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Vom Klimawandel abgehängt Da kuckst du, Kuckuck

Der Kuckuck legt seine Eier gern in fremde Nester, damit andere Vögel das Kuckucksei ausbrüten. Doch der Klimawandel macht dem Kuckuck einen Strich durch die Rechnung: Er kommt pünktlich zu uns - und damit zu spät - alle Vögel sind längst da ...

Stand: 11.04.2019

Kuckuck im Nest | Bild: picture-alliance/dpa

Jedes Frühjahr erschallt es wieder, das "Kuckuck! Kuckuck!" Denn dann kehren die Kuckucke aus Afrika zurück. In Gegenden südlich des Äquators überwintern sie. Rund 15.000 Kilometer lässt ein Kuckuck auf seiner Reise ins Winterquartier und zurück hinter sich. Dabei sind die Flugrouten genau abgesteckt und exakt im Gedächtnis der Vögel abgespeichert, zeigen Forschungen.

Satelliten-Rucksack für Kuckucke

Im Rahmen eines internationalen Satelliten-Telemetrie-Projekts erforscht der Landesbund für Vogelschutz (LBV) seit 2013, welchen Weg Kuckucke auf ihrer Hin- und Rückreise nehmen, wo sie genau Station machen - und wo sie gegebenenfalls abbleiben. Dafür bekamen einige Tiere Mini-Satellitensender. Diese wiegen weniger als fünf Gramm und wurden den Tieren wie kleine Rucksäcke mit Schlaufen um die Flügel auf dem Rücken befestigt. Eine wichtige Erkenntnis nach Sichtung der kontinuierlichen Daten war, dass die Kuckucke schon um den 20. Juni wieder nach Süden ziehen. Sie bleiben also nur rund zwei Monate in ihren europäischen Brutgebieten. Und nur gut die Hälfte der Kuckucke, die beobachtet wurden, kam heil wieder zurück.

Für Kuckuck-Fans gibt es beim LBV eine Karte, auf der die individuellen Flugrouten der Vögel eingezeichnet sind. Wo "Kucki", "Juliane", "Käpt'n Kuck" und Co. auf ihrem Weg ins südliche Afrika und wieder zurück gerade sind, lässt sich hier nachverfolgen:

Nicht jeder freut sich über den Kuckuck

Eigentlich ist er ein rechter Unsympath: Dieser Eindringling, der mit einem Flügelschlag das Familienglück der Teichrohrsänger, Wiesenpieper, Grasmücken und Bachstelzen zerstört. Im Sturzflug steuert das Kuckuck-Männchen auf ein fremdes Nest zu, seine Ehefrau nutzt das Erschrecken und Davonflattern der brütenden Mutter und legt ihr eigenes Ei in das Nest der Gasteltern. Das Kuckucksweibchen gibt, sobald es das Ei platziert hat, glucksende Laute von sich, die den Rufen eines Sperbers ähneln. Um einem vermeintlichen Angriff dieses Räubers zu entfliehen, richten die getäuschten Vögel ihre Aufmerksamkeit mehr auf die Umgebung und weniger aufs Nest. Der Brutparasit kann unbemerkt davonfliegen. Kehren die Wirtsvögel zum Gelege zurück, sind sie kaum misstrauisch und akzeptieren das Kuckucksei, berichten britische Biologen im Fachblatt "Nature Ecology & Evolution" im September 2017. Bis zu 25 Eier schiebt ein Kuckucksweibchen pro Saison anderen Damen unter.

Faul und fies

Eine Bachstelze füttert einen ihr untergejubelten jungen Kuckuck.

Die Betrogenen merken zunächst nichts von dem Schwindel, weil die Kuckuckseier denen ihrer Wirtsvögel zum Verwechseln ähnlich sehen, denn Kuckucksweibchen sind genetisch auf bestimmte Gasteltern programmiert. Dann ist für die Kuckucks-Eltern Freizeit angesagt: Sie müssen nur noch abwarten. Die Arbeit mit der Aufzucht des Nachwuchses übernehmen andere für sie. Und deren eigentlicher Nachwuchs ist schlecht dran: Das verfressene Kuckucksjunge schubst die Stiefgeschwister rabiat aus dem Nest.

"Zweckdienliche Hinweise" melden

Die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Dem Teichrohrsänger fällt auf, dass das Kuckucksjunge nicht von ihm ist.

Doch der Klimawandel macht Schluss mit lustig. Seit die beliebten Wirtsvögel, wie der Teichrohrsänger, früher aus ihrem Winterquartier zurückkehren und zu brüten beginnen, wird es zunehmend schwierig für den Kuckuck. Denn pünktlich wie die Kuckucksuhr kehrt er nach wie vor erst Mitte April aus seinem Winterquartier zu uns zurück. Dann hat er aber kaum noch Chancen, den Zieheltern in spe ein fremdes Ei unterzujubeln. Denn auch der dümmsten Vogelmama fällt es auf, wenn unter ihren schon geschlüpften Jungen plötzlich ein Kuckucksei liegt.

Bestand des "bösen Buben" gefährdet

"Kuckuck" gehört? Melden!

Der LBV bittet alle zu melden, wann und wo Sie Ihren ersten Kuckuck in diesem Jahr gesehen und/oder gehört haben. Hier kommen Sie direkt zum Meldeformular. Außerdem bietet der LBV auch eine Karte, auf der alle Erstsichtungen eingezeichnet werden.

Das Ende vom Lied: Diese "Schmarotzer-Sänger" werden immer seltener. Nur vier bis acht Millionen Kuckucks-Paare gibt es noch in ganz Europa. Weil sein Verbreitungsgebiet aber sehr groß ist, hält ihn die Naturschutzunion IUCN noch nicht für gefährdet.

Doch in Deutschland geht der Kuckucksbestand seit Mitte der 1960er-Jahre immer weiter zurück. Nach Angaben des LBV ist der Bestand des Kuckucks in sieben Bundesländern um mehr als 20 Prozent, in zwei Bundesländern sogar um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Daher steht der Kuckuck mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Brutvögel (Stand: Ausgabe August 2016). Auch in Bayern geht die Anzahl der Kuckucke zurück. Eine Ursache dafür ist, dass auch die Wirtsvögel wie der Rohrsänger seltener werden.

Als weitere Gründe für den Bestandsrückgang der Kuckucke werden auch die Intensivierung der Landwirtschaft in Europa und Afrika, weniger Insektenreichtum, fehlende Rastbiotope auf den Zugwegen sowie der Verlust von Lebensraum und Nahrung durch Abholzung genannt. Zudem könnte auch die Vogeljagd eine Rolle spielen.

Im Wolkenkuckucksheim

Um den "Cuculus canorus", den "Klangreichen", ranken sich zahlreiche Mythen und Geschichten.

Auch wenn er in der Natur seltener geworden ist, so ist der Kuckuck trotzdem aus unserem Leben nicht wegzudenken. Um den Cuculus canorus, den "Klangreichen", ranken sich zahlreiche Mythen und Geschichten. Schon die Römer hatten ein Auge auf den Kuckuck: Als "Cuculus" wurde der Ehemann bezeichnet, der wie der Kuckuck lieber nicht in Monogamie lebte.

Im Alltag begegnen wir ihm nicht nur in zahlreichen Kinderliedern, sondern zum Beispiel auch als pünktlicher Zeitmesser in der Schwarzwälder Kuckucksuhr. Oder als Pfandsiegel von Gerichtsvollziehern, das eigentlich ganz zu Unrecht "Kuckuck" genannt wird. Ursprünglich zierte dieses Siegel einmal ein Reichsadler, der vom Volksmund als "Kuckuck" verspottet wurde.

Der Kuckuck: Zahlen & Fakten

Der Kuckuck (Cuculus canorus), der seinen Namen nach seinem eingängigen Ruf erhalten hat, ist vielerorts verschwunden, weil sein Lebensraum verloren geht – in Deutschland genauso wie im afrikanischen Winterquartier. In Deutschland leben zwischen 51.000 und 97.000 Brutpaare. Europaweit gibt es etwa 4,2 bis 8,6 Millionen Paare. Nahezu alle Länder West- und Mitteleuropas melden seit Längerem rückläufige Zahlen. In England verringerte sich der Bestand in den vergangenen dreißig Jahren um fast sechzig Prozent. Stabile Bestände werden nur noch aus Osteuropa gemeldet. Über ganz Europa verbreitet, fehlt der Kuckuck nur auf Island und im äußersten Norden Russlands. Auch in großen Teilen Asiens und in Nordafrika ist er heimisch.


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