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Stundenablauf in leichter Sprache Vorschläge für Unterrichtseinheiten "Extremismus im Netz erkennen"

Wie passt das alles in 45 Minuten? Hier haben wir einige Vorschläge erarbeitet - in leichter Sprache ...

Stand: 13.04.2020

Ein Linksextremer, ein Salafist, ein Rechtsextremer mit Schriftzug LS | Bild: BR

Jahrgänge: 9 – 10
Fach: Deutsch

Medienkompetenzen:
Suchen und Filtern
- Arbeits- und Suchinteressen klären und festlegen
- relevante Quellen identifizieren und zusammenführen
- in verschiedenen digitalen Umgebungen suchen

Auswerten und Bewerten
- Informationen und Daten analysieren, interpretieren und kritisch bewerten
- Informationsquellen analysieren und kritisch bewerten

Medien analysieren und bewerten
- Gestaltungsmittel von digitalen Medienangeboten kennen und bewerten
- interessengeleitete Setzung, Verbreitung und Dominanz von Themen in digitalen Umgebungen erkennen und beurteilen
- Wirkungen von Medien in der digitalen Welt analysieren und konstruktiv damit umgehen

Medien in der digitalen Welt verstehen und reflektieren
- Chancen und Risiken des Mediengebrauchs in unterschiedlichen Lebensbereichen erkennen, eigenen Mediengebrauch reflektieren und gegebenfalls modifizieren
- die Bedeutung von digitalen Medien für die politische Meinungsbildung und Entscheidungsfindung kennen und nutzen
- Potenziale der Digitalisierung im Sinne sozialer Integration und sozialer Teilhabe erkennen, analysieren und reflektieren

Sachinformation

Politischer Extremismus zeichnet sich dadurch aus, dass die Grundwerte der freiheitlichen Demokratie abgewertet werden und zur Durchsetzung der eigenen politischen Ziele Gewalt akzeptiert wird.

In den sozialen Medien haben die Aktivitäten extremistischer Gruppen stark zugenommen. Rekrutierungsversuche zielen insbesondere auf Jugendliche ab. In einer Befragung der LMU München von Jugendlichen (14-19 Jahre) gaben 40 % an, dass sie mit extremistischen Inhalten in letzter Zeit in Kontakt gekommen sind. 13 % sogar häufig und 5 % sehr häufig. Problematisch dabei ist, dass die Schüler*innen Posts und Videos mit extremistischen Inhalten in den meisten Fällen nicht erkennen bzw. auch die Absender nicht als extremistische Akteure einstufen. Denn die Absender solcher Posts und Videos verstecken die extremistischen Botschaften geschickt:

  • hinter professionell produzierten Videos (Musik)
  • hinter modernen Darstellungsformen aus dem Bereich Lifestyle, Mode, Jugendkultur
  • hinter scheinbar harmlosen Themen wie z.B. Tier- und Umweltschutz und scheinbar prosozialen Aktionen wie Spenden für geflüchtete Kinder

Liken oder teilen Jugendliche entsprechende Posts oder Videos, werden ihnen ähnliche Inhalte angezeigt bzw. vorgeschlagen oder sie bekommen geschickt gemachte Propaganda-Materialien zugeschickt. Es kann eine sogenannte Filterblase entstehen, d.h. die Jugendlichen gelangen über Algorithmen zunehmend an mehr Informationen und Kontakte aus einer extremistischen Szene und können so rekrutiert werden. Hier braucht es dringend Medienkompetenz!

Lernziele

Die Schüler*innen sollen die aktuellen Strategien extremistischer Akteure in sozialen Netzwerken

  • erkennen lernen,
  • einordnen können
  • und wenn möglich gegen diese Strategien aktiv werden.
Ablauf im Überblick –Informationen für Lehrerinnen und Lehrer
ZeitInhaltSozialformMaterial
10 MinDie Klasse wird in Kleingruppen aufgeteilt.
Arbeitsauftrag: Jede Kleingruppe recherchiert online mit iPad, Smartphone oder am Computer


eine Definition des Begriffs „Extremismus“ bzw. „Extremist“Listen, auf denen extremistische Gruppen im Netz aufgelistet sind und vor denen ggfs. gewarnt wird(z. B. Liste extremistischer Gruppen)


Als Hilfestellung können Lehrkräfte die drei Begriffe verzeichnis rechtsextremistische organisationen in die Suchmaschine eingeben lassen Die Ergebnisse werden kurz im Klassengespräch gesammelt.

Die Ergebnisse werden kurz im Klassengespräch gesammelt.


Mögliche Vorbereitung: Vorab eine Organisation mit harmlos anmutendem Namen heraussuchen, z.B. „Medizin mit Herz e.V.“. Die Jugendlichen sollen Vermutungen anstellen, was diese Organisation kennzeichnet. Sie können dann aufklären und vorab recherchierte Hintergrunde erläutern, z. B.: "Dieser Verein ist eine überregionale extremistisch-salafistische Organisation. Sein Ziel ist es, über die vermeintlich humanitäre Hilfe, vor allem jüngere Menschen für eine extremistische Ideologie zu gewinnen".
Gruppen- oder Partnerarbeit, anschließend KlassengesprächTablets, Smartphones oder Computer
4 MinDas Video „Extremismus im Netz erkennen“ bis ca. Minute 03:04 ansehen (Definition von Extremismus). Das Video stoppen nach dem Satz der Moderatorin: "Im Netz gibt es jede Menge extremistische Inhalte. Und diese zu erkennen – das ist nicht immer einfach".KlassenverbandBeamer / Whiteboard
10 MinAuf dem Arbeitsblatt sind Posts aus den sozialen Medien von extremistischen Absendern abgebildet. Die Jugendlichen sollen überlegen, welche Botschaften hinter den abgebildeten Posts stecken, welche Strategien angewendet werden und welche Wirkung sie auf die Betrachter haben.


Im Klassengespräch werden die Ergebnisse zusammengetragen. Hier liefert im Anschluss der zweite Teil des Videos wichtige Informationen.


Die Lehrkraft sollte hier schon einen Diskussionspunkt aufgreifen und verdeutlichen:
Welche Hashtags werden benutzt? (Hier eignet sich v.a. das erste Posting auf dem Arbeitsblatt)
Gruppen- oder Partnerarbeit, anschließend KlassengesprächArbeitsblatt
9 MinWeiterschauen des Videos bis zum Ende. Die Lehrkraft stoppt nach jeder genannten Strategie das Video für eine Zusammenfassung.KlassenverbandBeamer / Whiteboard
10 MinIm Abschlussgespräch nach dem Video sollen die Schülerinnen und Schüler erklären und zusammenfassen, was sie sich gemerkt haben.

Zudem soll das Gelernte auf die Lebenswelt der Jugendlichen übertragen werden.

Mögliche Fragen:
"Sind Euch schon mal Posts begegnet, die Ihr, nachdem ihr jetzt die Strategien gelernt habt, als extremistisch einordnen würdet?"
Klassenverband
Tipp 1 für weiterführenden Unterricht: Filterblasen
 InhaltSozialformMaterial
 Im Abschlussgespräch nach dem Video sollen die Schülerinnen und Schüler erklären, was hinter dem Begriff „Filterblase“ steckt (im Video insb. ab Minute 9:45) und wie Extremisten diesen Automatismus für ihre Zwecke nutzen. Zur Verdeutlichung eignet sich hier auch das Beispiel (siehe Screenshot): „Sucht man bei YouTube zum Beispiel Katzenvideos, werden einem auf der Seite gleich Vorschläge für andere Videos mit Katzen angezeigt, oder man bekommt diese beim nächsten Mal, wenn man YouTube aufruft, auf der Startseite angezeigt.“KlassenverbandTablets, Smart-phones oder Computer
 
Tipp 2 für weiterführenden Unterricht: Melden üben
 InhaltSozialformMaterial
 Um das Gelernte auf die Lebenswelt der Jugendlichen zu übertragen, kann die Frage behandelt werden: „Was könnt ihr tun, wenn man extremistischen Inhalten in sozialen Medien begegnet?“ - „Wie genau meldet man Seiten?“
Hierzu können im Video die Tipps ab Minute 10:38 noch mal angeschaut werden. Eine Anleitung fürs Melden findet sich auf dem Arbeitsblatt.
KlassenverbandBeamer / Whiteboard
Arbeits-blatt
 

Benötigtes Material

  • Das Video „Extremismus im Netz erkennen“ zur Einspielung vorbereiten
  • Arbeitsblätter „Extremismus“ für die Gruppen- oder Partnerarbeit ausdrucken

Hilfreiche Definitionen und Hintergrundinformationen

Extremismus: Der politische Extremismus zeichnet sich dadurch aus, dass er den demokratischen Verfassungsstaat ablehnt und beseitigen oder einschränken will. Der Extremismus ist gekennzeichnet durch die Identitätstheorie der Freund-Feind-Stereotypen, durch ein hohes Maß an ideologischem Dogmatismus sowie oft durch die Akzeptanz von Verschwörungstheorien. Wer Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele ausübt, ist ein Extremist.

Filterblase: Viele Plattformen im Internet registrieren und speichern, was wir häufig anklicken, was uns interessiert, welche Meinung wir vertreten. Das ist der Startschuss für ein Online-Leben in der Filterblase. Facebook oder Suchmaschinen wie Google filtern Informationen individuell, also nach unseren Interessen und Freunden. Das heißt, was man zu sehen bekommt hängt davon ab, was wir geliked, kommentiert oder gesucht haben. Das Ganze führt dazu, dass jeder immer mehr vom immer Gleichen sieht, denn auch alles Widersprüchliche wird herausgefiltert. So entsteht eine riesige Meinungsblase, in der wir gefangen sind.

Studie zum verdeckten Extremismus im Netz (LMU München)

Die Unterrichtseinheit „Extremismus“ entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München, das das Forschungsprojekt „Verdeckter Extremismus, offener Hass? durchgeführt hat.

  • Reinemann, C., Nienierza, A., Fawzi, N., Riesmeyer, C., Neumann, K. (2018). Jugend - Medien - Extremismus. Wo Jugendliche mit Extremismus in Kontakt kommen und wie sie ihn erkennen. Wiesbaden, Springer VS


  • Hintergrundinformationen und eine Zusammenfassung der Ergebnisse finden sie in einem Interview mit Dr. Carsten Reinemann und Dr. Claudia Riesmeyer in der TelevIZIon, abrufbar unter:

Arbeitsblatt und Stundenablauf in leichter Sprache zum Download

Leichte Sprache - Arbeitsblatt "Extremismus im Netz erkennen" Format: PDF Größe: 1,33 MB

Leichte Sprache - So könnte die Stunde ablaufen ... "Extremismus im Netz erkennen" Format: PDF Größe: 166,55 KB


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