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Menschen im Hintergrund Von sauberem Trinkwasser

Wenn wir den Hahn aufdrehen, fließt frisches Wasser aus der Leitung. Hierzulande können wir es unbedenklich trinken. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch wer steht dahinter, dass Wasser gewonnen wird und sauber in unsere Haushalte kommt?

Von: Elisabeth Möst

Stand: 03.02.2020

Wasserspeicher Augsburg | Bild: BR/ Elisabeth Möst

Seit 1991 ist die Versorgungsquelle für Trinkwasser in Augsburg der Hochbehälter in Steppach. Etwas verborgen liegt der Stollen im Westen der Stadt. 25 Millionen Liter Wasser fassen die riesigen Becken, die hermetisch abgeriegelt und nur durch Glasscheiben sichtbar sind. Augsburg gehört zu den wasserreichsten Städten der Welt, das Trinkwasser kommt direkt aus dem Boden und ist so rein, dass es naturbelassen zu den 350.000 Bürgerinnen und Bürgern rund um Augsburg gelangt. Andere Gegenden sind weniger privilegiert, erklärt Franz Otillinger, Geschäftsbereichsleiter der Stadtwerke Augsburg Wasser GmbH: "Krieg ums Wasser, das wir aus Drittweltländern, zum Beispiel aus Südamerika kennen, rückt immer näher zu uns. Ich kann Gemeinden rund 50, 60 Kilometer von Augsburg entfernt, da existiert der Streit bereits."

Das historische Wasserwerk – eine technische Pionierleistung

Welche Logistik hinter der Trinkwasserversorgung steht, erschließt sich im historischen Wasserwerk am Hochablass in Augsburg. Eine technische Pionierleistung der Maschinenfabrik Augsburg, die die Stadt rund 100 Jahre lang mit frischem Trinkwasser versorgte. Ein Pumpensatz funktioniert immer noch, auch wenn hier kein wasser mehr gepumpt wird. Wassermeister Thomas Eberle ist immer wieder fasziniert von diesem Wunderwerk der Technik:

"Das Wasserwerk war im 19. Jahrhundert so modern, dass es in Europa in Fachzeitschriften beschrieben wurde. Und es war ein großer Schritt in der Wasserhygiene, denn seither gab es in Augsburg keine Epidemien mehr, die vom Trinkwasser ausgingen."

Thomas Eberle, Wassermeister

Im Wasserwerk wurde seit 1879 frisches Trinkwasser aus Brunnen des nahen Siebentischwalds gepumpt und ins städtische Wassernetz eingespeist. Die riesigen Pumpen wurden vom Wasser des Lechs und Neubachs angetrieben, effiziente Energiegewinnung vor mehr als 140 Jahren. Noch heute versorgt das historische Werk Privathaushalte mit Strom. Vor allem aber ist es heute Museum und Informationszentrum für Trinkwasser.

Wassersparen ist auch Frage des Konsumverhaltens

Hierzulande haben wir noch ausreichend Wasser-Ressourcen. In Augsburg wird weit weniger Grundwasser entnommen, als sich im Einzugsgebiet der Brunnen neu bildet. Trotzdem wünscht sich Wassermeister Eberle einen bewussten Umgang mit dem Lebensmittel Wasser. 131 Liter Wasser verbraucht jeder Bayer durchschnittlich am Tag (Statistisches Bundesamt von 2016). Viel schlimmer ist der virtuelle Wasserverbrauch. Ein Kilogramm Rundfleisch erfordert den Einsatz von 15.455 Litern Wasser, eine Jeanshose 11.000 Liter. Wasser sparen hängt also am Konsumverhalten.

Im Übrigen auch der Umgang mit Abwasser. Denn alles, was in der Kanalisation landet, muss äußerst aufwendig und kostspielig gefiltert und gereinigt werden. Ins Abwasser, in die Toilette gehört nichts außer Fäkalien und Toilettenpapier, sagt Klaus Stegmayer, Klärwerksleiter der Stadtentwässerung Augsburg.

Medikamentenrückstände bleiben im Abwasser

Es sei nicht so, dass im Klärwerk schmutziges Wasser hineinfließt und sauberes wieder herauskommt, so Klaus Stegmayer. Die Reinigung ist ein komplexer, chemiekalischer und technischer Prozess, an dem rund 100 Mitarbeiter im Klärwerk im Hintergrund arbeiten – und „abgehärtete“ Nasen brauchen.

Oft landen Sanitärartikel, Lebensmittelabfälle und hie und da auch mal ein Gebiss in den Reinigungsrechen. 1100 Lastwagen Klärschlamm, das entspricht 30.000 Tonnen, kommen so im Jahr in Augsburg zusammen. Nicht vollständig entfernt werden können Medikamentenrückstände und hormonähnliche Substanzen.

"Das ist ein Chemiecocktail aus mehreren 10.000 Substanzen, sehr komplexe Moleküle, die bei uns nicht abgebaut werden können. Sie landen im Lech und finden sich irgendwann im Trinkwasser wieder, wenn das Wasser aus dem Boden gepumpt wird."

Klaus Stegmayer, Klärwerksleiter Stadtentwässerung Augsburg.

Die Augsburger, so sagen die Wasserexperten vor Ort, hätten ein besonderes Verhältnis zu ihrem Wasser. Denn die Wurzeln der Wasserkraft reichen in der schwäbischen Metropole ins 16. Jahrhundert zurück. Otillinger, Eberle, Stegmayer und alle ihre Kollegen sind besonders stolz darauf, dass der nachhaltige Umgang mit Wasser, also das Wassermanagement-System Augsburgs ausgezeichnet wurde: Es ist seit vergangenem Jahr UNESCO-Welterbe.

Beiträge der Sendung:

  • Der Chauffeur des Erzbischofs. Von Iris Tsakiridis
  • Die Klofrau in der Disko. Von Linda Hofmeier
  • Die Assistentin der blinden VdK-Präsidentin. Von Markus Kaiser
  • Das Theater für Menschen mit Behinderung. Von Constanze Hegetusch

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