Religion - STATIONEN


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Menschen in Uniform Wir sind, was wir tragen

Kleidung kann Macht und Privilegien repräsentieren, gleichzeitig stehen Uniformen auch für die Gleichheit ihrer Träger, für Werte und Verpflichtungen. Sicher ist: Die Kleidung, die wir tragen, verändert uns und unser Handeln.

Stand: 25.06.2020

Moderatorin Irene Esmann trägt Uniform | Bild: BR / Sabine Rauh

Wenn es an der Tür klingelt und ein Mensch im Blaumann davor steht, dann ist die Nachfrage überflüssig, ob es sich um den bestellten Handwerker handelt. Auch ist davon auszugehen, dass einem am Bahnhof ein Schaffner in Uniform präzisere Auskünfte zum Zugfahrplan geben kann als einer der vielen Passagiere. Im Alltag zeigt unsere Kleidung, wer wir sind, über welches Wissen wir verfügen und wie wir uns in einer Situation wahrscheinlich verhalten werden, welche Privilegien wir genießen und welche Verpflichtungen wir eingehen.

Zwischen Hierarchie und Gleichheit

Kleidung schafft klare Verhältnisse. Deshalb trägt manch einer gerne auch in der Freizeit Uniform: Bei den Pfadfindern etwa soll diese soziale Unterschiede aufheben: Alle sind gleich, alle streben nach den gleichen Werten und alle halten sich an einen Verhaltenskodex, wenn sie ihre Kluft tragen. Für Schwestern im Kloster geht das sogar noch einen Schritt weiter: Für sie wird das Kleid zu einer "zweiten Haut", einem Symbol für eine Lebensentscheidung, das sich nicht einfach so ablegen lässt. Gleich sein kann befreien, aber auch belasten: Wie lassen sich seelische Probleme von Menschen in Uniform bewältigen, die beispielsweise im Kriegseinsatz auftreten? Wenn der Mensch hinter seiner Rolle als Soldat zurückbleibt, dann kommen Militärseelsorger zum Einsatz.

Sneaker oder High Heels: Sehnsucht nach Individualität

Uniformiert sein, gleich sein, das ist freilich nicht jedermanns Sache, schließlich ist und war Mode stets ein Ausdruck von Individualität und Persönlichkeit. STATIONEN-Moderatorin Irene Esmann blickt mit der Modeexpertin Isabella Belting vom Münchner Stadtmuseum auf Textilien und auf Schuhe aus verschiedenen Epochen der Geschichte. Gerade die Fußbekleidung wecke menschliche Emotionen wie Rührung, Stolz oder Verlangen. 500 Paar Schuhe wurden für die aktuelle Ausstellung "Ready to go!" gesammelt: Vom Eisenschuh der Ritter über Rokoko-Damenschuhe aus dem 18. Jahrhundert bis hin zu modernen Fußballschuhen oder veganen Schuhen aus Mais, Stein und Baumpilzen.

Wie verändern Schuhe, Kleider und Uniformen unser Leben? Und kann ein Mundschutz gegen das Corona-Virus auch Mode sein? Mehr dazu in STATIONEN am 1. Juli 2020 um 19 Uhr im BR Fernsehen.

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