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Volkstheater im BR Der Komödienstadel geht auf Tournee

Die beliebte Volkstheatersendung beginnt das neue Jahr mit einem neuen Konzept: Raus aus dem Studio, rauf auf die Bühne!

Von: Olga-Louise Dommel

Stand: 15.01.2016

Oma Franziska (Hilde Ackermann) | Bild: BR/Julia Müller

Die falschen Enkel (Ferdinand Schmidt-Modrow und Veronika Hörmann)

Witzig, volkstümlich, bayerisch und beliebt in der ganzen Republik – das ist der Komödienstadel. Und zwar seit bald 57 Jahren. Bisher wurden die Volkstheaterstücke, die alle extra für den Stadel geschrieben werden, im Studio in München- Unterföhring aufgezeichnet. Jetzt heißt es: Raus aus dem Studio, rauf auf die Bühne. Denn in Zukunft werden die Produktionen auf Tournee durch Bayerns Regionen gehen. Theaterhäuser, Schauspieler und Musiker aus ganz Bayern sollen in die Inszenierungen mit einbezogen werden. Es geht weg von der reinen Fernsehaufzeichnung hin zu mehr Theaterfeeling. Den Anfang macht die Komödie "Ein Garten voll Schlawiner" von Tobias Siebert: Auf dem maroden Hof der Bäuerin Franziska Birnbauer (Heide Ackermann) tauchen überraschend die Zwillinge Mella (Veronika Hörmann) und Niko (Ferdinand Schmidt-Modrow) auf und behaupten, sie wären Franziskas Enkel. "Oma" Birnbauer ist hin und weg ob ihres neuen Enkelglücks und merkt gar nicht, dass sie zwei Trickbetrügern aufgesessen ist. Zum Glück wird ihre esoterische Nachbarin Luana (wunderbar: Corinna Binzer), eine Aura-Chirurgin mit ausgeprägten Gespür für gestörtes Karma, misstrauisch. Und tatsächlich kommen die beiden den falschen Enkeln schnell auf die Schliche. Sie drehen den Spieß einfach um und den Zwillingen den maroden Hof an – aus dem Enkeltrick wird ein "Omatrick".

So fängt’s an: Das Pappmodell für das Bühnenbild zum Komödienstadel "Ein Garten voll Schlawiner"

„Ein Garten voll Schlawiner“ wurde vom 5. bis 7. November 2015 im Festspielhaus Füssen vor Publikum uraufgeführt und aufgezeichnet. Am 24. Januar hat das Stück Premiere im Bayerischen Fernsehen. Wie viel Arbeit in den Komödienstadel- Produktionen steckt, wird erst deutlich, wenn man mit den Beteiligten spricht. Vom ersten Konzept bis zum finalen Script (15 Fassungen sind nicht ungewöhnlich), von der ersten Leseprobe bis zur Generalprobe, vom Pappmodell bis zum fertigen Bühnenbild ist es ein monatelanger Weg. Zwischen der ersten Idee und der Fernsehausstrahlung können locker anderthalb Jahre liegen.

Zu Besuch bei den Proben

Kritikrunde bei den Proben in München

Bei der ersten Leseprobe am 19. September sitzen alle Schauspieler, Regisseur Peter Bernhardt und BR-Redakteur Thomas Stammberger an einem langen Tisch und besprechen die Interpretation des Stückes und der Rollen. Kostüm- und Bühnenbildnerin Barbara Fumian stellt das Bühnenkonzept vor. Die Stimmung ist locker und familiär und trotzdem konzentriert. Knapp sechs Wochen und 30 Proben später finden die letzten Stückdurchläufe vor dem Umzug nach Füssen statt. In einer großen Halle auf dem Bavariafilmgelände ist die Probebühne eingerichtet: Garten, Haus, Küche und Stube von Oma Franziska sind aufgebaut und bis ins letzte Detail liebevoll ausgestattet. Man möchte am liebsten gleich einziehen, so einladend und urig sieht alles aus. Die Probe beginnt und man ist sofort gebannt. Bis auf kleine Verhaspler läuft es schon richtig rund. Regisseur Peter Bernhardt improvisiert lautstark Gewitterdonner und Kuh-Muhen. Die richtigen Geräusche kommen später dann vom Band. Nach dem Stückdurchlauf gibt es eine Kritikrunde, in der letzte Verbesserungen besprochen werden. Dann heißt es "Tschüss, bis Füssen!".

Veronika Hörmann spielt die Mella bei den "Schlawinern" und ist zum ersten Mal bei einer Komödienstadelproduktion dabei. "Mir gefällt’s sehr gut. Ich hab schon als kleines Kind mit meinem Opa immer ‚Komödienstadel‘ geguckt," erzählt sie. Heide Ackermann ist schon ein alter Hase: "Das ist wie in einer Familie, es spielen ja oft dieselben Kollegen mit und das ist immer schön für einen Schauspieler, wenn man so eine Heimat hat." Dass in Zukunft die Stücke nach der Aufzeichnung auf Tournee gehen, ist für sie: "Ein Abenteuer! Wir wollten die Stücke ja immer gern länger spielen." Bisher war nach der Aufzeichnung Schluss, Amateurtheater haben die Stücke dann aufgeführt, die BR-Produktionen liefen "nur" im Fernsehen. Auf Tournee durch Bayern gehen die "Schlawiner" vom 25. Oktober bis 20. November. Vorher gibt es noch die Möglichkeit, die Uraufführung der nächsten Produktion mitzuerleben: Am 25. und 27. Februar wird – noch einmal im Festspielhaus Füssen – "Göttinnen weißblau" aufgezeichnet. Neben Johanna Bittenbinder sind auch wieder Hilde Ackermann und Corinna Binzer mit von der Partie. Sie spielen die Schwestern Weinfurtner, drei leidenschaftliche Gasthofbetreiberinnen, deren vernachlässigte Ehemänner eine raffinierte Rache am Silvesterabend planen...


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