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Tasmanischer Teufel Erfolgreiche Auswilderung in Australien

Tasmanische Teufel gab es lange nur noch auf der Insel Tasmanien. Im Oktober 2020 haben Forscher 26 Tiere nahe Sydney ausgewildert. Ein gutes halbes Jahr später gibt es jetzt auf dem australischen Festland Nachwuchs, zum ersten Mal seit 3.000 Jahren!

Stand: 01.06.2021

Er ist das größte fleischfressende Beuteltier der Welt, wiegt durchschnittlich acht Kilogramm, hat schwarze Knopfaugen, ein dunkles Fell und ziemlich scharfe Zähne, mit denen er sogar Knochen durchtrennen kann. Der Tasmanische Teufel - auch Beutelteufel genannt - kann ziemlich laut knurren und kreischen und verströmt einen üblen Geruch, wenn er erregt ist. Jetzt, nach 3.000 Jahren Abwesenheit, bahnt er sich seinen Weg zurück aufs australische Festland. Denn bis vor Kurzem gab es das Beuteltier mit den roten Ohren nur noch auf der Insel Tasmanien.

Tasmanischer Teufel vor 3.000 Jahren auf Festland ausgestorben

Warum der Tasmanische Teufel auf dem australischen Festland ausgestorben ist, weiß man nicht so genau. Als mögliche Gründe kommen Trockenheit, Jagd durch den Menschen und die Konkurrenz zum Dingo in Frage. Im Herbst 2020 schlossen sich jedenfalls verschiedene Tierschutzorganisationen für ein großes und einmalige Auswilderungsprojekt zusammen. Ihr Ziel: Den “Tassie Devil” wieder so auszuwildern, dass eine gesunde und eigenständige Population auf dem Festland entstehen kann.

Dazu wurden 26 Tiere - mit prominenter Unterstützung wie beispielsweise vom australischen Schauspieler Chris Hemsworth - im Wildschutzgebiet Barrington Tops etwa 190 Kilometer nördlich von Sydney in einem 400 Hektar großen Gebiet freigelassen.

Ausgewilderte Tasmanische Teufel haben Nachwuchs bekommen

Ein gutes halbes Jahr später (Mai 2021) kommt die gute Nachricht: Die ausgewilderten Raubtiere haben Nachwuchs bekommen! "Bisher haben wir nur zwei Weibchen kontrolliert, zusammen haben sie sieben Babys", sagte ein Sprecher der Organisation Aussie Ark der Deutschen Presse-Agentur. Auch die "Joeys", wie die Jungtiere in Australien heißen, seien alle gesund, so der Sprecher.

Tasmanische Teufel sorgen für Gleichgewicht im Ökosystem

Bei der Auswilderung geht es aber nicht nur um den Tasmanischen Teufel an sich, sondern auch darum, die einheimische Umwelt zu schützen und das Gleichgewicht des Ökosystems wieder herzustellen.

"Die Beutelteufel stellen eine der wenigen natürlichen Lösungen für die Kontrolle von Füchsen und Wildkatzen dar."

Tierschützer Tim Faulkner, Vorsitzender Aussie Ark

Ähnlich wie Füchse und Wildkatzen ernähren sich Beuteltiere von einheimischen Tieren oder auch von Aas. Als Futterkonkurrenten könnten sie dabei helfen, die rasch wachsenden Fuchs- und Wildkatzenpopulationen einzudämmen, die ihrerseits gefährdete Arten von Säugetieren bedrohen, sagt Tierschützer Faulkner.

Ein weiterer ökologischer Vorteil: Durch den Verzehr von Aas wird die Umwelt “aufgeräumt” und Krankheiten können sich schlechter ausbreiten. Ein Problem könnte aber entstehen, wenn Füchse und Wildkatzen zur Jagd auf den Tasmanischen Teufel übergehen, wenn der ihnen das Aas wegfrisst.

Tasmanischer Teufel von Krebserkrankung bedroht

Für die Auswilderung wurde eine eigene Population gezüchtet. Denn 1996 wurde erstmals eine übertragbare Krebserkrankung bei den Tieren festgestellt, die Devil Facial Tumor Disease (DFTD). Sie befällt zuerst das Gesicht, dann den ganzen Körper und führt schließlich zum Tod der Tiere. Schätzungsweise starben dadurch etwa 85 Prozent aller freilebenden Teufel in zehn Jahren. Vor der Krankheit gab es wohl noch 150.000 Tiere in freier Wildbahn, jetzt sind es um die 25.000. Daraufhin hat die australische Regierung ein Rettungsprogramm ins Leben gerufen, um zwei krebsfreie Populationen an zwei unterschiedlichen Standorten auf Tasmanien zu züchten.

Fortpflanzung der Tasmanischen Teufel

Tasmanische Teufel sind mit zwei Jahren geschlechtsreif und haben eine Tragzeit von nur 21 Tagen. Nach ihrer Geburt kriechen die blinden und völlig nackten Jungtiere in den Beutel des Muttertiers. Dort heften sie sich an die Milchdrüsen und wachsen langsam heran, bis sie nach etwa 100 Tagen den Beutel verlassen. Da die Muttertiere nur vier Zitzen haben, können auch nur maximal vier Babys überleben. Üblicherweise ist der Wurf jedoch größer. Jungtiere, die zu schwach sind oder sich nicht behaupten können, sterben oder werden von der Mutter gefressen. Diejenigen, die überleben, bleiben, nachdem sie den Beutel verlassen haben, noch eine Weile bei der Mutter. Von ihr lernen sie Jagen und die Umgebung zu erkunden. Dabei reiten sie häufig auf dem Rücken der Mutter.

Tasmanischer Teufel: Mehr Tiere in den nächsten Jahren

Die Tierschützer der Organisation Aussie Ark werden die Entwicklung der Jungtiere weiterhin genau verfolgen: Die Tiere werden mit Kamera-Fallen, regelmäßigen Untersuchungen und Funkhalsbändern mit Sendern überwacht. Dadurch wollen die Forscher mehr über das natürliche Verhalten der Teufel lernen, um so für weitere Auswilderungen gerüstet zu sein.

"Wir hatten immer Vertrauen in unser Programm, aber zu sehen, dass es schon so kurz nach der Freilassung der erwachsenen Teufel so erfolgreich ist, ist toll."

Tierschützer der Organisation Aussie Ark, Mai 2021

Geringe Anzahl kann für gesunde Population reichen

Dass eine geringe Anzahl an Tieren bereits ausreicht, damit sich gesunde Bestände bilden können, hat beispielsweise das Przewalski-Pferd gezeigt - auch, wenn es als reiner Pflanzenfresser biologisch ganz anders einzuschätzen ist. Nur eine Handvoll Tiere und hauptsächlich Hengste aus Zoos haben gereicht, um den Genpool des Mongolischen Wildpferdes so zu erweitern, dass es nunmehr um die 2.000 Exemplare gibt, wie Christian Schreiner vom Zoo Duisburg dem Bayerischen Rundfunk im Oktober 2020 berichtete. Der Zoo in Duisburg ist der einzige in Deutschland, der Tasmanische Teufel hält - eben aus dem Grund, falls ein größerer Genpool benötigt wird.

Bottleneck-Effekt in der Wildnis

Dass große vorhandene Populationen plötzlich dezimiert werden und viele Tiere verenden, passiert in der freien Natur immer wieder. Das kann durch Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen hervorgerufen werden. Man nennt das den “Bottleneck-Effekt”, also genetischen Flaschenhals. Im Nachgang kann daraus aber wieder eine entsprechende Population heranwachsen.

Tasmanischer Teufel früher als "Viehdieb" verschrien

Der Tasmanische Teufel steht seit 1941 unter besonderem Schutz. Davor wurde er stark bejagt, da er als Viehdieb bekannt war und Prämien auf seine Felle ausgesetzt wurden. Dass er überhaupt auf Tasmanien überleben konnte, liegt wohl daran, dass Dingos es nie auf die Insel geschafft haben.

Sendungen:

  • "Rückkehr der Tasmanischen Teufel" in IQ, am 07.06.2021 um 18:05, Bayern2
  • Tasmanien - Sympathie für den Teufel. Länder-Menschen-Abenteuer - Reise-Doku, am 26.5.2021 um 10:35 Uhr, BR Fernsehen

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