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Die Kultursendereihe Lido Lust auf mehr

Der unvoreingenommene Blick auf Kunst und Literatur zeichnet die Kulturdokumentationen aus, die bei „Lido“ im Bayerischen Fernsehen laufen. Und dieses Format hat es in sich.

Von: Daniela Wartelsteiner

Stand: 27.02.2015

Maria Lassnig (1919-2014)  | Bild: BR/Independent Artfilms/Wolfgang Lanzenberger

"Wir stehen am Strand, die Sonne scheint, es riecht gut nach Salz und Fisch und Wasser, wir schauen hinaus aufs blaue, weite Meer und warten, was da so an Überraschungen vorbeischwimmt", sagt Armin Kratzert. Das ist die Idee von "Lido". Unter diesem Namen laufen seit fünf Jahren jeden Donnerstagabend hochwertige Dokumentationen über Literatur, Kunst und Kultur im Bayerischen Fernsehen. Armin Kratzert ist Leiter der Redaktion Literatur und Kunst, die für "Lido" verantwortlich ist. Gemeinsam mit drei weiteren Redakteuren und einem Dutzend freier Mitarbeiter bestimmt er die Themen und produziert Filme.

Themenauswahl und Umsetzung

Dabei gibt es kein strenges Konzept, was bei "Lido" läuft: „Unsere Redaktion heißt Literatur und Kunst. Das sind auch die Themenschwerpunkte, aber relativ weit gefasst. Zu Kunst gehören etwa Design, Mode, Architektur und zu Literatur möglicherweise auch HipHop. "Das muss schon offen bleiben", erklärt Kratzert. Bei über 40 Dokumentarfilmen im Jahr gibt es zwar welche, die von einem konkreten Anlass ausgehen – etwa von einer großen Ausstellung im Sendegebiet, um dann zum Beispiel einen Albrecht Dürer-Film zu machen. Das ist aber eher die Ausnahme.

Die Macher von Lido (v. l.): Rudolf von Bitter, Daniela Weiland, Armin Kratzert und Henning Weber

"Es ist eine Mischung aus Wunschthemen, ein Reagieren auf aktuelle Veränderungen und thematische Strömungen", fasst Henning Weber zusammen. Er ist der verantwortliche Redakteur für den Film über Maria Lassnig, der nun im Bayerischen Fernsehen gezeigt wird. Es war der langjährigen Zusammenarbeit von Armin Kratzert mit der Filmautorin Jacqueline Kaess-Farquet und auch etwas Glück geschuldet, dass diese Dokumentation entstanden ist. Das Problem war, dass Lassnig sehr ungern vor die Kamera ging. Die Filmautorin hat die Künstlerin vor über 20 Jahren bei einem anderen Dreh kennengelernt. Es entstand ein Vertrauensverhältnis zwischen ihnen, so dass es Kaess-Farquet zwei Jahrzehnte lang möglich war, Lassnig bei ihrer Arbeit in ihrem Atelier in den Bergen in Kärnten zu filmen, aber auch bei ihren Ausstellungen in New York oder Frankreich. "In diesem Fall war es die besondere Herausforderung, mit vorhandenem Filmmaterial und neuen Interviews mit Lassnigs Wegbegleitern, Kunsthistorikern und ihren Schülern eine in sich geschlossene Doku zu machen, die eine ganz große Künstlerin unserer Zeit würdigt", erklärt Weber.

Fachkompetenz und Gespür

Ein guter Dokumentarfilm kann nur im Team realisiert werden. Wenn die Vorbereitungen starten, gibt es Gespräche mit den Autoren, die den Film machen, über den Stand der Recherche, der Dreharbeiten, die Ergebnisse von Interviews. "Der Film wird relativ bald geschnitten, um zu sehen: Wie sieht das Material aus? Was hat es für eine Anmutung? Wie entwickelt sich die Geschichte? Ein ‚Lido‘-Film ist das Ergebnis von vielen Gesprächen über ein Jahr hinweg", sagt Kratzert. Neben den Redakteuren und Autoren, die die Themen erarbeiten, braucht es Kameraleute, die Erfahrung haben, und Cutter, die mit diesen Formaten und Inhalten umgehen können. "Ich kann die tollsten Ideen haben, aber ich brauche einen Kameramann mit dem nötigen Einfühlungsvermögen, der den Zugang zum Künstler findet", sagt Weber.

Diese Fachkompetenz zeichnet den Bayerischen Rundfunk aus, und die Teamarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen im Hause prägt letztendlich auch die Qualität der Sendung. Weber erklärt: "Ich denke, das spürt unser Publikum auch. Sie loben uns in Zuschriften immer wieder für die inhaltliche Kompetenz und diese thematische Verdichtung". Dieser hohe Stellenwert bei den Zuschauern beruht laut Redakteurin Daniela Weiland auch darauf, "dass wir nie salbungsvoll über Kunst und Kultur reden und nie behaupten, dass etwas ganz oben auf dem Sockel steht. Im Gegenteil: Wir schauen, was ist da heute interessant für uns". So kommen etwa in einem Albrecht-Dürer-Film nicht nur Kunsthistoriker und Museumsleute in Nürnberg zu Wort, sondern auch der Besitzer eines Tattoo-Ladens, der sagt, dass das Dürer-Motiv der betenden Hände weltweit zu den beliebtesten Tattoos zählt undwarum das so ist.

So lernen die Zuschauer Orte, Künstler, Objekte kennen, die sie vielleicht schon kannten, aber sie erleben diese ganz nah und durch überraschende Aspekte und Wendungen neu. Das "Lido"-Team versteht es, visuell und dramaturgisch einen spannenden Film zu machen – ob durch persönliche Vorlieben an Themen, den Zeitgeist, der auch Schwerpunkte bestimmt, oder wie "Lido"-Redakteur Rudolf von Bitter sagt: "Das kann auch Zufall sein." Je nachdem, was am Strand so an Überraschungen vorbeischwimmt.


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