schon über Handbreit links von Saturn.

Mond bei Mars am Morgen

Mond bei Mars

Es dauert nicht lange, dann trifft der Mond den nächsten Planeten: Zwei Nächte später, in der Nacht zum 12. Juni, ist gut eine Handbreit links vom Mond unser Nachbar Mars. Erst ab etwa drei Uhr nachts können Sie ihn gut erkennen, bis in die späte Morgendämmerung. Besonders hübsch ist der Anblick morgens am 13. Juni: Der Mond, zum Halbmond geschrumpft, ist nur zwei Fingerbreit vom hellen Mars entfernt - da braucht es einen klaren Himmel, um Mars noch gut zu sehen. Am folgenden Morgen ist der Mond wieder auf über eine Handbreit Abstand gegangen und zieht weiter, zum nächsten Planeten.

Dazu quert er einige Tage lang unter dem großen Herbstviereck Pegasus hindurch, dass am frühen Morgen jetzt schon wieder zu sehen ist. Der Mond schrumpft deutlich zur Sichel und geht jetzt erst in den Morgenstunden auf.

Mondsichel beim Morgenstern Venus

Mondsichel beim Morgenstern Venus

Am 18. und 19. Juni lohnt es sich, früh aufzustehen und nach dem Mond zu schauen: Seine dünne Sichel erscheint erst nach halb vier bzw. vier Uhr im Osten. Und um kurz nach halb fünf Uhr taucht links vom Mond ein strahlendes Licht auf: Die Venus kehrt gerade als Morgenstern ans Firmament zurück!

Mondsichel & Venus

Am Morgen des 18. Juni ist die Mondsichel noch anderthalb Handbreit von ihr entfernt, doch am 19. Juni strahlt die Venus nur gut einen Fingerbreit links vom Mond - und ist fast ebenso hell wie seine dünne Sichel, die zum letzten Mal vor Neumond zu sehen ist. Wenn Sie ein Fernglas mit Stativ zur Hand haben, dann nutzen Sie es, denn auch die Venus ist gerade eine dünne Sichel!

Danach bleibt der Mond einige Tage im hellen Sonnenlicht verborgen, denn am 21. Juni zieht er als Neumond zwischen uns und der Sonne hindurch. Und das diesmal so exakt, dass mancherorts eine ringförmige Sonnenfinsternis zu sehen ist! Leider nicht bei uns.

Junge Mondsichel am Abend

junger Mond im Westen

Abends am 22. Juni haben Sie eine erste Chance, den jungen Mond wieder zu sehen, erstmals nach Neumond. Aber dafür müssen Sie schnell sein: Nach dem Sonnenuntergang um 21.18 Uhr dauert es noch ein wenig, bis die hauchdünne Mondsichel sichtbar wird - tief am Horizont im Nordwesten. Um halb elf Uhr geht sie selbst schon unter. Doch ab jetzt bleibt der Mond allabendlich rund eine halbe Stunde länger am Firmament, entfernt sich auf seiner Runde um die Erde wieder von der Sonne und steht so bei Sonnenuntergang allabendlich höher. Doch bis er so lange am Firmament bleibt, dass auch die Sterne ringsum in der Abenddämmerung auftauchen, dauert es einige Tage. Sie können versuchen, ob Sie am Abend des 25. Juni über der Mondsichel das große Sternbild Löwe erkennen können, das sich dann gerade gen Horizont neigt.

Mond erneut in den Frühlingsbildern

Die letzten Juninächte wandert der Mond, allmählich wieder zunehmend, ein zweites Mal in diesem Monat durch die Frühlingsbilder und steht dabei am 27. Juni mittig zwischen Löwe und Jungfrau, zum Halbmond angewachsen. Er geht in dieser Nacht schon gegen halb zwei Uhr unter und lässt so genug Zeit, um nach dem Sternschnuppen-Regen in dieser Nacht Ausschau zu halten. Die folgenden beiden Nächte steht der Mond mal rechts, mal links über der Spika in der Jungfrau und wendet sich dann erneut der Waage und den Sommerbildern zu. Doch davon dann mehr im Juli auf dieser Seite.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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