Religion - STATIONEN


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Hoffnungsgeschichten Farben der Sehnsucht

Beate Baberske nennt sich selbst eine christliche Innenausstatterin. Mit ihren Installationen und Paramenten aus feinen Tüchern, Mustern und Kordeln schafft sie besondere Stimmungen in Kirchenräumen, die auch kirchenkritische Menschen berühren.

Von: Melitta Müller-Hansen

Stand: 06.06.2019

Beate Baberske schafft mit ihren farbigen Paramenten aus feinen Tüchern, Mustern und Kordeln ganz besondere Stimmungen in Kirchenräumen. | Bild: BR

"Ich möchte die Menschen auf einer Ebene ansprechen, die nicht über Worte passiert, sondern die über Emotionen, über Gefühle und über Farben und Formen passiert. Paramente sind Predigt für die Augen."

Beate Baberske

Das Metier von Beate Baberske ist die Textilkunst der Paramentik: Kordeln, feine Tücher, abstrakte Linien und Formen für Altäre und Kanzeln entstehen in ihrer Werkstatt. Ihr Markenzeichen ist das "Quadrat im Textil".

Was ist Paramentik?

Als Paramente bezeichnet man die Textilien, die im Kirchenraum und im Gottesdienst verwendet werden - etwa das Altartuch und der Kanzelschmuck oder Gewandstücke wie die Stola der Pfarrer. Die Paramentik ist die wissenschaftliche Disziplin, diese Paramente zu reflektieren und den Kirchenraum damit zu gestalten. Eine besondere Bedeutung kommt den liturgischen Farben zu, die an die Zeit im Kirchenjahr angepasst werden: Weiß etwa ist die Farbe für die Christusfeste Weihnachten und Ostern, die Farbe des Lichts. Rot ist die Farbe für Pfingsten - die Farbe der Liebe und des Geistes.

Der künstlerische Weg der gebürtigen Görlitzerin beginnt mit einer Ausbildung in Textiltechnik und Weberei. Die Wende bringt ihr die Möglichkeit, Textilkunst an der Akademie für Angewandte Künste in Schneeberg zu studieren. Hier kann sie endlich frei gestalten. Ihre damalige Professorin bringt sie schließlich zur Paramentik. Obwohl sie damals noch nicht einmal getauft ist, spürt sie, dass das der richtige Entfaltungsraum für sie ist.

Paramentenwerkstatt Neuendettelsau

Heute ist Baberske künstlerische Leiterin der Paramenetenwerkstatt in Neuendettelsau, wo sie mit Anfang 20 ihre Arbeit begann, Mitglied in der diakonischen Schwestern- und Bruderschaft wurde und sich taufen ließ. In dem ehemaligen Betsaal der Neuendettelsauer Diakonissen sind die Schubladen voll mit Farben, Garnen und Stoffen aller Art. Die Textilkünstlerin hat die Werkstatt zu einer Institution gemacht, die über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt ist. Wenn sie einen Kirchenraum gestaltet hat, kommen nicht nur Gemeindemitglieder. Die Menschen sind fasziniert von den Stimmungen und Gefühlen, die sie mit ihrer Kunst hervorruft.

"Mit meiner Gestaltung möchte ich, dass wir die Menschen in die Kirche holen und zeigen, dass wir lebendig sind. Dass wir mit dem Textil auch praktisch die Menschen erreichen, die sonst sagen: 'Kirche ist altbacken und altmodisch, das ist nix für mich'. Wenn dann jemand kommt, der überraschend etwas erlebt, wo er sagt: 'Wow, das ist ein Erlebnis. Das ist etwas, das mir noch nie passiert ist. Ich komme wieder' - dann ist das, was ich will, eigentlich erreicht."

Beate Baberske

Das Filmteam begleitet Beate Baberske dabei, wie ihre Farben und Formen für einen Kirchenraum entstehen. Und fragt: Was erzählen all diese Farben?


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