Wissen - Rote Liste


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Schmetterlinge - Gaukler der Lüfte Die zerbrechliche Welt der Falter

Schmetterlinge sind filigrane Wesen von unglaublicher Vielfalt. Doch gerade die Vielfalt ist in Gefahr, denn immer mehr Falter-Arten sind vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste.

Stand: 22.08.2017

Je anspruchsvoller der Schmetterling, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass seine Art ausstirbt. So könnte man eine These zusammenfassen, die den Artenschwund unter den Gauklern der Lüfte erklärt. Ein weiterer Grund, warum so viele Schmetterlingsarten auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten stehen ist der Klimawandel. Denn der ist wieder eine der Ursachen für die schwindende Biodiversität der Pflanzen.

Artenschwund bei den Pflanzen

Ist ein Falter auf eine Pflanzenart als Wirt spezialisiert und diese Pflanze wird aufgrund von Klimaveränderungen oder Überdüngung auf unseren Wiesen immer seltener, so steht es auch um diese Schmetterlingspopulation schlecht. Ein Beispiel dafür: Der Aurorafalter. Seine Raupen ernähren sich am liebsten von Wiesenschaumkraut und der Knoblauchsrauke. Zu finden ist das Wiesenschaumkraut vor allem auf Feuchtwiesen - doch auch die gibt es immer seltener.

Aufgrund der intensiven Landwirtschaft, dem Anbau von Monokulturen und dem Einsatz von Pestiziden nimmt der Artenreichtum unter den Pflanzen immer mehr ab und damit auch die Vielfalt unter den Falterarten. Umso wichtiger ist es, in den Gärten und auch in Städten und Gemeinden darauf zu achten, dass die unterschiedlichsten heimischen Blumen, Sträucher und Kräuter angepflanzt werden, die den Schmetterlingen als Nahrung dienen können.

Mohrenfalter bei Klimaerwärmung bedroht

Ein Mohrenfalter - vom Ausssterben bedroht

Der Gelbgefleckte Mohrenfalter ist nach Einschätzung von Wissenschaftlern bedroht. Thomas Schmitt von der Senckenberg Gesellschaft für Naturschutz im brandenburgischen Müncheberg untersuchte zusammen mit Kollegen aus Trier, Bonn und München rund 1.300 Schmetterlinge aus 36 Populationen. Der Tagfalter, der auf blumenreichen Wiesen in europäischen Bergregionen zu finden ist, wird es in Teilen Europas schwer haben zu überleben. In einigen Regionen hätten die Schmetterlinge einen ganz eigenen Genpool mit geringer Variation ausgebildet. Dadurch können sie sich bei Klimaerwärmung weniger anpassen, so Schmitt. In den Alpen werde es künftig weniger Mohrenfalter geben, in den Vogesen bis zum Ende des Jahrhunderts wohl gar keine mehr.

Schmetterlinge flattern Klimawandel hinterher

Zahlreiche Schmetterlingsarten sind in den beiden vergangenen Jahrzehnten trotz einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung langsamer in den Norden gewandert als es klimatisch für sie erforderlich scheint. Vor allem Schmetterlingsarten, die es lieber kühler mögen, sind nicht entsprechend gen Norden gezogen. Zu diesem Ergebnis kam eine große europäische Studie im Januar 2012, die Vögel und Schmetterlinge und ihre Mobilität in Europa über zwanzig Jahre beobachtet hatte.

Europaweite Feldstudie

Studie

Segelfalter

Für die Studie über die Entwicklung von Vogel- und Schmetterlings-Populationen in Europa in den vergangenen zwanzig Jahren wertete das Forscherteam europaweit Daten aus. Diese Daten wurden in ehrenamtlichen Zählungen in rund 1,5 Millionen Beobachtungsstunden zusammengetragen.

Die Studie wurde im Januar 2012 im Fachmagazin Natur Climate Change veröffentlicht. Beteiligt an der Studie waren unter anderem das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle an der Saale, das Institut des Sciences de l'Evolution in Montpellier und die Niederländische Schmetterlingsstiftung, die das europäische Wissen über Libellen und Schmetterlinge bündelt.

Ergebnisse

Für den Beobachtungszeitraum von 1990 bis 2008 wurden deutliche Verschiebungen festgestellt. So ging die Zahl der kälteliebenden Arten zurück, während die wärmeliebenden Arten zunahmen.

Dabei haben sich die Lebensräume der Tagfalter und Vögel im Mittel um 249 Kilometer nach Norden verschoben. Die Schmetterlinge sind aber statistisch gesehen nur 114 Kilometer nordwärts gewandert, Vögel sogar nur 37 Kilometer.

Schlussfolgerungen

"Unsere Ergebnisse weisen nicht nur darauf hin, dass Vögel und Schmetterlinge nicht schnell genug dem Klimawandel hinterher ziehen können. Sie zeigen auch, dass die Lücke zwischen beiden Gruppen größer wird", so Chris van Swaay von der Niederländischen Schmetterlingsstiftung. Aber gerade das ist problematisch, denn bestimmte Schmetterlingsraupen sind die Nahrung bestimmter Vögel. Und auch hier gilt: Je spezialisierter eine Art auf einen Wirt ist, desto gefährdeter ist sie durch die Verschiebungen.

Beispiel

Wiesenknöterich

Die Raupen des Natterwurz-Perlmutterfalters sind auf den Wiesenknöterich als Fraßpflanze angewiesen. Auch wenn diese Schmetterlingsart vielleicht dem Klimawandel und der damit verbundenen Verschiebung der Temperatur folgen kann, so wird die Pflanze, von der sie abhängig ist, nicht so schnell mitziehen können.

Die Forscher betonen, dass die Studie zeige, wie wichtig die ehrenamtlich erfassten Daten über die Veränderungen der Natur für die Forschung seien. Allerdings flossen die Daten des deutschen Tagfalter- Monitorings noch nicht mit ein.

Volkszählung in kunterbunt

C-Falter

Im Frühjahr 2005 startete in Deutschland auf Initiative des Helmholtz-Institutes das Tagfalter-Monitoring. Entlang festgelegter Strecken erfassen Jahr für Jahr 500 Freiwillige vom 1. April bis 30. September einmal wöchentlich alle Tagfalter, die ihnen entgegenflattern.

Das Tagfalter-Monitoring wird nach dem gleichen Verfahren auch in 16 weiteren europäischen Ländern durchgeführt. Noch liegen keine endgültigen Ergebnisse vor, doch erste Trends sind zu erkennen: Einige Arten sind stark zurückgegangen, ein paar andere haben in ihrem Bestand zugenommen. Fakt ist: Mehr als die Hälfte der Schmetterlinge steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Falls Sie sich für das Tagfalter-Monitoring interessieren, klicken Sie auf folgenden Link:

Sensible Indikatoren

Schachbrettfalter

Das Aussterben der Schmetterlingsarten wird auch deshalb mit großer Sorge gesehen, weil die Falter als frühe und gute Indikatoren für Veränderungen der Natur und Lebensumstände gelten. Da sie schnell auf neue Verhältnisse reagieren, kann anhand ihrer Populationsdynamik der ökologische Zustand der Lebensräume bewertet werden.

  • "Weniger Schmetterlinge in der Agrarlandschaft": am 3. September 2017, um 16.15 Uhr in Unser Land, BR-Fernsehen.
  • "Weniger Schmetterlinge in der Agrarlandschaft": am 2. September 2017, um 17 Uhr in Unser Land, ARD-alpha.
  • "Schmetterlinge und der aktuelle Schmetterlingsreport": am 23. August 2017, um 16.30 Uhr in nano, ARD-alpha
  • "Schmetterlinge – Wie leben sie und warum sterben sie aus?": am 13. Juli 2017, um 16.30 Uhr in X:enius, ARD-alpha.
  • "Kinder der Sonne - Unsere Schmetterlinge": am 1. Juli 2017, um 18.45 Uhr in natur exclusiv, BR Fernsehen.
  • "Eine Wiese ohne Schmetterlinge": am 31. Mai 2017, um 16.30 Uhr in nano, ARD-alpha.
  • "Insektensterben - auf der Wiese wird es still": am 16. Mai 2017 um 22 Uhr, BR Fernsehen.
  • Schmetterlinge - Wie leben sie und warum sterben sie aus?: am 11. März 2017, um 16.30 Uhr in X:enius, ARD-alpha.
  • "Insektensterben - auf der Wiese wird es still": am 20. September 2016, um 22 Uhr in Faszination Wissen, BR Fernsehen.
  • "Das Verschwinden der Schmetterlinge - Verlieren wir viele Falter für immer?": am 1. Juli 2016, um 9.05 Uhr, in radioWissen, Bayern 2.
  • "Das Verschwinden der Schmetterlinge - Verlieren wir viele Falter für immer?": am 21. Juli 2016, um 15.05 Uhr in radioWissen am Nachmittag, Bayern 2.
  • Das Verschwinden der Schmetterlinge": am 11. September 2014, um 18.05 Uhr in IQ, Bayern 2.

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