Wissen - Sternenhimmel


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Vollmond oder Sichel? Der Mond & seine Reise im Dezember

Er ist immer der Gleiche, doch Nacht für Nacht sieht er etwas anders aus: unser Mond. Er wandert quer durch die Sternbilder übers Firmament - mal als Sichel, mal als Vollmond. Der aktuelle Mondkalender für Dezember 2019 mit den Mondphasen und den schönsten Begegnungen.

Von: Heike Westram

Stand: 29.11.2019

Der Vollmond am 25. Dezember 2015 hinter der Münchner Frauenkirche, aufgenommen vom Fuße der Bavaria von Marco Sproviero. | Bild: Marco Sproviero

Der Mond wandert im Dezember vom frühen Abend im Westen, wo er als junge Sichel über Venus und Saturn auftaucht, mit zunehmender Scheibe quer durch die Wintersternbilder, steht als Vollmond im Stier und zieht danach durchs Wintersechseck. Abnehmend passiert er die Frühlings-Sternbilder und begegnet als dünne Sichel morgens im Südosten unserem Nachbarn Mars. Nach Neumond erscheint die junge Mondsichel erneut im Südwesten bei der Venus.

Mondphasen im Dezember

DatumUhrzeitMondphase
04.12.1907.58 Uhrzunehmender Halbmond
12.12.1906.12 UhrVollmond
19.12.1905.57 Uhrabnehmender Halbmond
26.12.1906.13 UhrNeumond

Junge Mondsichel bei den Abendsternen

Junger Mond am Abendhimmel

Im Dezember beginnt der Mond seine Reise übers Firmament am frühen Abend: Seine noch junge Sichel steht am 1. Dezember nach Sonnenuntergang zwei Handbreit hoch im Süden, während rechts unter ihm im Südwesten gerade die beiden Abendsterne Venus und Saturn untergehen, zwei bzw. drei Handbreit von der Mondsichel entfernt. Sie steht im zarten Sternbild Steinbock, das sie allerdings weitestgehend mit ihrem Licht überstrahlt. Schon um neun Uhr abends geht der Mond unter.

Ostwärts durch die Sternbilder

Doch im Anschluss bleibt der Mond jeden Abend ein Stündchen länger am Firmament sichtbar, weil er sich auf seiner Runde um die Erde aus unserer Sicht immer weiter von der Sonne entfernt und dadurch bei ihrem Untergang immer höher und immer weiter östlich steht. Seine Sichel wächst langsam wieder an. Solange der Mond noch so früh untergeht, bleibt Ihnen vom 4. bis zum 10. Dezember morgens noch Gelegenheit, nach Sternschnuppen Ausschau zu halten.

Der Mond zieht mit allmählich zunehmender Scheibe in dieser Zeit durch die unscheinbaren Sternbilder Wassermann und Fische, tief unter dem auffälligen Herbstviereck Pegasus hindurch. Am 8. Dezember ist er unter dem kleinen Sternbild Widder angelangt, das jedoch mit dem Mondlicht zu kämpfen hat. Inzwischen steht der Mond beinahe bis um halb vier Uhr morgens am Sternenhimmel.

Beim hübschen Siebengestirn

Am 10. Dezember ist die fast schon volle Mondscheibe auf ihrer Rundreise beim Winter angelangt: Der Mond steht im Winter-Sternbild Stier. Eine knappe Handbreit über ihm schimmert der zarte Fleck des Siebengestirns: Sieben helle Sterne, die in einen Schleier gehüllt scheinen. In Wahrheit liegt hier ein Offener Sternhaufen verborgen, mit Tausenden von Sternen. Eine Ahnung davon bekommen Sie schon mit einem einfachen Fernglas, aber besser, wenn sich der Mond wieder entfernt hat.

Vollmond im Stier

Vollmond

Eine knappe Handbreit links unter dem Mond ist mit Mühe noch das markante V des Stierkopfs zu erkennen. Am 11. Dezember hat der Mond dessen hellsten Stern, das Stierauge Aldebaran, schon ein paar Fingerbreit weit hinter sich gelassen. Er wächst in dieser Nacht zum Vollmond an. Der genaue Vollmondtermin ist morgens gegen sechs Uhr am 12. Dezember, zwei Stunden, bevor der Mond untergeht.

Wenn der Mond abends am 12. Dezember gegen fünf Uhr nach dem frühesten Sonnenuntergang des Jahres wieder im Osten auftaucht, hat seine Scheibe schon eine winzige Delle, die aber fürs bloße Auge nicht zu sehen ist. Er steht jetzt mitten im Wintersechseck, umringt von den hellsten Sternen des Nordhimmels.

Die ganze Nacht lang steht der Mond jetzt mit heller Scheibe am Firmament und verdirbt uns damit leider in der Nacht zum 14. Dezember einen der schönsten Sternschnuppen-Regen des ganzen Jahres. Wenn der Mond am 14. Dezember nach halb sieben Uhr abends aufgeht, ist es bereits stockfinster. Mit etwas Mühe können Sie über der leicht geschrumpften Mondscheibe die beiden hellen Zwillingssterne Kastor und Pollux erkennen. Von hier aus zieht unser Begleiter in den kommenden Nächten durch den kleinen Krebs dem Frühling entgegen:

Mond beim Frühlings-Sternbild Löwen

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Am 16. Dezember schreitet der Mond dem großen Frühlings-Sternbild Löwe voran über den Sternenhimmel. Er steht, schon fast wieder zum Halbmond geschrumpft, nur gut zwei Fingerbreit über dessen hellstem Stern Regulus. Ab Mitternacht ist der Löwe jetzt schon in voller Größe im Osten zu sehen, im Frühjahr wird er dann schon abends hoch im Süden stehen. Das Sternbild ist so groß, dass der Mond zwei weitere Nächte braucht, um unter ihm vorbei zu wandern. Dabei geht er immer später auf: Am 18. Dezember ist es fast schon Mitternacht, bis der Mond erscheint, der dann morgens nur noch ein Halbmond ist.

Abnehmender Mond bei der Jungfrau

Ab jetzt ist der Mond nur noch in der zweiten Nachthälfte zu sehen, oder vormittags, nach Sonnenaufgang. Er zieht die nächsten Tage unter der Jungfrau hindurch, einem ebenfalls riesigen Frühlingssternbild.

Mondsichel bei Mars am Morgen

Mondsichel bei Mars

Zur Wintersonnwende in den Morgenstunden des 22. Dezembers ist der Mond schon deutlich zur Sichel geschrumpft. Er geht erst gegen halb vier Uhr auf. Knapp zwei Stunden nach der Mondsichel taucht anderthalb Handbreit links unter ihr ein besonderes Licht auf: unser Nachbarplanet Mars. Am folgenden Morgen ist der Mars keine zwei Fingerbreit rechts des Mondes zu sehen.

Am Morgen des 24. Dezember können Sie einen letzten Blick auf den Mond werfen, der erst gegen sechs Uhr erscheint, jetzt anderthalb Handbeit links unter Mars. Danach bleibt der Erdtrabant kurze Zeit als Neumond unsichtbar, der zwischen Erde und Sonne hindurchzieht. Für die Menschen weiter im Osten, von der Arabischen Halbinsel bis Borneo, macht sich dieser Neumond allerdings spektakulär bemerkbar: mit einer ringförmigen Sonnenfinsternis am 26. Dezember.

Junge Mondsichel beim Abendstern

Mondsichel bei der Venus

Im zarten Alter von nur 35 Stunden ist der Mond bei uns bereits am 27. Dezember wieder zu sehen, als hauchdünne Sichel am frühen Abend im Südwesten. Doch es bleibt Ihnen an dem Abend nur ein kurzer Moment, die Mondsichel zu sehen: Um fünf Uhr, nur gut eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang, ist sie schon dicht an den Horizont gerückt, unter dem sie vierzig Minuten später versinkt. Anderthalb Handbreit entfernt strahlt links über dem Mond der prächtige Abendstern Venus.

Mondsichel beim Abendstern

Am 28. Dezember ist der junge Mond keine drei Fingerbreit mehr von der Venus entfernt, am Abend danach in etwa gleicher Entfernung links von unserem hellen Nachbarplaneten zu sehen. Auch da müssen Sie sich noch sputen: Um Viertel vor acht Uhr versinkt der Mond, die Venus schon kurz davor. Seine Runde ums Firmament hat der Mond vollzogen, bricht aber natürlich sofort zur nächsten auf und wandert mit zunehmender Sichel die letzten beiden Nächte des Jahres durch den Wassermann.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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