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Die Jagd auf das Horn Nashorn-Schmuggel wird raffinierter

Rund 600.000 Nashörner lebten noch vor wenigen hundert Jahren in Asien. Die Zerstörung ihres Lebensraums und die Jagd auf das Horn haben sie an den Rand der Ausrottung gebracht.

Stand: 30.10.2018

Ein Panzernashorn, auch Indisches Nashorn (Rhinoceros unicornis) genannt. | Bild: picture-alliance/dpa

Es gibt insgesamt fünf Nashornarten: drei von ihnen leben in Asien, zwei in Südafrika. Alle fünf Arten sind in ihrem Bestand stark bedroht. Im März 2018 starb das letzte Männchen des Nördlichen Breitmaulnashorns. Von dieser Art gibt es jetzt nur noch zwei Weibchen. Die Gründe für den dramatischen Nashorn-Rückgang in den vergangenen Jahrzenten liegen im Abholzen und Abbrennen der Urwälder für Palmölplantagen.

Aber hauptsächlich auch in der Wilderei, um das Horn der Nashörner zu erbeuten. Dieses wird von Südafrika und Mosambik illegal nach Asien, vor allem nach Vietnam und China, exportiert. Dort gilt es als Potenz- bzw. Heilmittel in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), obwohl es keinerlei wissenschaftliche Hinweise für eine Wirksamkeit gibt.

Mit der steigenden Nachfrage nach illegalen Tierprodukten entstand ein Netzwerk internationaler Kriminalität, welches von diesem Bedarf profitiert. Allein in Südafrika wurden innerhalb von zehn Jahren mehr als 7.100 Nashörner von Wilderern getötet, vor allem im Krüger-Nationalpark an der Grenze zu Mosambik.

Wilderei kennt keine Grenzen

Traffic-Studie (in engl. Sprache)

Die Traffic-Studie, die am 17. September 2017 veröffentlicht wurde, stützt sich auf Daten von 456 Beschlagnahmungen von Horn und daraus hergestellten Produkten seit 2010. Seither sind weltweit schätzungsweise fünf Tonnen Horn beschlagnahmt worden, Wilderer haben aber wohl rund 37 Tonnen erbeutet.

Die Kreativität der Nashorn-Schmuggler kennt kaum Grenzen. Während der Zoll das ganze Horn eines Nashorns beim Röntgen noch leicht entdecken kann, sind Armreifen, Anhänger oder Pulver aus Horn dagegen einfach zu verstecken. In Südafrika, wo rund 80 Prozent der Nashörner des afrikanischen Kontinents leben, gibt es immer mehr illegale Werkstätten, die die Hörner vor dem Export nach Asien zu kleineren Produkten verarbeiten. Diese Objekte würden zusätzlich mit Wachs und Aluminium ummantelt, so dass sie beim Röntgen von Fracht und Gepäck nur schwer zu erkennen seien, teilte die Artenschutzorganisation Traffic (Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce) in ihrer Studie von 2017 mit (s.Textkasten).

DNA-Proben überführen Nashorn-Wilderer

Getötetes Nashorn in Südafrika

Neuerdings kann eine Datenbank mit DNA-Proben von Nashörnern dabei helfen, Wilderer zu überführen und die Täter zu verurteilen. Die Proben können von Wilderern verkaufte Hörner mit getöteten Nashörnern in Verbindung bringen. Das berichten Forscher um Cindy Harper, Leiterin der Veterinärgenetik der südafrikanischen Universität Pretoria, im Magazin "Current Biology". Durch die DNA-Beweise werden laut des Berichts die überführten Wilderer teilweise zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt. Die Zahl der Festnahmen in Südafrika im Zusammenhang mit der Wilderei stieg von 317 im Jahr 2015 auf 680 im Jahr 2016 - in 120 Fällen seien DNA-Proben vor Gericht als Beweise genutzt worden. Die Nashorn-DNA lässt sich aus jeglicher Gewebeprobe, selbst aus gemahlenem Horn, mit einem bestimmten Tier in Verbindung bringen. In der "Rhodis" genannten Datenbank sind mehr als 20.000 DNA-Proben von lebenden oder getöteten Tieren gespeichert.

Erste Horn-Auktion aus einer privaten Aufzucht

Welt-Nashorn-Tag am 22. September

Seit 2010 wird am 22. September der Welt-Nashorn-Tag (engl. World Rhino Day) begangen. Der Aktionstag möchte auf die Gefährdung der Nashörner durch Wilderei und illegalen Handel - verboten seit 1977 - mit dem Nasenhorn aufmerksam machen.

Im August 2017 fand in Südafrika zum ersten Mal eine legale Nashorn-Horn-Auktion statt. Der private Nashorn-Züchter John Hume hatte die Versteigerung mit einer Klage vor dem Verfassungsgericht durchgesetzt. In Südafrika ist der nationale Handel mit Hörnern unter strengen Auflagen erlaubt, jeglicher Export jedoch verboten. Um das sicherzustellen, müssen Händler nun auch Proben ihrer Hornbestände an die Datenbank "Rhodis" melden. Damit kann illegal in Ausland verkauftes Nashorn leicht identifiziert werden.

Ein Nashorn in Südafrika

Die südafrikanische Regierung arbeitet an einer rechtlichen Grundlage für den nationalen Handel. Außerdem denkt sie darüber nach, auch internationale Exporte für den persönlichen Gebrauch zu ermöglichen. Ihr Argument: Ein legaler Handel könnte der Wilderei die Geschäftsgrundlage entziehen. Der WWF (World Wide Fund For Nature) rechnet eher damit, dass diese Gesetzeslücke die Nachfrage nach Horn und damit auch die Wilderei anfeuern wird, "da die legalen Bestände niemals ausreichen werden, um den Bedarf zu decken".

China lockert Handelsverbot für Nashornhorn

Die Nachfrage nach Horn wird auch in China wieder steigen: In China war der Handel mit Nashornhorn und Tigerknochen seit 1993 verboten. Doch Ende Oktober 2018 hat der Staatsrat in Peking den Handel mit den Überresten von gezüchteten Tieren für Forschung und Heilung in der Traditionellen chinesischen Medizin legalisiert. Die Ausnahme für das Verbot gilt für zertifizierte Krankenhäuser und Ärzte. Der WWF warnte, dass die Wiederaufnahme eines legalen Marktes auch Tiere in freier Wildbahn in große Gefahr bringe: Es stehe zu befürchten, dass illegale Produkte gewaschen werden und so in den Handel fließen. Gleichzeitig müsse davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage angeheizt wird und so der Wildereidruck auf freilebende Tiere weiter steigt. Der WWF verurteilte die angekündigte Aufhebung des Verbots als "enormen Rückschlag" für den Artenschutz.

"Die Erfahrungen Chinas mit dem Handel mit Elfenbein haben deutlich gezeigt, wie schwierig es ist, parallel legale und illegale Märkte zu kontrollieren."

Eberhard Brandes, WWF-Vorstand

Die fünf Arten von Nashörnern

Java-Nashorn

Es ist noch nicht so lange her, dass das Java-Nashorn (Rhinoceros sondaicus) auch in Malaysia, auf Sumatra und in Vietnam zuhause war. Heute ist es vom Aussterben bedroht und gehört zu den seltensten Großsäugern der Welt. Nur noch auf der indonesischen Insel Java, im Ujung Kulon Nationalpark, lebt eine Gruppe von rund 50 Tieren. Das extrem seltene und scheue Tier besitzt nur ein Horn.

Sumatra-Nashorn

Das Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis), die stammesgeschichtlich älteste und zugleich kleinste Nashornart, ist ebenfalls vom Aussterben bedroht. Früher gab es das Sumatra-Nashorn am Fuße des Himalaya in Nordindien, in Südchina, Myanmar, Thailand, Laos und Kambodscha, Vietnam, Malaysia sowie auf den Inseln Borneo und Sumatra. Heute leben vermutlich nur noch rund 250 Tiere in freier Wildbahn auf Sumatra, Borneo und in Malaysia. Das Sumatra-Nashorn, das zwei Hörner aufweist, gehört damit zu den bedrohtesten Großsäugern der Welt.

Panzernashorn

Das Panzernashorn (Rhinoceros unicornis, auch: Indisches Nashorn) war schon um 1900 fast ausgerottet: Keine 200 Tiere waren übrig. Strenge Schutzmaßnahmen verhinderten das Aussterben: 2007 zählte man wieder rund 2.500 Tiere. Doch die angriffslustige und wenig scheue Art ist nach wie vor gefährdet. Die Population ist nur in wenigen Regionen Indiens und Nepals anzutreffen. Das Panzernashorn besitzt nur ein Horn.

Spitzmaulnashorn

Das Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis) mit seinem doppelten Horn war bis ins 20. Jahrhundert die verbreitetste Rhinozeros-Art mit etwa 850.000 Tieren. 1960 waren nur noch 100.000 Spitzmaulnashörner übrig, 1995 nur noch 2.400 Individuen. Seither nimmt dank strenger Schutzmaßnahmen der Bestand der drei verbliebenen Unterarten (Südwestliches, Südliches und Östliches Spitzmaulnashorn) langsam wieder zu. 2015 gab es wieder rund 5.200 Spitzmaulnashörner. Noch lange nicht genug: Sie gelten weiter als vom Aussterben bedroht.

Breitmaulnashorn

Das Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum) ist das größte Nashorn und leicht an seinem großen, breiten Maul zu erkennen. Es besitzt zwei Hörner.
Wenn vom Breitmaulnashorn die Rede ist, kann eigentlich nur das Südliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum simum) gemeint sein: Es ist vor allem in Schutzgebieten in Süd- und Zentralafrika zuhause und wird von der IUCN als "gering gefährdet" eingestuft. Sein Bestand wird auf rund 20.000 Tiere geschätzt.
Vom Nördlichen Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) existieren weltweit nur noch zwei Exemplare (Stand: März 2018): die zwei Kühe Najin und Fatu in einem Reservat in Kenia. Sudan (Bild), der letzte Bulle, musste im März 2018 mit 45 Jahren eingeschläfert werden. Das Nördliche Breitmaulnashorn ist das seltenste Großsäugetier der Welt und gilt seit 2008 in freier Wildbahn als ausgestorben. Wissenschaftler arbeiten dran, die Unterart über künstliche Reproduktion - mit vor längerer Zeit eingelagerten Spermien und Eizellen der beiden Weibchen - vor dem Aussterben zu bewahren.

  • "Big Five Asien - Die Nashörner": natur exclusiv, 6.5.2017, 18.45 Uhr, BR Fernsehen

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