Religion - STATIONEN


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Botschafter auf allen Kanälen Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Er ist der Sunnyboy der evangelischen Kirche - Heinrich Bedford-Strohm. Tilmann Kleinjung hat den bayerischen Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzenden porträtiert.

Von: Tilmann Kleinjung

Stand: 29.03.2021

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm | Bild: BR/Tilmann Kleinjung

Seit einem Jahr legt die Corona-Pandemie das öffentliche und kirchliche Leben weitgehend lahm. Wo Nähe gefragt ist, muss die Kirche auf Distanz gehen. Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), (Komma) warnt vor den seelischen Folgen der Corona-Pandemie: "Wir spüren alle die Verwundung in der Gesellschaft. Die Geduld geht zu Ende. Die seelischen Inzidenzen gehen steil nach oben." Ihm ist es wichtig, Zuversicht und Hoffnung zu spenden.

Botschaft an Karfreitag

Zum zweiten Mal steht die Corona-Pandemie wie eine dunkle Wolke über dem Osterfest. Öffentliche Gottesdienste dürfen zwar nun doch gefeiert werden, allerdings nur mit strikten Zugangsbeschränkungen sowie Hygiene- und Schutzmaßnahmen. In dieser Karwoche erinnert vieles an die Gedanken, die den Karfreitag des vergangenen Jahres prägten.

"Wie selten zuvor verschränkt sich die Geschichte dessen, was wir an diesem Karfreitag erzählen und woran wir denken, mit den Erfahrungen von uns allen in diesen Tagen. Es geht um Verzweiflung. Es geht um Angst vor der Zukunft. All das hat Jesus gespürt, und das spüren Menschen jetzt auch. Und deswegen ist heute der Tag, an dem wir das Leid wahrnehmen, nicht vor dem Leiden davonrennen."

Heinrich Bedford-Strohm, Bayerischer Landesbischof

Ein Botschafter auf allen Kanälen

Heinrich Bedford-Strohm sieht in Medien keine Bedrohung. Auch nicht in sozialen Medien. Er sucht die große Bühne, weil sie ihm ein großes Publikum ermöglicht, in Zeiten, in denen die Kirchen leerer werden. Er widerlegt das Klischee von spaßbefreiten Protestanten, er ist der Sunnyboy der evangelischen Kirche. "Dass ich jetzt gerne mal lächle, kann ich auch nicht ändern", sagt Bedford-Strohm gelassen, "aber das hält mich überhaupt nicht davon ab, die Probleme anzuschauen." Er setzt sich ein für Flüchtlinge, für Seenotrettung und auch für die Aufklärung der Missbrauchsfälle in der Kirche. Mit dem Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm stellt sich die evangelische Kirche erstmals systematisch diesem Skandal.

"Wir wollen, ich auch persönlich möchte, dass alles, was da war, auf den Tisch kommt. Und da gibt es überhaupt keine Grenzen außer der rechtlichen Grenze, die man wahren muss."

Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Ratsvorsitzender

Die Zukunft der Kirche ist ökumenisch

Die Zukunft der Kirche liegt für Heinrich-Bedford-Strohm in der Ökumene. In Kardinal Reinhard Marx hat er einen Verbündeten gefunden. "Ich habe ihn ja schon gekannt, als er noch Professor war, da war ich schon Bischof in Trier", erzählt Marx. Rund um den 500. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag im Jahr 2017 hat die Ökumene gegen jede Erwartung einen neuen Schub bekommen. Dafür wurden die beiden Bischöfe Ende 2017 mit dem Ökumene-Preis der Katholischen Akademie in Bayern ausgezeichnet.

Zu politisch oder zu beseelt?

Christ, Pfarrer, Theologe. Oder besser: Aktivist, Influencer, Streetworker? In jedem Fall ein Kommunikationstalent. Heinrich Bedford-Strohm spricht mit Mächtigen genauso wie mit Machtlosen. Den einen ist er zu politisch, zu wenig geistlich. Anderen ist er zu beseelt, alles nur rosarot. Der bayerische Landesbischof ist sich treu geblieben im Amt: als Theologe, für den die christliche Botschaft politische Konsequenzen haben muss. Als Pfarrer, der seinen Verkündigungsauftrag ganz weit fasst.

In Zeiten von Corona sucht er deshalb neue Wege, um mit Menschen in Kontakt zu kommen. Jeden Morgen zeichnet er eine kurze Videoandacht auf und stellt sie ins Netz.


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