Religion - STATIONEN


81

Smarte Assistentin Alexa hört mit

Alexa ist eine digitale Assistentin, eingebettet in eine kleine, unauffällige Lautsprecherbox. Auf Zuruf spielt sie die Lieblingsmusik oder bestellt Pizza. Sie kann sogar Haushaltsgeräte steuern. Doch Datenschützer und IT-Experten sehen in dieser Entwicklung auch Gefahren.

Von: Diana Isabel Geier

Stand: 11.06.2018

"Alexa, wie wird das Wetter morgen?", "Alexa, ruf' Mama an", "Alexa, mach das Licht aus!" Alexa reagiert sofort, hat immer Zeit und ist nie beleidigt - nicht mal ein "bitte" braucht sie. Seit Oktober 2016 ist die digitale Sprachassistentin Alexa des Herstellers Amazon auf dem deutschen Markt. Konkurrenz gibt es aktuell von den Sprachassistenten Google Home und Siri von Apple. Diese technische Errungenschaften versprechen, das Leben seiner Kunden zu erleichtern und ihnen viele Alltagsaufgaben abzunehmen.

Smarter Lautsprecher

Die kleine Lautsprecherbox, über die Alexa ihre Befehle annimmt, verfügt über sieben Mikrofone und ist über WLAN oder Bluetooth mit dem Internet verbunden. Fallen die Schlüsselwörter "Alexa", "Echo", "Computer" oder "Amazon"oder drückt man auf den Mikrofon-Button, erwacht sie aus aus ihrem Bereitschaftsmodus. Dann zeichnet sie die gesprochenen Wörter auf und schickt sie über das Internet an die Server von Amazon, wo diese Daten verarbeitet und anschließend die Befehle ausgeführt werden. Ob Alexa in Bereitschaft ist oder gerade aufnimmt, zeigt ein Lichtring an.

Auch für Amazon ist Alexa ein Gewinn, denn sie sammelt fleißig Daten über ihre "Befehlsgeber" im trauten Heim. Mit jedem Kommando wird das Kundenprofil bei Amazon detaillierter: Interessen, Gewohnheiten, Krankheiten, Ängste, Sorgen, Wünsche, Sozialverhalten - ja sogar Charaktereigenschaften lassen sich so von jedem Familienmitglied erkennen und speichern. Auf diese Weise wird dem Marktriesen personalisierte Werbung möglich wie nie zuvor. Die Daten bekommt Amazon dabei völlig kostenlos - einfach mit der Zustimmung der Nutzungsdaten beim Kauf.

"Am Anfang war das eine riesige Spielerei. Ich erinnere mich, als wir sie gekauft haben, da haben wir sie in den ersten Wochen ausgereizt bis zum geht nicht mehr. Mittlerweile merken wir gar nicht mehr, dass sie da ist, weil wir sie so in unseren Alltag integriert haben."

Ronald K., hat mehrere Alexas Zuhause

Lauschangriff beim Abendessen

Wie sich herausstellt, hören die Sprachassistenten tatsächlich immer mit, selbst wenn sie nur im Bereitschaftsmodus sind. Glaubt man den Herstellern, so sind ihre Ohren jedoch auf Durchzug geschaltet. Sie zeichnen nur auf, wenn sie aktiviert wurden. Doch es kam es schon vor, dass die smarten Lautsprecher Gespräche aufnahmen, die privat bleiben sollten.

In den USA zeichnete Alexa das Gespräch eines Ehepaares auf und verschickte es per E-Mail an einen Arbeitskollegen des Mannes. Hätte dieser nicht darauf reagiert und die beiden informiert, wäre dieser Einschnitt in ihr Privatleben unentdeckt geblieben. Offensichtlich hatte Alexa mehrere Wörter wie "ok", "richtig" und "ja" aus dem Gespräch als Auftragswörter herausgefiltert. Auch der Reaktions-Check der Verbraucherzentrale zeigt: Die Sprachassisten reagieren nicht nur auf Signalwörter, sondern auch auf ähnlich klingende Begriffe.

Tipps von der Verbraucherzentrale:

  • Vorsicht bei den Signalwörtern "Alexa" und "Computer". Sie kommen auch häufig in Alltagsgesprächen vor.
  • In den Toneinstellungen einen Ton aktivieren, der Start und Ende einer Aufzeichnung signalisiert.
  • Mit der Mikrofontaste die Lautsprecher deaktivieren, wenn Sie den Assistenten längere Zeit nicht nutzen möchten.
  • Nehmen Sie von Ihrem Recht auf Auskunft Gebrauch: Die Hersteller müssen Ihnen Auskunft geben, welche Daten sie gespeichert haben.
  • Nutzen Sie die Möglichkeit, über Ihre Einstellungen die Daten zu löschen.
  • Schützen Sie die Persönlichkeitsrechte Dritter. Informieren Sie Ihren Besuch darüber, dass Sie einen digitalen Sprachassistenten nutzen und schalten Sie ihn gegebenenfalls aus.

Was ist an Alexa, Siri und Co gefährlich?

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass alle Sprachnachrichten auf den Servern der Hersteller gespeichert und ausgewertet werden. Ob die Daten wirklich unwiderbringlich gelöscht werden können, daran zweifeln einige. Datenschützer sind alamiert. Sie gehen davon aus, dass auch die Geheimdienste auf diese Daten zugreifen oder Daten von Drittanbietern abgefischt werden können. Außerdem ist es möglich, die Sprachassistenten zu hacken und sie so in Wanzen zu verwandeln.

Es kann auch sein, dass die künstlichen Intelligenzen das Sozialverhalten beeinflussen. Mütter erzählen bereits vom Befehlston ihrer Kinder, wenn sie etwas möchten, da sie bei Alexa und Siri weder höflich noch nett sein müssen, um etwas zu bekommen.


81