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UN-Resolution 2015 Im Kampf gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel

Erstmals haben 2015 alle 193 Staaten der UN-Vollversammlung eine Resolution unterzeichnet, um gemeinsam gegen Wilderei und illegalen Tierhandel vorzugehen. Dahinter steckt nicht nur die Sorge um das Aussterben der Arten.

Stand: 09.11.2016

Wilderei in Südafrika. Nashorn mit abgeschnittenem Horn | Bild: picture-alliance/dpa

Nach Drogenhandel, Menschenhandel und Produktpiraterie steht der illegale Handel mit bedrohten Pflanzen- und Tierarten an vierter Stelle der organisierten Kriminalität. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) geht von einem jährlichen Umsatz von mindestens zehn Milliarden US-Dollar aus – Tendenz steigend, besorgniserregend steigend.

Bestand von Elefanten und Nashörner massiv gefährdet

Sein Horn ist derzeit mehr Wert als Gold: ein in Südafrika getötetes Nashorn.

Besonders betroffen von der Renaissance der Wilderei und dem organisierten Schmuggel von Wildtierprodukten ist Afrika. Allein 2014 fielen über 20.000 Elefanten den Wilderern auf der Jagd nach kostbarem Elfenbein zum Opfer. In Südafrika wurden allein 2014 über 1.200 Nashörner geschossen. Ihr Horn erzielte auf den asiatischen Schwarzmärkten höhere Preise als Gold, heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums.

Elfenbein im Schwarzhandel stammt von frisch getöteten Tieren

Befürworter des Elfenbeinhandels argumentieren, dass das gegenwärtig im Handel befindliche Elfenbein aus alten Beständen stamme. Doch das ist nach einer neuen Studie von Wissenschaftlern der Columbia University in New York falsch: Sie haben rund 230 Elefantenstoßzähne untersucht, die zwischen 2002 und 2014 beschlagnahmt worden waren. Mehr als 90 Prozent davon stammten von Elefanten, die in den drei Jahren vor ihrer Beschlagnahmung getötet worden waren, so die Studie. Das beweist, dass Elfenbein sehr schnell in den Handelskreislauf kommt, nachdem Elefanten getötet wurden. Deshalb fordern die Autoren ein Komplettverbot des Elfenbeinhandels. Die Studie wurde am 7. November 2016 in "Proceedings of the National Academy of Science" veröffentlicht.

"Die UN-Resolution markiert eine neue Phase im Kampf gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel. Diese Art der Kriminalität ist keinesfalls ein Kavaliersdelikt, vielmehr bedroht sie das Überleben unzähliger Arten sowie die nachhaltige Entwicklungschancen ganzer Regionen."

Volker Homes, Leiter Artenschutz WWF-Deutschland

Die Resolution, am 30. Juli 2015 von 193 Staaten unterzeichnet, wurde von Deutschland und Gabun in die Vollversammlung eingebracht. Zwar ist ihr Text nicht bindend, dennoch wird sie als wichtiges gemeinsames Signal angesehen, denn erstmals erkennen die Staaten damit die Schwere und das Ausmaß dieser Art von Kriminalität an. Und sie betonen die Notwendigkeit, gemeinsam dagegen vorzugehen.

Bisher war das Risiko vor Strafe im Verhältnis zur Gewinnspanne für die Wilderer und Wildtierhändler relativ gering. Dadurch wurde es in den letzten Jahren immer attraktiver für kriminelle Netzwerke. Die wiederum die Wildereimethoden immer mehr professionalisierten. Für Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist die Bekämpfung der Wilderei und des Wildtierschmuggels deshalb nicht nur eine Frage des Artenschutzes, sondern eben auch der Außen- und Sicherheitspolitik.

"Mit den Erlösen aus Wilderei werden weitere kriminelle und vielfach sogar terroristische Aktivitäten finanziert. Das gefährdet die Entwicklung vieler Staaten Afrikas und birgt die Gefahr der Destabilisierung. Diese Resolution, die Deutschland gemeinsam mit Gabun initiiert hat, ist ein Signal dafür, dass wir uns dieser Entwicklung entgegenstellen."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier

Käufer von illegalen Arten in der Pflicht

Doch das Problem kann nicht allein von Afrika gelöst werden – die Transit- und Zielländer sind mindestens ebenso in der Pflicht. Hauptabnehmer der Produkte sind Asien und Nordamerika, aber auch Deutschland spielt bei der Einfuhr geschützter Arten durchaus eine Rolle.

"Diese Resolution ruft die Weltgemeinschaft zu geschlossenem Handeln auf und ist in dieser Hinsicht ein Meilenstein. Ich hoffe insbesondere, dass die Resolution ein Umdenken bei Konsumenten fördert und zum Rückgang der Nachfrage beiträgt."

Barbara Hendricks

Die Ziele der Resolution sind es, die Strafverfolgung und die internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Korruption und Geldwäsche zu verbessern. Aber auch regional soll das Zusammenspiel der Behörden gegen den illegalen Artenhandel gestärkt werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass auch die Nachfrage an den illegalen Tieren und Tierprodukten sinkt.

In diesem Zusammenhang haben die Vereinten Nationen die weltweite Kampagne "Wild for Life" ins Leben gerufen. Sie fordert dazu auf, sich für ein Ende des illegalen Handels mit Wildtieren zu verpflichten: vom Einzelnen, der garantiert, dass er keine verbotenen Produkte kauft, bis zu Regierungen, die durch die Umsetzung wirksamer Maßnahmen zum Schutz der Arten und des Ökosystems eine Wende einschlagen können, so UN-Generalsekretär Ban Ki-moon beim Welt-Umwelttag am 5. Juni 2016.


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