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Störche in Bayern Der Weißstorch ist zurück

Majestätisch ziehen Störche über den Himmel, lässig stehen sie auf der Wiese. Sie überwintern in Afrika oder Spanien, doch auch in Bayern fühlen sie sich wieder wohl. So sehr, dass das Artenhilfsprogramm eingestellt wird.

Stand: 25.07.2017

Das Artenhilfsprogramm zur Rettung des Weißstorchs in Bayern wird eingestellt. Das gab der Landesbund für Vogelschutz (LBV) am 24. Juli 2017 bekannt. Das ist jedoch keine Schreckens-, sondern eine Erfolgsmeldung: In Bayern ist der Weißstorch wieder heimisch! Künftig kann er sich hier auch ohne besondere Hilfsmaßnahmen wieder fortpflanzen. Die Schutzmaßnahmen wurden 1984 vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), dem Bayerischen Umweltministerium und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt initiiert. Während in den 1980er-Jahren nur noch knapp 60 Brutpaare in Bayern gezählt wurden, waren es 2017 rund 480. Damit gilt der Bestand in Bayern als gesichert.

In den 1970er-Jahren befürchtete man, der Weißstorch könnte aussterben. "Dieser schwarzen Zukunft für den weißen Storch wollten wir und unsere Partner Schutzmaßnahmen entgegensetzen", erklärt Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV. Zusammen mit rund 350 ehrenamtlichen Storchenbetreuern wurden Tümpel und feuchte Grünlandbereiche geschaffen, Nisthilfen renoviert und neu gebaut. Mit der Unterstützung von Hauseigentümern, Bürgermeistern und Feuerwehren wurden Horstplattformen auf Gebäuden aufgestellt. Landwirte und Gemeinden wurden beraten, wie Talwiesen bewirtschaftet und Siedlungen und Straßen storchfreundlich angelegt werden können. Ein Großteil der Strommasten in Bayern ist mittlerweile so gesichert, dass Störche von ihnen keinen Stromschlag mehr abbekommen.

"Den Weißstorchbestand wird der LBV aber über ein Monitoring weiter im Auge behalten, da sich Faktoren, wie zum Beispiel der Zustand der Winterquartiere der Zugvögel, durch mögliche neue EU-Regelungen und Anreize jederzeit ändern können."

Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender

200 Hektar pro Storchenpaar

Weißstörche sind anmutige Großvögel und gelten als Frühlingsboten und Glücksbringer. Weil der Weißstorch hohe Ansprüche an seinen Lebensraum und seine Nahrung stellt, hat er es aber nicht einfach. Für sein Nest sucht er sich bevorzugt Haus- und Stalldächer aus. Ein Storchenpaar braucht rund 200 Hektar feuchtes, nicht landwirtschaftlich genutztes Grünland in der Nähe seines Horstes, um ausreichend Nahrung zu bekommen. Allein ein Jungstorch vertilgt pro Tag etwa ein Pfund Lebendfutter. Der Weißstorch liebt offene Landschaften, feuchtes Grünland und Flussauen, die regelmäßig überschwemmt werden. Hier findet er Frösche und Fische. In Wiesen und Weiden pickt er vor allem nach Insekten, Eidechsen, Schlangen und Regenwürmern. In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren machten dem Storch Flurbereinigung und Flächentrockenlegung fast den Garaus. Mittlerweile freut sich der LBV über viele Neuansiedlungen, die die bayerischen Populationen weiter wachsen lassen.

Wissenswertes über den Weißstorch

Steckbrief

Achtzig bis hundert Zentimeter wird der Weißstorch (Ciconia ciconia) groß und bis zu 4,5 Kilogramm schwer. Sein Gefieder ist weiß, die Schwungfedern und Teile der Oberflügeldecken sind schwarz gefärbt. Mit seinen Flügeln erreicht er eine Spannweite von 2,20 Metern. Leuchtend rot sind seine Beine und sein Schnabel. Mit dem wird zur Begrüßung, aber auch zum Vertreiben von Feinden geklappert. Der Weißstorch liebt feuchte Wiesen, gebrütet wird auf Dächern, Bäumen, Masten und Felsen. Das aus Zweigen gebaute Nest kann einen Durchmesser von bis zu zwei Metern erreichen und zwei Tonnen schwer werden. Auf dem Speiseplan stehen hauptsächlich Kleinsäuger, Eidechsen, Schlangen, Fische, Regenwürmer und Insekten. Der Weißstorch gehört zu den Schreitvögeln, seine Nahrung nimmt er im Gehen auf. Durchschnittlich wird er rund zehn Jahre alt.

Fortpflanzung

Anfang April bis Anfang August ist Brutzeit: Rund 30 Tage lang werden bis zu sieben Eier von beiden Partnern gehegt und gepflegt. Schon mit sieben Wochen sind die "Kleinen" so groß wie die Eltern. Mit drei Monaten gehen sie bereits getrennte Wege. Meist überleben allerdings nicht mehr als zwei Jungstörche. Zu feuchtes, kaltes Wetter, zu wenig Nahrung und gefährliche Ausflugsziele werden ihnen zum Verhängnis: Gut zehn Prozent sterben noch im ersten Lebensjahr, weil sie mit einer Stromleitung oder einem Strommasten kollidieren.

Überwinterung

Um im Winter weiter Nahrung zu finden, weichen die Störche normalerweise nach Afrika oder Spanien aus. Ihre Sommerresidenzen bei uns beziehen sie erst wieder, wenn die ersten Obstbäume blühen. Mehrere tausend Kilometer legen sie für die Hin- und Rückreise zurück. Wie Segelflugzeuge nutzen sie die warmen Aufwinde, mit deren Hilfe sie energiesparend segeln und nicht kräfteraubend rudern müssen. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) stattet Störche seit einigen Jahren mit einem Solarsender auf dem Rücken aus, der sie in ihrem Winterurlaub beobachten soll und ihre An- und Abreise sicherer machen soll.

Bedrohung

Die intensivierte Landwirtschaft setzt ihm zu. Selbst auf vermeintlich grünen Landstrichen findet er keine Nahrungstiere mehr. Zusätzlich Lebensraum verloren hat er durch Flussbegradigungen, Flurbereinigungen, den Bau von Straßen, Siedlungen und Gewerbegebieten. Mehr als zwei Drittel aller bayerischen Storch-Todesfälle werden allerdings durch Stromstöße beim Fliegen bei Zusammenstößen mit Stromleitungen und -masten verursacht. Oft kollidieren Störche auch mit Autos, Zügen oder Flugzeugen, oder werden unbeabsichtigt durch vergiftete Mäuse getötet. Bedroht ist der Weißstorch auch in seinem Winterquartier: Dort wird er oft gejagt oder nimmt bei uns längst verbotene Pflanzenschutzmittel wie DDT auf. Weil es in seinen Zufluchtsorten zunehmend trockener wird und der Storch dann weniger Nahrung findet, kann er nicht rechtzeitig oder ordentlich erholt zurückfliegen, der Bruterfolg bleibt dann oft aus. Die Rote Liste der Brutvögel Deutschlands stuft den Weißstorch als gefährdet ein.

Verbreitung

Der Weißstorch ist in Europa, Nordafrika und Asien heimisch. In Deutschland fühlt er sich in den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt am wohlsten. In Bayern konzentriert sich der Bestand auf die größeren Flussläufe, Feucht- und Weihergebiete.

Anfang des vergangenen Jahrhunderts gab es in Bayern mehr als 250 Storchenpaare. Als zunehmend mehr Landstriche intensiv landwirtschaftlich genutzt und bebaut wurden, ging der Bestand zurück. Der Tiefpunkt war 1988 mit nur noch 58 Paaren erreicht. Seit Beginn der 1990er-Jahre erholt sich der Bestand wieder.

Störche im bayerischen Winter

Eigentlich überwintern sie in wärmern Gefilden, manchmal sieht man Störche aber auch im Winter bei uns. Aufgrund des Klimawandels und der milden Winter kam es in den vergangenen Jahren gelegentlich vor, dass Störche entweder gar nicht oder zumindest nicht mehr so weit ziehen - und dann auch früher wieder hier sind. Vor wenigen Jahrzehnten wurden Anfang März eintreffende Tiere als Frühankömmlinge bezeichnet. Seit einigen Jahren kehren die Störche bereits Mitte Februar, einzelne sogar noch früher, aus Spanien zurück. Die frühen Vögel sichern sich die besten Nester.

Im Zweifel ziehen sie weiter

Auch wenn Störche durch Schnee stapfen, sollte man sie nicht füttern, damit sie sich nicht daran gewöhnen. Bei milderen Temperaturen finden die Störche auch hier genügend Nahrung. Und sollte der Winter doch strenger ausfallen, ziehen die Daheimgebliebenen in das etwas wärmere Klima am Bodensee oder Neusiedler See um oder weichen doch noch nach Spanien aus. Erfrieren müssten die Tiere nicht: "Dem Storch als großem Vogel macht die Kälte kaum etwas aus. Er kann die Wärme wesentlich besser speichern als kleine Singvögel wie Meise oder Spatz, die immer bei uns überwintern", erklärt LBV-Storchenbeauftragte Oda Wieding. Wer überwinternde Störche beobachtet, kann sie dem LBV melden. Dann überwacht die jeweilige Kreisgruppe die Einzeltiere.

Hintergrund Storchenzug

Weißstörche (Ciconia ciconia) leben im Sommer auf der Iberischen Halbinsel, in Mittel- und Osteuropa bis zum Ural. Außerdem gibt es Populationen in der Türkei, dem Kaukasus sowie in Zentralasien.

Die sogenannten Oststörche Europas fliegen im Herbst über den Bosporus, das Jordan-Tal und die Sinai-Halbinsel nach Afrika. Ihre Überwinterungsgebiete liegen in Ost- oder Südafrika. Für die 10.000 Kilometer lange Strecke benötigen sie ein bis anderthalb Monate.

Die Weststörche fliegen bei Gibraltar über das Mittelmeer und verbringen den Winter in Westafrika zwischen dem Senegal und dem Tschadsee. Diese Vögel kehren im Frühjahr eher in ihre Brutgebiete zurück als die Oststörche. Die Grenze zwischen Ost- und Westziehern verläuft grob von der Elbe bis Oberbayern. Nur wenig Vögel wählen die mittlere Route über Italien nach Tunesien.
(Infos vom Max-Planck-Institut für Ornithologie)

  • Klappern gehört zum Storch - Eine kleine Natur- und Kulturgeschichte: am 11. September 2014 um 09.05 Uhr in radioWissen, Bayern 2.
  • Klappern gehört zum Storch - Eine kleine Natur- und Kulturgeschichte: am 2. Oktober 2014 um 15.05 Uhr in radioWissen am Nachmittag, Bayern 2.
  • Alfaro - Die Hauptstadt der Störche: am 3. März 2015 um 15.30 Uhr in Welt der Tiere, BR Fernsehen.
  • Verlorene Störche - Warum sie auf Müllhalden in Marokko überwintern: am 25. Januar 2016 um 18.05 Uhr in IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2.
  • Frankens Störche - Ein Jahr mit Meister Adebar: am 26. November 2016 um 16.15 Uhr, BR Fernsehen.

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Nadine, Dienstag, 25.Juli, 17:50 Uhr

2. ein Vielfraß

bei 4,5 kg Körpergewicht sind 0,5 kg Futter täglich ordentlich. Ganz grob also 10%. Komisch, dass der dann keinen dicken Bauch bekommt. Hat das eigentlich einen Grund, weshalb bei dem Baukran die Anzahl der Nester wild durcheinander gezählt sind? Wenn ich eine Störchin wäre, würde ich Schwaben ebenso bevorzugen. Weiter östlich (Oberbayern) wird ja gerne auf Wild geschossen - ein brauner Bär spricht da Geschichte. Abgesehen von der Spannweite von 2,20 Meter würde mich noch seine Höchstgeschwindigkeit interessieren. Der ist doch bestimmt flott unterwegs?

  • Antwort von BR_Wissen, Mittwoch, 26.Juli, 15:44 Uhr

    Liebe Nadine,
    danke für Ihren Kommentar. Wir haben bei Oda Wieding, der LBV-Weißstorchexpertin nachgefragt:
    Die Nester auf dem Storchenkran in Kirchheim wurden entsprechend dem Jahr der Besiedlung durchnummeriert. Die bereits vergebenen Nummern wurden beibehalten, damit man über die Jahre den Bruterfolg der einzelnen Nester beobachten kann.
    Und zur Frage, wie schnell ein Storch fliegen kann, hat uns Frau Wieding auch geantwortet: Die durchschnittliche Fluggeschwindigkeit beim Weißstorch auf dem Weg ins Winterquartier liegt bei 50km/h. Erfahrene Altstörche würden etwas schneller fliegen als noch flugunerfahrene Jungstörche beim ersten Abflug. Frau Wieding schätzt, dass die Höchstgeschwindigkeit eines Storchs wohl noch etwas höher sein kann, aber wohl auch nicht viel höher. Weil der Weißstorch kein Flugjäger ist, wie zum Beispiel der Wanderfalke, gebe es für ihn einfach keinen Anlass, sich zum Beispiel im Sturzflug irgendwo hinzubegeben.
    Viele Grüße, Ihr BR_Wissen-Team

  • Antwort von Nadine, Mittwoch, 26.Juli, 21:08 Uhr

    @BR_Wissen
    Danke!

Alex Pöschel, Donnerstag, 16.Februar, 13:41 Uhr

1. Herzlich Willkommen,

liebe Störche und - hoffentlich noch oft! Gibt es doch gerade hier im Westen des Ortes handfeste Planungen über eine große Feuchtfläche ... da wärs dann aus mit "majestätisch einschweben", wenn eine Straße und Bauparzellen da sind. Good luck!

Alex Pöschel, Raisting