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Weißstorch in Bayern Jahr für Jahr mehr Störche

In Bayern sieht man wieder mehr Störche lässig in den Wiesen stehen. Manche werden richtig faul: Statt in Afrika oder Spanien zu überwintern, bleiben sie einfach hier. Das wirkt sich auf den Weißstorch-Bestand aus, die Zahl der Brutpaar wächst jedes Jahr.

Stand: 30.03.2021

Vielleicht haben Sie es selbst bemerkt: Es gibt immer mehr Weißstörche. Was vor zwei Jahrzehnten noch selten war, ist jetzt wieder häufig zu bemerken: Ein Klappern über uns, große Nester auf alten Schornsteinen und schwarz-weiße Gestalten, die durch die Wiesen staksen.

Storchen-Paradies Müllhalde

Jetzt kommen die Zugvögel wieder aus ihren Winterquartieren - und die liegen nicht mehr unbedingt in Afrika. Vor allem die westdeutschen Weißstörche, auch die aus Bayern, sparen sich inzwischen häufig den weiten und gefährlichen Weg über die Meeresenge bei Gibraltar und bleiben einfach in Spanien, wo sie auf Müllhalden und in Reisfeldern genug Nahrung finden. Dadurch überleben viel mehr Störche: Im vergangenen Jahrzehnt ist die Zahl an Weißstörchen in Deutschland gewaltig gewachsen - um 63 Prozent: 7.500 Brutpaare gibt es inzwischen landesweit; 2010 waren es nur 4.600 Storchen-Paare.

"Wir haben in den letzten Jahren einen steigenden Bestand in Bayern. Und wir haben jedes Jahr einen neuen Rekord an Storchenpaaren."

Oda Wieding, Weißstorchexpertin des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern (LBV), 2020

750 Storchenpaare in Bayern im vergangenen Jahr

Wieder häufiger zu sehen: Storchennester auf dem Dach

Wie viele Paare in diesem Jahr in Bayern brüten, kann man jetzt noch nicht sagen. Doch 2020 waren es den LBV-Zählungen zufolge mehr als 750 Storchen-Paare. Rund 600 Paare davon brüteten erfolgreich: Rund 1.500 Weißstorch-Junge sind 2020 in Bayern flügge geworden.

Für dieses Jahr beginnt die Brutphase der Weißstörche erst gerade. Ob sie erfolgreich wird, hängt auch vom Wetter ab: Regenphasen im Frühjahr können Jungtieren gefährlich werden, weil sie dann nass werden und auskühlen. Und weil die Altstörche in ihrem Nest bleiben, um den Nachwuchs zu schützen, bekommt der auch noch weniger Futter. "Bei zwei Tagen Dauerregen kann das dann kritisch werden", erklärt Wieding. Bis zu 60 Prozent der Jungvögel sterben im ersten Jahr, viele von ihnen verhungern.

Manche Weißstörche sparen sich den Flug gen Süden ganz

Etwa 300 Störche pro Jahr verzichten laut LBV sogar ganz auf die beschwerliche Reise gen Süden und bleiben den ganzen Winter in Bayern. Besonders Tiere aus Aufzucht- oder Ansiedlungsprogrammen würden nach ihrer Auswilderung oft auch in der kalten Jahreszeit hier bleiben. Die bequemen Zuchtvögel würden dann ihre Partner dazu verleiten, auch hier zu bleiben. Kalt wird ihnen im Winter in Bayern dank ihres Federkleids nicht: "Die haben ihre Daunenjacke schon an", sagt Oda Wieding. Und Nahrung würden sie notfalls auch im Goldfischteich finden.

Im folgenden Frühjahr haben diese winterfesten Storchen-Paare einen gewaltigen Vorteil: Sie können sich die besten Nester aussuchen, lange bevor die Storchen-Konkurrenz aus Spanien oder gar Afrika anreist.

Störche brüten gern in Kolonien

Jungstörche siedeln sich gern in Gesellschaft an, dadurch kommt es inzwischen immer häufiger vor, dass sich in einzelnen Dörfern zwanzig und mehr Storchennester finden. Manchmal wird es eng, da kann es passieren, dass ein verspäteter Weißstorch auf einen Baukran oder eine Solaranlage ausweicht.

Kein Artenhilfsprogramm für den Weißstorch mehr nötig

Weil sich der Storch bei uns wieder derart wohl fühlt, gab der LBV bereits 2017 bekannt, dass das Artenhilfsprogramm zur Rettung des Weißstorchs in Bayern eingestellt wird. Von der Roten Liste Bayerns wurde er "entlassen", er gilt seit 2016 nicht mehr als gefährdet. Initiiert wurden die Schutzmaßnahmen vom LBV, dem Bayerischen Umweltministerium und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt im Jahr 1984. In den 1980er-Jahren konnten nämlich nur noch knapp 60 Brutpaare in ganz Bayern gezählt werden. 2017 waren es dann wieder rund 480. Damit galt der Bestand in Bayern als gesichert.

Erfolgreiche Schutzmaßnahmen für den Storch

In den 1980er-Jahren machten dem Storch Flurbereinigung und Flächentrockenlegung fast den Garaus. Es wurde sogar befürchtet, der Weißstorch könnte aussterben. Lange stand er als "gefährdet" auf der Roten Liste Bayerns und der Roten Liste Deutschlands. "Dieser schwarzen Zukunft für den weißen Storch wollten wir und unsere Partner Schutzmaßnahmen entgegensetzen", erklärte Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV, 2017. Zusammen mit rund 350 ehrenamtlichen Storchenbetreuern wurden Tümpel und feuchte Grünlandbereiche geschaffen, Nisthilfen renoviert und neu gebaut. Mit der Unterstützung von Hauseigentümern, Bürgermeistern und Feuerwehren wurden Horstplattformen auf Gebäuden aufgestellt. Landwirte und Gemeinden wurden beraten, wie Talwiesen bewirtschaftet und Siedlungen und Straßen storchfreundlich angelegt werden können. Ein Großteil der Strommasten in Bayern ist mittlerweile so gesichert, dass Störche von ihnen keinen Stromschlag mehr abbekommen.

"Den Weißstorchbestand wird der LBV aber über ein Monitoring weiter im Auge behalten, da sich Faktoren, wie zum Beispiel der Zustand der Winterquartiere der Zugvögel, durch mögliche neue EU-Regelungen und Anreize jederzeit ändern können."

Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender

200 Hektar pro Storchenpaar

Weißstörche sind anmutige Großvögel und gelten als Frühlingsboten und Glücksbringer. Weil der Weißstorch hohe Ansprüche an seinen Lebensraum und seine Nahrung stellt, hat er es aber nicht einfach. Für sein Nest sucht er sich bevorzugt Haus- und Stalldächer aus. Ein Storchenpaar braucht rund 200 Hektar feuchtes, nicht landwirtschaftlich genutztes Grünland in der Nähe seines Horstes, um ausreichend Nahrung zu bekommen. Allein ein Jungstorch vertilgt pro Tag etwa ein Pfund Lebendfutter. Der Weißstorch liebt offene Landschaften, feuchtes Grünland und Flussauen, die regelmäßig überschwemmt werden. Hier findet er Frösche und Fische. In Wiesen und Weiden pickt er vor allem nach Insekten, Eidechsen, Schlangen und Regenwürmern.

Wissenswertes über den Weißstorch

Steckbrief

Achtzig bis hundert Zentimeter wird der Weißstorch (Ciconia ciconia) groß und bis zu 4,5 Kilogramm schwer. Sein Gefieder ist weiß, die Schwungfedern und Teile der Oberflügeldecken sind schwarz gefärbt. Mit seinen Flügeln erreicht er eine Spannweite von 2,20 Metern. Leuchtend rot sind seine Beine und sein Schnabel. Mit dem wird zur Begrüßung, aber auch zum Vertreiben von Feinden geklappert. Der Weißstorch liebt feuchte Wiesen, gebrütet wird auf Dächern, Bäumen, Masten und Felsen. Das aus Zweigen gebaute Nest kann einen Durchmesser von bis zu zwei Metern erreichen und zwei Tonnen schwer werden. Auf dem Speiseplan stehen hauptsächlich Kleinsäuger, Eidechsen, Schlangen, Fische, Regenwürmer und Insekten. Der Weißstorch gehört zu den Schreitvögeln, seine Nahrung nimmt er im Gehen auf. Durchschnittlich wird er rund zehn Jahre alt.

Fortpflanzung

Anfang April bis Anfang August ist Brutzeit: Rund 30 Tage lang werden bis zu sieben Eier von beiden Partnern gehegt und gepflegt. Schon mit sieben Wochen sind die "Kleinen" so groß wie die Eltern. Mit drei Monaten gehen sie bereits getrennte Wege. Meist überleben allerdings nicht mehr als zwei Jungstörche. Zu feuchtes, kaltes Wetter, zu wenig Nahrung und gefährliche Ausflugsziele werden ihnen zum Verhängnis. Viele sterben, weil sie mit einer Stromleitung oder einem Strommasten kollidieren.

Überwinterung

Um im Winter weiter Nahrung zu finden, weichen die Störche normalerweise nach Afrika oder Spanien aus. Ihre Sommerresidenzen bei uns beziehen sie dann erst wieder, wenn die ersten Obstbäume blühen. Mehrere tausend Kilometer legen sie für die Hin- und Rückreise zurück. Wie Segelflugzeuge nutzen sie die warmen Aufwinde, mit deren Hilfe sie energiesparend segeln und nicht kräfteraubend rudern müssen. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) stattet Störche seit einigen Jahren mit einem Solarsender auf dem Rücken aus, der sie in ihrem Winterurlaub beobachten soll und ihre An- und Abreise sicherer machen soll. Dabei kam auch heraus: Viele Störche überwintern mittlerweile in Bayern!

Bedrohung

Die intensivierte Landwirtschaft setzt dem Storch zu. Selbst auf vermeintlich grünen Landstrichen findet er keine Nahrungstiere mehr. Zusätzlich Lebensraum verloren hat er durch Flussbegradigungen, Flurbereinigungen, den Bau von Straßen, Siedlungen und Gewerbegebieten. Mehr als zwei Drittel aller bayerischen Storch-Todesfälle werden allerdings durch Stromstöße beim Fliegen bei Zusammenstößen mit Stromleitungen und -masten verursacht. Oft kollidieren Störche auch mit Autos, Zügen oder Flugzeugen, oder werden unbeabsichtigt durch vergiftete Mäuse getötet. Bedroht ist der Weißstorch auch in seinem Winterquartier: Dort wird er oft gejagt oder nimmt bei uns längst verbotene Pflanzenschutzmittel wie DDT auf. Weil es in seinen Zufluchtsorten zunehmend trockener wird und der Storch dann weniger Nahrung findet, kann er nicht rechtzeitig oder ordentlich erholt zurückfliegen, der Bruterfolg bleibt dann oft aus. Die Rote Liste der Brutvögel Deutschlands stuft den Weißstorch als gefährdet ein.

Verbreitung

Der Weißstorch ist in Europa, Nordafrika und Asien heimisch. In Deutschland fühlt er sich in den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt am wohlsten. In Bayern konzentriert sich der Bestand auf die größeren Flussläufe, Feucht- und Weihergebiete.

Störche im bayerischen Winter

Eigentlich überwintern sie in wärmern Gefilden, immer öfter sieht man Störche aber auch im Winter bei uns. Aufgrund des Klimawandels und der milden Winter kam es in den vergangenen Jahren gelegentlich vor, dass Störche entweder gar nicht oder zumindest nicht mehr so weit ziehen - und dann auch früher wieder hier sind. Vor wenigen Jahrzehnten wurden Anfang März eintreffende Tiere als Frühankömmlinge bezeichnet. Seit einigen Jahren kehren die Störche bereits Mitte Februar, einzelne sogar noch früher, aus Spanien zurück. Die frühen Vögel sichern sich die besten Nester.

Im Zweifel ziehen sie weiter

Auch wenn Störche durch Schnee stapfen, sollte man sie nicht füttern, damit sie sich nicht daran gewöhnen. Bei milderen Temperaturen finden die Störche auch hier genügend Nahrung. Und sollte der Winter doch strenger ausfallen, ziehen die Daheimgebliebenen in das etwas wärmere Klima am Bodensee oder Neusiedler See um oder weichen doch noch nach Spanien aus. Erfrieren müssten die Tiere nicht: "Dem Storch als großem Vogel macht die Kälte kaum etwas aus. Er kann die Wärme wesentlich besser speichern als kleine Singvögel wie Meise oder Spatz, die immer bei uns überwintern", erklärt LBV-Storchenbeauftragte Oda Wieding. Wer überwinternde Störche beobachtet, kann sie dem LBV melden. Dann überwacht die jeweilige Kreisgruppe die Einzeltiere.

Hintergrund Storchenzug

Weißstörche (Ciconia ciconia) leben im Sommer auf der Iberischen Halbinsel, in Mittel- und Osteuropa bis zum Ural. Außerdem gibt es Populationen in der Türkei, dem Kaukasus sowie in Zentralasien.

Die sogenannten Oststörche Europas fliegen im Herbst über den Bosporus, das Jordan-Tal und die Sinai-Halbinsel nach Afrika. Ihre Überwinterungsgebiete liegen in Ost- oder Südafrika. Für die 10.000 Kilometer lange Strecke benötigen sie ein bis anderthalb Monate.

Die Weststörche fliegen bei Gibraltar über das Mittelmeer und verbringen den Winter in Westafrika zwischen dem Senegal und dem Tschadsee. Diese Vögel kehren im Frühjahr eher in ihre Brutgebiete zurück als die Oststörche. Die Grenze zwischen Ost- und Westziehern verläuft grob von der Elbe bis Oberbayern. Nur wenig Vögel wählen die mittlere Route über Italien nach Tunesien.
(Infos vom Max-Planck-Institut für Ornithologie)

  • Störche im Winter - Warum die Zugvögel in Bayern bleiben. Abendschau - Der Süden, 04.02.2021 um 17:30 Uhr, BR Fernsehen
  • Mehr Störche in Bayern. Abendschau - Der Süden, 26.08.2020 um 17:30 Uhr, BR Fernsehen
  • Alfaro - Die Hauptstadt der Störche: am  02.05.2020 um 10.00 Uhr in Welt der Tiere, BR Fernsehen.
  • Frankens Störche - Ein Jahr mit Meister Adebar: am 26. November 2016 um 16.15 Uhr, BR Fernsehen.
  • Verlorene Störche - Warum sie auf Müllhalden in Marokko überwintern: am 25. Januar 2016 um 18.05 Uhr in IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2.
  • Klappern gehört zum Storch - Eine kleine Natur- und Kulturgeschichte: am 11. September 2014 um 09.05 Uhr in radioWissen, Bayern 2.

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Nadine, Dienstag, 25.Juli 2017, 17:50 Uhr

2. ein Vielfraß

bei 4,5 kg Körpergewicht sind 0,5 kg Futter täglich ordentlich. Ganz grob also 10%. Komisch, dass der dann keinen dicken Bauch bekommt. Hat das eigentlich einen Grund, weshalb bei dem Baukran die Anzahl der Nester wild durcheinander gezählt sind? Wenn ich eine Störchin wäre, würde ich Schwaben ebenso bevorzugen. Weiter östlich (Oberbayern) wird ja gerne auf Wild geschossen - ein brauner Bär spricht da Geschichte. Abgesehen von der Spannweite von 2,20 Meter würde mich noch seine Höchstgeschwindigkeit interessieren. Der ist doch bestimmt flott unterwegs?

  • Antwort von BR_Wissen, Mittwoch, 26.Juli, 15:44 Uhr

    Liebe Nadine,
    danke für Ihren Kommentar. Wir haben bei Oda Wieding, der LBV-Weißstorchexpertin nachgefragt:
    Die Nester auf dem Storchenkran in Kirchheim wurden entsprechend dem Jahr der Besiedlung durchnummeriert. Die bereits vergebenen Nummern wurden beibehalten, damit man über die Jahre den Bruterfolg der einzelnen Nester beobachten kann.
    Und zur Frage, wie schnell ein Storch fliegen kann, hat uns Frau Wieding auch geantwortet: Die durchschnittliche Fluggeschwindigkeit beim Weißstorch auf dem Weg ins Winterquartier liegt bei 50km/h. Erfahrene Altstörche würden etwas schneller fliegen als noch flugunerfahrene Jungstörche beim ersten Abflug. Frau Wieding schätzt, dass die Höchstgeschwindigkeit eines Storchs wohl noch etwas höher sein kann, aber wohl auch nicht viel höher. Weil der Weißstorch kein Flugjäger ist, wie zum Beispiel der Wanderfalke, gebe es für ihn einfach keinen Anlass, sich zum Beispiel im Sturzflug irgendwo hinzubegeben.
    Viele Grüße, Ihr BR_Wissen-Team

  • Antwort von Nadine, Mittwoch, 26.Juli, 21:08 Uhr

    @BR_Wissen
    Danke!

Alex Pöschel, Donnerstag, 16.Februar 2017, 13:41 Uhr

1. Herzlich Willkommen,

liebe Störche und - hoffentlich noch oft! Gibt es doch gerade hier im Westen des Ortes handfeste Planungen über eine große Feuchtfläche ... da wärs dann aus mit "majestätisch einschweben", wenn eine Straße und Bauparzellen da sind. Good luck!

Alex Pöschel, Raisting