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"Überleben" im Job Wie man mit beruflichen Herausforderungen umgeht

Statistisch gesehen verbringt man mehr Zeit in der Arbeit als zu Hause. Da ist es wichtig, dass der Job auch Freude macht. Nun trifft das keineswegs auf alle Berufe zu. STATIONEN fragt, was Menschen in schwierigen Jobs hilft, wie sie ihre Kräfte einteilen, wo sie auftanken und was Arbeitgeber tun können, um ihre engagierten Mitarbeiter vor dem Ausbrennen zu schützen.

Von: Agnieszka Schneider

Stand: 20.09.2019

Moderator Benedikt Schregle beim Misten im Zoo | Bild: BR/ Sabine Rauh

Ein Beruf, den man liebt, ein Job, der genug einbringt zum Leben, Kollegen, die ein faires und kameradschaftliches Team bilden – das dürfte der Traum aller Berufstätigen sein. Die Realität sieht oft anders aus. Burnout als Kehrseite des Engagements, schlecht bezahlte Stellen bei viel zu hohen Lebenshaltungskosten, Mobbing unter Kollegen – diese Erfahrungen müssen viele machen.

Gefährlicher Job im Zoo

Nashorn-Fütterung

Moderator Benedikt Schregle besucht für die Sendung den Münchener Tierpark Hellabrunn. Auch wenn man es nicht sofort vermuten würde, hier geht es manchmal wortwörtlich ums Überleben. Als Besucher ahnt man nicht, wie gefährlich manche Tiere selbst für ihre Pfleger sind. Sascha Tütsch arbeitet schon lange in Hellabrunn und hat viel Respekt vor den Tieren. Eine Besonderheit ist der Vollkontakt zu "seinen" Nashörnern. Die Pflegerinnen und Pfleger, die von den Tieren akzeptiert werden, können sich mit ihnen im Gehege aufhalten und sie an den direkten Kontakt gewöhnen – auch um den Stress der Tiere zum Beispiel bei tierärztlichen Untersuchungen zu mindern. Nur wenn Sascha Tütsch sauber macht und frisches Futter bringt, müssen Niko und Rapti im Haus warten. Denn die Pfleger können die Augen nicht überall haben und selbst ein freundliches Kopfnicken der Tiere kann einem Menschen schwere Verletzungen zufügen. Auch wenn die Pfleger über die Jahre hinweg eine enge Beziehung zu ihren Schützlingen aufbauen, ist immer äußerste Vorsicht geboten.

Teamarbeit

Ein Job funktioniert manchmal nur, wenn man sich auf seinen Kollegen verlassen kann. Daniel Obermeier und Andreas Edenhofer leiten gemeinsam ein Übergangswohnheim für Männer in Regensburg. Hier kommen Menschen unter, die plötzlich in schwierige Lebensumstände geraten sind und neben einem Dach überm Kopf auch mentale Unterstützung brauchen. Manch einer ist straffällig geworden, andere sind obdachlos. Alle brauchen Hilfe, damit sie wieder ins Leben zurückfinden. Was für die meisten Menschen Routine ist, kann in solchen Situationen puren Stress auslösen, also sind Obermeier und Edenhofer zur Stelle, wenn der Briefkasten geleert wird. Oft ist Post vom Gericht dabei oder vom Wohnungsamt, wenn wieder eine Absage kommt. Und manchmal brauchen die beiden einfach die gegenseitige Unterstützung.

(von links) Daniel Obermeier und Andreas Edenhofer beim Sortieren der Post

"Bei härteren Vorkommnissen ist es mir sehr wichtig, dass ich einen Kollegen habe, mit dem ich Rücksprache halten kann, mit dem ich mich absichern kann, ob ich jetzt völlig auf dem Holzweg bin oder ob wir das gemeinsam tragen können. Also keiner von uns würde den Bewohner rauswerfen, ohne den Kollegen zu befragen."

Andreas Edenhofer

Job für Fitte

Angelika Gruber hält sich mit Radeln fit

Angelika Gruber legt an einem gewöhnlichen Arbeitstag etwa fünf Kilometer zu Fuß zurück – sie ist Kellnerin. Die 69-Jährige bedient die Gäste einer Münchner Traditionsgaststätte. Um fit zu bleiben, radelt Angelika zur Arbeit - 18 Kilometer. Auch wenn die Kellnerinnen inzwischen pauschal und nicht mehr nach Umsatz bezahlt werden, möchte Angelika keinen anderen Job machen. Die Stammgäste lieben ihre Freundlichkeit und gute Laune. Und auch sie fühlt sich unter den Kolleginnen und den vielen Menschen, denen sie täglich begegnet, gut aufgehoben.

"Wir sind ja eine große Familie da drinnen. Na, das passt. Das würd mir wirklich abgehen, wenn mein Chef plötzlich sagen würde, Gruaberin, jetzt können wir dich nicht mehr brauchen, ich glaub, ich würd in ein Loch fallen."

Angelika Gruber

Beiträge in STATIONEN

  • Kellnerin Angelika Gruber (Iris Tsakiridis)
  • Überleben dank Selbsthilfe (Birgit Rätsch)
  • Mitarbeiter-Fürsorge (Astrid Uhr)
  • Nicht ohne meinen Kollegen (Birgit Rätsch)

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