Religion - STATIONEN


3

75 Jahre Kriegsende Nach der Befreiung

Lange wurde über die Verbrechen der Nationalsozialisten kaum gesprochen, sie wurden verdrängt oder kleingeredet. Es dauerte, bis eine Erinnerungskultur entstand, die den Namen verdient. Das erlittene Leid aber ließ viele Holocaust-Überlebende auch nach der Befreiung nie mehr los.

Stand: 04.05.2020

Moderatorin Irene Esmann in der KZ-Gedenkstätte Dachau, hinter ihr das Mahnmal. | Bild: BR

Als vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg endete, befreiten die Alliierten auch die Menschen in den Konzentrationslagern in Dachau, Flossenbürg, Theresienstadt und an so vielen anderen Orten. „Verurteilt zum Überleben“, so habe sie sich nach dem Ende der Nazi-Herrschaft gefühlt, sagte die Holocaust-Überlebende Hanna Mandel einmal, als sie über ihr Weiterleben nach dem Holocaust räsonierte.

Zukunft ohne Zeitzeugen

STATIONEN widmet sich der Zeit „Nach der Befreiung“, um Einblicke in die Zeit nach 1945 bis heute zu geben und Ausblicke auf eine Zukunft ganz ohne Zeitzeugen wie Hanna Mandel. Moderatorin Irene Esmann besucht die KZ-Gedenkstätte Dachau und begibt sich auf Spurensuche, wie es damals weiterging nach der Befreiung von Naziregime und Gewaltherrschaft. Wer hat daran erinnert, wer ist gegen das Vergessen aufgestanden? Und was bedeuten offizielles Gedenken und persönliches Erinnern für das Leben heute?

Der Münchner Ernst Grube wurde vor 75 Jahren zusammen mit seiner Familie aus dem KZ Theresienstadt befreit.

Einer, der bis heute nicht aufgehört hat zu erinnern, ist der Münchner Holocaust-Überlebende Ernst Grube. Als er schon längst als hoch angesehener Zeitzeuge Schulklassen besuchte, wurde er namentlich im bayerischen Verfassungsschutzbericht als Linksextremer erwähnt. Er hat sich davon nie einschüchtern lassen, aber sich darüber sehr geärgert. Bis heute, mit 87 Jahren, wird er nicht müde, dem Vergessen von nationalsozialistischer Gewaltherrschaft entgegenzutreten und sich für Menschen einzusetzen, die in Deutschland gerade antisemitische, rassistische und rechte Gewalt erleben.

Antisemitische Übergriffe

Dass es trotz einer lebendigen Erinnerungskultur wieder antisemitische Übergriffe gibt, beunruhigt Eva Ehrlich sehr. Sie engagiert sich in der liberalen jüdischen Gemeinde in München und gibt das jüdische Onlinemagazin „HaGalil“ heraus.

Eva Ehrlich von der Gemeinde Beth Shalom im Gespräch mit Irene Esmann.

Während einer Trambahnfahrt im Sommer holte sie die Leidensgeschichte ihrer Familie in der NS-Zeit ein. Ein Mann sprach ihre Mutter an, deren Auschwitztätowierung am Unterarm gut zu sehen war. Er sagte: „Dich haben sie wohl vergessen zu vergasen.“

Das Karmelitinnen-Kloster Heilig Blut

Neben Eva Ehrlich trifft Irene Esmann in dieser STATIONEN-Sendung unter anderem auch Ordensschwester Elija Boßler vom Karmelitinnen-Kloster "Heilig Blut". Es liegt unmittelbar hinter der Mauer des ehemaligen Konzentrationslagers. Die Ordensschwestern sehen ihre Aufgabe darin, an diesem Ort des Leidens und der menschenverachtenden Grausamkeiten durch ihre kontemplative Lebenshaltung und ihr Gebet für Versöhnung und Frieden zu leben.

Die Beiträge der Sendung

  • Dietrich Bonhoeffer: Zur Ikone stilisiert - von rechts instrumentalisiert. Von Barbara Schneider
  • Ernst Grube: Lebenslanger Mahner gegen das Vergessen. Von Jutta Neupert

Weitere Sendungen auf ARD alpha


3