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Vertiefende Informationen Wichtige Fakten zu "Extremismus im Netz erkennen"

Wie tarnen sich Extremisten im Netz? Was tun, wenn man extremistische Inhalte entdeckt? Eine Erklärung in einem kompakten Überblick.

Stand: 19.11.2018

Collage: Ein Linksextremer, ein Islamist und ein Neonazi mit verschiedenen Symbolen | Bild: Montage: BR

Extremismus – eine Begriffserklärung

Extrem sein – das kann man äußerlich. Zum Beispiel mit Tätowierungen von oben bis unten. Oder quietschbunten Haaren. Eine auffällige und dennoch harmlose Angelegenheit. Auch im Sport gibt es extreme Menschen, die an ihre Leistungsgrenzen gehen, um Rekorde zu brechen. Weniger harmlos ist Extremismus in politischer oder religiöser Hinsicht. Politische Extremisten lehnen die freiheitliche Grundordnung eines Verfassungsstaates ab und versuchen ihn auch mit Gewalt abzuschaffen. Religiöse Extremisten dulden keine andere Religion neben der eigenen. Wenn sich die Ungläubigen nicht bekehren lassen, ist auch für die Extremisten auch deren Tod ein probates Mittel. Allen Extremisten ist die Gewaltbereitschaft und der radikale Hass gemein, der sich gegen Menschen mit anderer Einstellung, Religion oder Nationalität richtet. Für sie gibt es nur „schwarz oder weiß“, nur Freund oder Feind. Um die „Andersdenkenden“ zu verleumden, ist Extremisten jedes Mittel recht – von Verschwörungstheorien und Lügen bis zu Gewalt und Terror.

Extremismusformen

Rechtsextremismus

Rechtsextremisten bewerten Menschen nach ihrer Zugehörigkeit zu einer Nation, Religion oder „Rasse“. Die extreme Rechte will deshalb manche Menschengruppen aus Deutschland ausschließen, spricht ihnen sogar ihre Menschenrechte ab. Rechtsextreme vertreten eine fremdenfeindliche „Ideologie der Ungleichheit“: Nicht alle Menschen sind gleich viel wert, die eigene Nation und Religion ist führend und tonangebend. Dieser Rassismus wird radikal umgesetzt –mit bewusst gesetzten Falschmeldungen und Verschwörungstheorien, Diskriminierungen aber auch mit Gewalt und Anschlägen.

Eine freiheitliche Demokratie ist für Rechtsextreme keine politisch erstrebenswerte Staatsform: Sie wollen eine „homogene Volksgemeinschaft“ in einem autoritären Staatssystem – vielen gilt dabei das Dritte Reich als Vorbild. Politisch ist die Rechtsextreme verankert in einigen Parteien (dabei teilweise auch als extreme Flügel) und Gruppierungen. Eine Reihe von ihnen stehen unter Beobachtung durch den Verfassungsschutz, andere sind verboten, manche agieren im Untergrund. Seit 1949 wurden insgesamt 16 rechtsextreme Organisationen auf Bundesebene und 73 auf Landesebene verboten.

Nach der Statistik der Bundesregierung gehen auf das Konto der extremen Rechten derzeit 76 Tötungsdelikte mit 83 Todesopfern seit 1990. Die Dunkelziffer wird um ein Vielfaches höher eingeschätzt. Die Zahlen vor der Wiedervereinigung sind bislang nicht systematisch erfasst.

Linksextremismus

Linksextremisten wollen den Kapitalismus abschaffen und eine sozialistische Gesellschaftsordnung einführen und führen einen antifaschistischen Kampf. Auch die extreme Linke ist bereit, für die Umsetzung ihrer Ziele Gewalt einzusetzen. Dabei gingen sie vor allem in den 70er-Jahren bis zum Äußersten: Die linksextremistische deutsche Terrorgruppe „Rote Armee Fraktion“, kurz RAF, verübte unter anderem Sprengstoffanschläge mit vielen Verletzten, ermordete mutmaßlich 33 Politiker, Wirtschaftsbosse und deren Mitarbeiter, Polizisten, Soldaten. Die RAF ist für eine Reihe Entführungen und Geiselnahmen verantwortlich. Die RAF löste sich 1998 auf.

Insgesamt spielen linksextremistische Parteien und Organisationen heutzutage in Deutschland keine große Rolle mehr. Es sind vielmehr die sogenannten „Autonomen“, die noch deutlich in Erscheinung treten. Diese sind weder zentral organisiert, noch gemeinschaftlich orientiert –  dafür sind sie gewaltbereit: Auf Demonstrationen – häufig am Rande politischer Ereignisse, und Treffen wie etwa dem G20-Gipfel in Hamburg - treten meist vermummte Autonome geballt auf. Gerade die Polizei steht dann im Fokus ihrer Angriffe. Doch nicht nur die: Scheiben von Geschäften werden mit Steinen eingeschlagen, Autos gehen in Flammen auf – die „Auswüchse des Kapitalismus“ werden wüst zerstört. Der Verfassungsschutz überwacht auch die Linksradikale Szene und bietet ein Aussteigerprogramm an.

Islamismus

Beim Begriff „Islamismus„ denken viele ausschließlich an Terror, Anschläge und Gewalt. Dabei gibt es auch Islamisten, die keine Gewalt einsetzen bei der Verfolgung ihrer Ziele. Das Hauptziel ist der islamische Staat – ein Staat, in dem alle Leitlinien des Islam für jeden einzelnen Menschen und die ganze Gesellschaft verbindlich gelten. Das heißt: Hier sollen Religion und Staat nicht mehr getrennt werden. Es gibt keine individuellen Persönlichkeitsrechte mehr.

Die Vision vom islamischen Staat existiert schon seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Um sie umzusetzen, sind manchen Islamisten alle Mittel recht: Es gibt bei den Islamisten zur Gewalt tendierende bis hin zu terroristischen Strömungen. Manche begehen die Gewalttaten ausschließlich in ihren Heimatländern, andere verüben Anschläge weltweit – sie führen einen „heiligen Krieg“, den „Dschihad“. Seit zehn Jahren fordert islamistischer Terror laut Statistik jährlich zwischen 6.700 und 14.500 Opfer weltweit. Sicherlich sind dabei nicht alle Todesopfer erfasst.

Ein Problem: Nicht selten werden der Islam und der Islamismus über einen Kamm geschoren. Doch nicht jeder Muslim, jede Muslima ist Islamist bzw. Islamistin. Der Islam bezieht sich als Religion zwar auch auf die Lebensweise und somit auch auf die Politik - doch in den allermeisten muslimischen Gesellschaften wird diese Lebensweis nicht umgesetzt. Islamisten instrumentalisieren den Islam für die eigenen Interessen.

Extremismus online

Die neuen Medien – egal ob Internet, WhatsApp, Soziale Netzwerke – sind ideale Plattformen für Extremisten. Hier können sie anonym unterwegs sein, gefälschte Videos, Bilder und Nachrichten durch wenige Klicks verbreiten. Diese Plattformen sind eine Spielwiese für ihre Verschwörungstheorien und in den sozialen Netzwerken sprühen sie in den Kommentaren ihren Hass unter die Leute, um neue Anhänger zu finden. Gerade bei den Jugendlichen wollen sie online ankommen - und dazu haben sie verschiedene Methoden entwickelt.

Im Lifestyle-Modus

Offensichtlich unzulässige menschenverachtende und rassistische Beiträge werden in sozialen Netzwerken schnell gemeldet und verschwinden von den Plattformen. Doch Extremisten gehen längst unterschwelliger vor: Sie verpacken ihre Propaganda in Videoclips und steigen in die Welt Heranwachsender ein. Coole Jungs und gestylte Mädchen stehen für die Gruppierungen vor der Kamera, bedienen gekonnt all die Hebel, die für eine erfolgreiche Karriere beispielsweise auf Instagram nötig ist – und werden so zu extremistischen Influencern. Ohne, dass es die jugendlichen Fans überhaupt merken. Sie sehen zunächst nur den Lifestyle – die Botschaft kommt aber versteckt trotzdem an. Eine clevere Medienstrategie, mit der tatsächlich neue Anhänger und Unterstützer gefunden werden.  

Mit Musik-Clips

An die Jugend kommen die Extremisten auch über Musik: In aufwändigen Videos werden extreme Aussagen im coolen Style übermittelt. Dabei sind vor allem die Raps, die Texte und das ganze Erscheinungsbild des Clips manchmal kaum von gängigen Videos zu unterscheiden. Die extremistischen Gruppen generieren damit Klicks und erreichen so auf den Plattformen teilweise Hundertausende Menschen. Es gibt eine ganze Reihe Bands, die einen extremistischen Hintergrund haben.

Als Wohltäter

Manchmal tarnen sich Extremisten online auch als Wohltäter und treten vermeintlich für „die gute Sache“ ein: Sie initiieren Spendenaufrufe, werben für wohltätige Gemeinschaften. Das Deckmäntelchen des Guten fliegt jedoch meist auf, wenn man die Seite genauer betrachtet.

Die neuen Medien – egal ob Internet, WhatsApp, Soziale Netzwerke – sind ideale Plattformen für Extremisten. Hier können sie anonym unterwegs sein, gefälschte Videos, Bilder und Nachrichten durch wenige Klicks verbreiten. Diese Plattformen sind eine Spielwiese für ihre Verschwörungstheorien und in den sozialen Netzwerken sprühen sie in den Kommentaren ihren Hass unter die Leute, um neue Anhänger zu finden. Gerade bei den Jugendlichen wollen sie online ankommen - und dazu haben sie verschiedene Methoden entwickelt.

Im Lifestyle-Modus

Offensichtlich unzulässige menschenverachtende und rassistische Beiträge werden in sozialen Netzwerken schnell gemeldet und verschwinden von den Plattformen. Doch Extremisten gehen längst unterschwelliger vor: Sie verpacken ihre Propaganda in Videoclips und steigen in die Welt Heranwachsender ein. Coole Jungs und gestylte Mädchen stehen für die Gruppierungen vor der Kamera, bedienen gekonnt all die Hebel, die für eine erfolgreiche Karriere beispielsweise auf Instagram nötig ist – und werden so zu extremistischen Influencern. Ohne, dass es die jugendlichen Fans überhaupt merken. Sie sehen zunächst nur den Lifestyle – die Botschaft kommt aber versteckt trotzdem an. Eine clevere Medienstrategie, mit der tatsächlich neue Anhänger und Unterstützer gefunden werden.  

Mit Musik-Clips

An die Jugend kommen die Extremisten auch über Musik: In aufwändigen Videos werden extreme Aussagen im coolen Style übermittelt. Dabei sind vor allem die Raps, die Texte und das ganze Erscheinungsbild des Clips manchmal kaum von gängigen Videos zu unterscheiden. Die extremistischen Gruppen generieren damit Klicks und erreichen so auf den Plattformen teilweise Hundertausende Menschen. Es gibt eine ganze Reihe Bands, die einen extremistischen Hintergrund haben.

Als Wohltäter

Manchmal tarnen sich Extremisten online auch als Wohltäter und treten vermeintlich für „die gute Sache“ ein: Sie initiieren Spendenaufrufe, werben für wohltätige Gemeinschaften. Das Deckmäntelchen des Guten fliegt jedoch meist auf, wenn man die Seite genauer betrachtet.

Woran erkennt man extremistische Inhalte?

  • Seht euch die verwendeten Hashtags und Empfehlungsalgorithmen genau an. Hier verbergen sich die extremistischen Aussagen.
  • Klickt auf das Impressum der Seiten, gebt die Namen der Verfasser, die Namen der Bands und Interpreten in eine Suchmaschine ein. Meist gibt es dann Hinweise auf die extremistischen Tendenzen der Personen oder Institutionen.

Wichtige Tipps ...

  • Sprecht miteinander oder mit einem Erwachsenen.
  • Entfreundet bzw. entfolgt den Seiten oder Personen.
  • Keine Likes für solche Beiträge geben – sonst bekommt ihr durch die sogenannten Filterblasen immer mehr solcher Inhalte präsentiert.
  • Meldet die Seiten bzw. Personen bei den Plattformen

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