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Reif für die Insel? Inselleben zwischen Romantik und Realität

Viele Südseeträume sind in diesem Jahr geplatzt. Urlaub zuhause ist angesagt. Seitdem die Schiffe wieder in See stechen dürfen, erwacht auch die Fraueninsel – nach dem Lockdown – zu neuem Leben. Täglich schaufelt die Chiemseeschifffahrt jetzt wieder im Stundentakt Erholungs- und Sinnsuchende auf die Insel. Wie geht es den Insulanern?

Von: Andrea Kammhuber

Stand: 10.07.2020

Sonnenaufgang über der Fraueninsel | Bild: BR / Andrea Kammhuber

Irene Esmann fährt am frühen Morgen mit Thomas und Tassilo Lex hinaus aufs Bayerische Meer. Familie Lex betreibt die Chiemseefischerei seit 1857 inzwischen in der 6. Generation und gehört damit zu den ältesten Fischerfamilien am Chiemsee. Ein Familienbetrieb: Opa Holmer und Oma Erika, Thomas und Sylvia Lex, ihre Söhne, die Zwillinge Tassilo und Florian – alle ziehen an einem Strang.

Fischernetze am Ufer der Fraueninsel

Sie holen Renken, Aal, Hecht aus den Netzen. Der Fang kommt dann in der Regel am gleichen Tag auf den Tisch. In Covid 19-Zeiten lief das Geschäft freilich schlecht, aber auch hier auf der Insel sind die Uhren nicht stehengeblieben. Einige Fischer auf der Fraueninsel haben sich zusammengeschlossen. Bei ihnen kann man online bestellen. Nach den ruhigen Wochen freuen sich die Fischer über die Rückkehr der Gäste, auch wenn die manchmal nervenaufreibend sind. Aber so geht es vielen der 240 Insulanern auf der Fraueninsel. Es ist immer wieder ein Spagat zwischen Romantik und Realität.

Mit der Kraft des Gebets

Seit 1200 Jahren leben Benediktinerinnen auf der Insel. Ihr Gebet ist nie verstummt. Das macht den Mythos der Fraueninsel aus, hören wir von allen Insulanern. Auch im Kloster der Benediktinerinnen war es in den letzten Wochen ungewöhnlich ruhig. Jetzt läuft der Seminarbetrieb - unter Einhaltung der Hygienebestimmungen – langsam wieder an. Frau Scholastica, die Leiterin des Seminarhauses, freut´s. Die gebürtige Schottin lebt seit 35 Jahren im Kloster auf der Insel und sprüht nur so vor Ideen. Sie hat auch Nicky Sabnis sozusagen ins Boot geholt. Der Hindu kocht seit einigen Jahren für die Seminarteilnehmer und bietet eigene ayurvedische Kochkurse in der Abtei an. Für ihn ist die Insel, obwohl er selbst nicht schwimmen kann, ein faszinierender Ort.

"Im Ayurveda geht es in der Basis um die fünf Elemente - Raum, Luft, Feuer, Wasser, Erde, die hier in besonderer Weise zusammenkommen."

Nicky Sabnis

Mit den Heilkräften der Natur - „Die Inselapotheke“

Mit den Möglichkeiten der Geomantie weist Susanne Schury die Kraft der Insel nach. Die gelernte Arzthelferin und bayerische Kräuterfrau kennt die heilenden Kräuter auf der Insel und die besonderen Energieplätze. Das ist praktisch, denn ein Arzt kommt hier nur einmal im Monat zur Sprechstunde im Kloster vorbei. „Bei vielen kleinen Wehwehchen hilft auch mal ein Tee oder eine Tinktur“, Susanne Schury.

Mit der Kraft der Kreativität

Die Inseltöpferei Klampfleutner

Seit 1609 gibt es die Inseltöpferei Klampfleuthner. Die Produkte haben sich in den Jahrhunderten in Form und Design freilich verändert, nicht aber die Handarbeit. Heute sind es Georg und Andrea Klampfleuthner, die die Tradition der Inseltöpfer fortsetzen und eine Symbiose herstellen zwischen Althergebrachtem und neuen Ideen. Beide engagieren sich – wie die meisten Insulaner – auch im politischen und kirchlichen Leben. Denn die Fraueninsel hat ihren unverwechselbaren Charme, aber sie ist auch wie ein Dorf, „in dem man sich immer wieder neu zusammenraufen muss, gerade in schwierigen Zeiten.“ Georg Klampfleuthner.

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