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Drogentote in Nürnberg Können Fixerstuben helfen?

Nürnberg hat ein Drogenproblem. In Bayern gibt es nur in München mehr Drogentote. Seit Jahren fordern Initiativen wie die Drogenhilfe Mudra sogenannte Fixerstuben. Die bayerische Staatsregierung lehnt das kategorisch ab. Der aktuelle Stand der Diskussion.

Von: Till Lorenzen

Stand: 04.07.2019

Ein Drogensüchtiger liegt vor der Wand, nachdem er sich einen Schuss Heroin gesetzt hat. | Bild: colourbox.com

Der Nürnberger Hauptbahnhof ist ein Knotenpunkt: 150.000 Reisende besuchen ihn täglich, fahren weiter oder steigen aus. Aber der Bahnhof ist auch ein Brennpunkt für Handel und Konsum von Drogen. Die Polizei ist hier regelmäßig gegen Drogenbanden im Einsatz. Insbesondere Heroin wird hier umgeschlagen. 1.500 bis 2.000 Opiat-Süchtige gebe es im Großraum Nürnberg, schätzt Benjamin Löhner von der Nürnberger Jugend- und Drogenhilfe Mudra. Der Kern bestehe aus etwa 250 Süchtigen.

Bayern liegt bei Drogentoten bundesweit vorne

Fixerstuben geben sauberes 'Besteck' aus

In keinem Bundesland sind in den vergangenen Jahren mehr Menschen durch Drogen gestorben als in Bayern. 2017 waren es landesweit 308, 19 davon in Nürnberg. In Bayern liegt Nürnberg damit hinter München auf dem zweiten Platz, bundesweit auf dem achten. Das geht aus dem Jahresbericht des Bundeskriminalamts 2018 und eigenen Studien von Mudra hervor.

2019 sind laut Norbert Kays, Suchtbeauftragter der Stadt Nürnberg, Stand heute 10 Menschen in Nürnberg durch Drogen gestorben. Mudra fordert als Maßnahme seit Jahren Drogenkonsumräumen, besser als Fixerstuben oder Druckräume bekannt, weil sich Süchtige dort ihren Schuss setzen.

Drogenkonsumräume könnten eine Lösung sein

Drogenkonsumräume sollen einen sicheren Ort für Süchtige bieten. Dort verteilen Helfer sauberes Fixer-Besteck wie Spritzen und Löffel, sie bieten aber auch Beratung und Aufklärung an. In Fixerstuben werden aber keine Drogen verkauft, ihren Stoff müssen sich die Süchtigen selbst mitbringen. Eine Hoffnung ist, Süchtigen durch engen Kontakt mit einem Helfer beim Ausstieg zu helfen. Befürworter argumentieren, dass Junkies dadurch von öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen oder Parks verschwinden würden. Außerdem könnten ihre Spritzen ordentlich entsorgt werden und würden nicht in öffentlichen Mülleimern oder Sandkästen auf Spielplätzen landen. Zudem wäre eine medizinische Versorgung garantiert.

Abstimmung

Was meint ihr? Können Fixerstuben helfen, die Zahl der Drogentoten zu verringern?

Diese Abstimmung ist keine repräsentative Umfrage. Das Ergebnis ist ein Stimmungsbild der Nutzerinnen und Nutzer von BR.de, die sich an der Abstimmung beteiligt haben.

Die Entscheidung liegt bei den Ländern

Die Rechtslage wirkt dabei paradox: Abgabe, Erwerb und Konsum von 'harten' Drogen sind verboten, innerhalb von Drogenkonsumräumen ist der Konsum hingegen gestattet. Seit dem 1. April 2000 sind solche Drogenkonsumräume prinzipiell durch den Bund erlaubt. Ob solche Räume eingerichtet werden sollen, hat die Bundesregierung allerdings den Ländern überlassen. Jedes Land darf demnach selbst entscheiden, ob es Fixerstuben einrichten möchte oder nicht. Derzeit haben sechs Bundesländer sich dafür entschieden, Hamburg war kurz nach der Gesetzesänderung das erste. In Bayern sind sie weiterhin illegal.

Drogensüchtige würden 'Fixerstuben' begrüßen

2015 kam von Nürnberger Hilfsorganisationen die erneute Anfrage an die bayerische Landesregierung, einen solchen Raum einrichten zu dürfen. Mudra-Mitarbeiter Benjamin Löhner erhofft sich von diesen Räumen das Leben von mehr Süchtigen retten zu können und auch das Ansteckungsrisiko mit HIV oder Hepatitis zu verringern. Die Drogenhilfe Mudra hat 2018 eine Umfrage unter Süchtigen in Nürnberg durchgeführt: 87,5 Prozent der Befragten würden solche Räume begrüßen, auch in München sprechen sich 88 Prozent dafür aus.

Durch dreckiges 'Besteck' können sich Fixer infizieren

Mudra-Chef Bertram Wehner argumentiert, dass Drogenkonsumräume in Ländern wie Nordrhein-Westfalen oder Berlin bereits ein erprobtes Mittel seien, um Drogentode zu verhindern. Zudem setzt Mudra auf Substitutionsbehandlung. Süchtige sollen anstatt Heroin einen Ersatzstoff spritzen, um ihnen so einen schleichenden Entzug zu ermöglichen.

CSU lehnt Fixerstuben kategorisch ab

Auch die bayerische Staatsregierung hält Substitutionsbehandlung für eine sinnvolle Maßnahme. Fixerstuben lehnt sie allerdings kategorisch ab. Für Innenminister Joachim Herrmann (CSU) entstünden dadurch "rechtsfreie Räume" oder "offene Drogenszenen". Fixerstuben würden Süchtigen nicht helfen, sondern sie vielmehr animieren und ihr Konsum würde legalisiert. Er will hingegen stärker gegen Drogenhändler und den Import aus dem Ausland vorgehen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), hält ebenfalls nichts von Fixerstuben. Sie sieht vielmehr Bund, Länder und Kommunen in der Pflicht, mehr Präventionsarbeit zu leisten: "Jeder einzelne Todesfall verpflichtet uns, Menschen noch besser vor den Gefahren von Drogen zu schützen und sie vor den oftmals tödlichen Folgen ihres Drogenkonsums zu retten.", so Mortler erst im April.


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