Wissen - Rote Liste


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Studie zu Artenschwund-Ursachen Ressourcen-Ausbeute und Landwirtschaft

Die weltweite Artenvielfalt ist bedroht. Laut einer Studie von 2016 ist die größte Gefahr derzeit aber nicht der Klimawandel und seine Folgen. Bedeutsamer sind die Übernutzung von Ressourcen und die Landwirtschaft.

Stand: 10.08.2016

Gorillamutter mit Baby im Zoo von Duisburg | Bild: dpa-Bildfunk

Wissenschaftler um Sean Maxwell von der University of Queensland in Brisbane in Australien haben fast 8.700 Spezies untersucht, die auf der Roten Liste bedrohter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) stehen. Ihre Ergebnisse haben sie im August 2016 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Spitzmaus und Stumpfnasenaffe

Dem Burmesischen Stumpfnasenaffen läuft angeblich bei Regen Wasser in die Nase. Dann muss er niesen.

Laut der Studie sind 72 Prozent der Arten durch die Übernutzung von Ressourcen bedroht, entweder die jeweilige Art selbst oder Teile ihres Lebensraums. Waldrodungen gefährden mehr als 4.000 Spezies, zum Beispiel den Tropenvogel Borneowolltimalie (Ptilocichla leucogrammica), die indische Nikobaren-Spitzmaus (Crocidura nicobarica) und die Stumpfnasenaffen (Rhinopithecus) in Myanmar.

Gefahr durch Landwirtschaft und Verstädterung

Afrikanische Wildhunde im Zoo von Basel

Der zweitwichtigste Faktor ist die Landwirtschaft. Sie trifft 62 Prozent der einbezogenen Arten, lautet die Einschätzung der Wissenschaftler. Allein der Getreideanbau gefährde 4.600 Arten wie die Fresno-Kängururatte (Dipodomys nitratoides) und den Afrikanischen Wildhund (Lycaon pictus). Die dafür genutzten Flächen gehen als Lebensraum verloren. An dritter Stelle der Bedrohungen steht für die Forscher die Urbanisierung.

Gejagt, geifscht, gefangen

Schuppentiere können sich bei Gefahr zu einer Kugel zusammenrollen.

Mehr als 2.700 Arten sind der Auswertung zufolge zudem direkt bedroht. Sie werden gejagt, gefischt oder für die Tierhaltung gefangen. Dazu zählen das Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis), der Westliche Gorilla (Gorilla gorilla) und das Chinesische Schuppentier (Manis pentadactyla). Bei den meisten untersuchten Spezies spielen laut der Studie mehrere Faktoren für die Gefährdung eine Rolle.

Kampf den "alten Feinden"

Das Sumatra-Nashorn ist die kleinste Nashornart. Vermutlich leben nur noch weniger als hundert Tiere in freier Wildbahn.

Im Vorfeld des Weltnaturschutzkongress der IUCN im September 2016 appellierte das Forscherteam an die Verantwortlichen, sich beim Thema Naturschutz nicht nur auf Klimafragen zu konzentrieren. Der Klimawandel könne zwar künftig eine große Gefahr für die Artenvielfalt darstellen, dringlicher sei es aber momentan, die "alten Feinde" zu bekämpfen.


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