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Radio-ABC Radio selber machen

Wenn Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern selbst Radio machen möchten, geben wir Ihnen hier ein paar Tipps, wie das gut gelingen kann.

Stand: 02.11.2016

Selfmade - Radio-ABC | Bild: BR

Kurz sprechen und ab ins Radio? So einfach ist das nicht, dahinter steckt das Wissen und die Erfahrung von Radiojournalisten. Doch jedes Handwerk kann man lernen, für jedes Handwerk gibt es Regeln.

Aufnahme

Lassen Sie Ihre Schüler erst einmal das Aufnahmegerät kennen lernen. Welchen Knopf muss man drücken, damit die Aufnahme läuft? Woran erkenne ich, dass ich aufnehme? Wie kann man die Aufnahme anhören? Bei den meisten Aufnahmegeräten gibt es einen Regler zum "Auspegeln", das heißt, das Mikrophon kann je nach Stimmvolumen des Gesprächspartners passend eingestellt werden.

Über dem Mikrophon befindet sich i.d.R. eine abnehmbare Schaumstoff-Hülle, der Ploppschutz. Ohne ihn "ploppt" das "P", z. B. im Wort "Post". Am besten Ihre Schüler finden die Bedeutung des Ploppschutzes selbst heraus: Sie sprechen Worte mit Explosivlauten wie p oder t mit und ohne Ploppschutz ins Mikrophon und hören die Ergebnisse ab.

Mikrohaltung

Das Mikrophon sollte ungefähr eine Handbreit vom Mund des Sprechers entfernt sein. Wie klingt es, wenn das Mikro zu nah dran oder zu weit weg ist? Probieren Sie es aus!

Achtung: Das Mikrophon lieber nicht dem Gesprächspartner in die Hand geben. Er wackelt oft zu sehr damit herum und das gibt Störgeräusche! Manche Interviewpartner sind auch nicht mehr zu bremsen, sobald sie das Mikrophon selbst in Händen halten.

Für ein längeres Interview kann es sich lohnen, das Mikrophon in ein Stativ zu stecken. Hält man es zu lange hoch, sinkt der Arm unmerklich ab und die Situation wird für den Interviewer anstrengend.

Stehen oder Sitzen?

Das kommt ganz auf die Situation an. Bei einem längeren Interview empfiehlt es sich, sich zu setzen. Am besten an einen Tisch über Eck. Dabei jedoch darauf achten, dass die Interviewpartner nicht zu weit weg sitzen!

Bei Hörspielen oder Moderationen empfiehlt es sich oft zu stehen, der Sprecher bewegt sich so mehr und die Sprache klingt lebendiger.

Störgeräusche

... gilt es zu vermeiden. Führen Sie Ihre Schüler in unterschiedliche Räume und lassen Sie sie lauschen. Was könnte alles stören? Handys, Computer, Kaffeemaschine, Heizungsgeräusche etc.

Für Aufnahmen draußen gilt das gleiche: Je ruhiger, desto besser. Bei Umfragen und Reportagen sind Hintergrundgeräusche durchaus erwünscht, aber sie dürfen nicht zu dominant sein.

Achtung: Ein Störgeräusch ist auch das bestätigende "Hm Hm" des Reporters. Wichtige Regel: Wenn die Aufnahme läuft, darf immer nur einer sprechen!

Akustik, Auswahl des Raumes

Für ein Interview hat man oft keine große Wahl, in welchen Raum man geht. Für ein Hörspiel schon. Lassen Sie Ihre Schüler experimentieren, wie unterschiedlich Räume klingen. Wie klingt es in der Besenkammer, in der Tiefgarage, in der Aula? In der Ecke? Unter einer Decke? Wie klingt die Stimme, wenn man in einen Eimer spricht, in einem Schrank steckt oder einen Helm aufhat?

Um einen geräuscharmen Raum zu bekommen, kann ein kleines Zimmer mit Pappe ausgekleidet werden.

Augenkontakt

Ob beim Interview oder bei einer Umfrage - der Befragte muss sich ernst genommen und wohl fühlen. Daher: freundlich auftreten und Augenkontakt suchen. Lassen Sie Schüler sich gegenseitig interviewen und diskutieren Sie das Auftreten hinsichtlich dieser beiden Punkte.

Fürs Radio schreiben

Wer Radio hört, kann nicht vor- und zurückblättern oder einen Satz zweimal lesen, wenn er ihn beim ersten Mal nicht verstanden hat. Daher muss die Radio-Sprache einfach und verständlich sein. Das heißt konkret: Eher kurze Sätze als zu lange, keine redundante Sprache, nicht zu viele Fremdwörter, klare Aussagen. Ein Schreibauftrag könnte lauten: "Stell Dir vor, Du erzählst es deiner Oma!"

Fürs Radio sprechen

Wer vor dem Mikro spricht, muss erst mal locker werden. Es empfiehlt sich zum Aufwärmen ein paar Stimmübungen zu machen: Tief durchatmen, Hand auf den Bauch legen und mehrmals "p" sprechen, einen imaginären Kaugummi kauen, um die Mundmuskulatur zu lockern, langsam, dann immer schneller "a e i o u" sagen etc.

Sollte es, z. B. für ein Hörspiel, mehrere Rollen geben, empfiehlt es sich, die eigenen Textpartien mit Leuchtstift auf dem Manuskript zu markieren.

Beim Sprechen nicht zu sehr am Text kleben! Der Sprecher muss nicht unbedingt jeden Satz genauso sprechen, wie er da steht, er kann auch improvisieren. Wichtig ist, dass die Sätze nicht abgelesen klingen, sondern möglichst natürlich.

Technik: Schnitt

Was man im Radio hört, ist oft nur ein kleiner Teil der eigentlichen Aufnahme. Alles, was man nicht braucht, wird weggeschnitten. Lassen Sie Ihre Schüler erst einmal die komplette Aufnahme abtippen. Überlegen Sie dann gemeinsam, welche Stellen für den Beitrag wichtig sind. Diese können erst einmal mit der Schere ausgeschnitten und dann in der gewünschten Reihenfolge aufgeklebt werden.

Das gleiche passiert im Anschluss am Computer. Unnötiges Wortmaterial wird entfernt. Ebenso wie Störgeräusche (Räuspern, Ähs, Husten etc.).

Ein Schnitt sollte im Idealfall nicht zu hören sein. Es dürfen also keine Buchstaben am Ende eines Wortes abgeschnitten werden. Atmer werden i.d.R. nicht herausgeschnitten.

Über das Internet lässt sich das kostenlose Schnittprogramm audacity herunterladen.

Viel Erfolg!


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