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Vollmond oder Sichel? Der Mond & seine Reise im Juni

Er ist immer der Gleiche, doch Nacht für Nacht sieht er etwas anders aus: unser Mond. Er wandert quer durch die Sternbilder übers Firmament - mal als Sichel, mal als Vollmond. Der aktuelle Mondkalender für Juni 2019 mit den Mondphasen und den schönsten Begegnungen.

Von: Heike Westram

Stand: 31.05.2019

Der Supermond im November 2016 geht hinter der Ruine Botenlauben in Bad Kissingen auf.  | Bild: Alexander Preyer

Der Mond beginnt seine Mondreise im Juni frühmorgens als dünne Sichel nahe der hellen Venus. Dann bleibt er als Neumond zunächst verborgen und taucht anschließend abends bei Merkur und Mars im Westen auf. Er zieht mit zunehmender Sichel durch die Frühlings-Sternbilder und zur Monatsmitte mit voller Scheibe durch den Sommer, vorbei an den beiden hellen Planeten Jupiter und Saturn. Danach zieht sich der abnehmende Mond wieder an den Morgenhimmel im Osten zurück, wo er zum Monatsende noch einmal der hellen Venus begegnet.

Mondphasen im Juni

DatumUhrzeitMondphase
03.06.1912.02 UhrNeumond
10.06.1907.59 Uhrzunehmender Halbmond
17.06.1910.30 UhrVollmond
25.06.1911.46 Uhrabnehmender Halbmond

Mondsichel beim Morgenstern Venus

Mondsichel beim Morgenstern

Wollen Sie Anfang Juni den Mond sehen, dann müssen Sie schnell sein: Am Morgen des 1. Juni ist die hauchzarte Mondsichel kurz vor Sonnenaufgang im Osten zu sehen. Um halb fünf Uhr geht der Mond auf, eine Dreiviertelstunde vor der Sonne. Eine Handbreit links vom Mond strahlt ein sehr helles Licht: die Venus, unser Morgenstern.

Danach bleibt unser Begleiter tagelang im hellen Licht der Sonne verborgen, vor der er als Neumond am 3. Juni vorbei wandert. Die mondlosen Nächte geben Ihnen die Gelegenheit, die Pracht der Sommer-Milchstraße zu bestaunen, die jetzt in tiefer Nacht im Süden emporragt.


Junge Mondsichel abends

junger Mond im Westen

Einen ersten Blick auf die Mondsichel können Sie wieder am 4. Juni erhaschen. Sie taucht nach Neumond am Abend im Westen wieder auf. Aber es bleibt Ihnen nicht viel Zeit: Um kurz nach neun Uhr ist Sonnenuntergang, da steht der Mond schon tief am Horizont. Nur zweieinhalb Prozent der Mondscheibe sind von der Sonne beleuchtet; um Viertel nach zehn Uhr geht der Mond bereits unter.

Mond bei Merkur und Mars

Mond bei Merkur und Mars

Am 5. Juni werden Sie die Mondsichel sicher wieder erblicken, denn jetzt steht sie bei Sonnenuntergang noch deutlich höher und versinkt selbst erst gegen halb zwölf Uhr nachts. Es lohnt sich, an dem Abend nach dem Mond zu sehen, denn anderthalb Fingerbreit rechts vom Mond können Sie unseren Nachbar-Planeten Mars in der Abenddämmerung entdecken. Und eine Handbreit rechts unter Mars taucht sogar der seltene Merkur kurz auf.

Unterwegs durch die Frühlings-Sternbilder

Der Mond entfernt sich auf seiner Runde um die Erde immer weiter von der Sonne und ist dadurch allabendlich ein wenig besser und länger zu sehen. Sein Untergang verzögert sich Abend für Abend um eine gute Stunde, seine Sichel wächst langsam an. So werden bald auch um den Mond herum die Sternbilder sichtbar, durch die hindurch er langsam ostwärts übers Firmament zieht.

Am 7. Juni steht die Mondsichel im großen Frühlings-Sternbild Löwe, nur einen Fingerbreit von dessen hellstem Stern Regulus entfernt, der aber vom Mondlicht überstrahlt wird und kaum zu sehen ist.

Abnehmend oder zunehmend? Eine kleine Faustregel

Von hier zieht der Erdtrabant weiter ins nächste große Frühlings-Sternbild: die Jungfrau, die der Mond am 11. Juni erreicht. Seine Scheibe ist schon wieder zu mehr als der Hälfte beleuchtet und bis halb drei Uhr nachts zu sehen.
Von der Jungfrau wandert unser Begleiter weiter durch die unscheinbare Waage und wendet sich zur Monatsmitte den Sommer-Sternbildern zu.

Beim hübschen Skorpion

Am 15. Juni ist die Mondscheibe fast schon voll. Sie hat sich ein schönes Plätzchen gesucht für die folgende Nacht: Wenn es gegen Mitternacht richtig finster wird und der Mond im Süden steht, dann reckt das Sternbild unter dem Mond seinen hübschen Kopf weit genug über den Horizont: der Skorpion. Sein hellster Stern, die rote Riesensonne Antares, ist nur wenige Fingerbreit unter dem Mond. Doch eine Handbreit links vom Mond lockt ein noch viel helleres Licht: Jupiter.

Vollmond bei Jupiter und Saturn

Mond bei Jupiter und Saturn

Am Abend des 16. Juni geht der Mond dicht neben Jupiter auf, dem größten Planeten des Sonnensystems. Der ist so hell, dass ihm auch das Mondlicht nichts anhaben kann. Und das, obwohl der Mond in dieser Nacht zum Vollmond wächst und sich alle Mühe gibt, alles mit seinem Licht zu überstrahlen. Die Milchstraße links von Jupiter ist im hellen Mondlicht nicht mehr zu sehen. Auch in der folgenden Nacht nicht, wenn der Mond genau über die Milchstraße weiterzieht. Jetzt steht er mittig zwischen Jupiter und einem zweiten Planeten: Saturn.

In der Nacht auf den 19. Juni überstrahlt der Mond Saturn im Schützen, weil er mit fast noch voller Scheibe nur noch gut einen Fingerbreit von ihm entfernt ist, dann nimmt der Mond wieder Abstand von dem Ringplaneten.

Ohne spektakuläre Begegnungen wandert unser Begleiter in den folgenden Nächten durch die unscheinbaren Sternbilder Steinbock, Wassermann und Fische. Dabei schrumpft seine Scheibe zum abnehmenden Halbmond am 25. Juni und erscheint immer später nach Mitternacht. Die letzten Tage im Juni wandert der Mond frühmorgens als dünne Sichel durch den Widder und hat am Monatsletzten ein letztes Treffen:

Mondsichel noch einmal beim Morgenstern

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Der Mond geht am 30. Juni erst um halb vier Uhr morgens auf. Eine gute Stunde später erscheint in der Morgendämmerung gut zwei Handbreit links unter der Mondsichel die Venus. Bei ihr hatte der Mond seine Rundreise übers Firmament am 1. Juni begonnen. Aber er macht sich natürlich gleich auf zur nächsten Runde - von der wir dann hier im Juli berichten werden.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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