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Feldhase Feldhasen sind in Deutschland gefährdet

Im Frühling sieht man manchmal Feldhasen über die Felder sprinten. Dort finden sie aber immer weniger Nahrung und Schutz vor Feinden, Kälte und Nässe. Deshalb ist der Feldhase gefährdet und steht auf der Roten Liste.

Stand: 31.03.2021

Ein Feldhase sitzt in der Wiese. Feldhasen stehen in Deutschland auf der Roten Liste und sind gefährdet. | Bild: picture-alliance/dpa/blickwinkel/Stefan Meyers

Zwei bis drei Millionen Feldhasen hoppeln über die Felder und Wiesen in Deutschland, schätzen Experten. "Mäßig häufig" nennt das das Rote-Liste-Zentrum und führt den Feldhasen in der Roten Liste der Säugetiere in der Kategorie "Gefährdet" auf. In Deutschland gehört der Feldhase also tatsächlich zu den gefährdeten Arten. Damit ergeht es ihm so wie einem Drittel aller heimischer Säugetierarten. Vor allem seit den 1980er-Jahren hat der Feldhasen-Bestand laut Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) in Deutschland stark abgenommen. Zwar bewegen sich die Bestandszahlen seit einigen Jahren auf einem stabilen Niveau, seien aber insgesamt zu niedrig. Vor 40 Jahren habe es rund zehnmal so viele Feldhasen gegeben, führt der NABU an.

"Die Bestandszahlen sind insgesamt viel zu niedrig. Und die erwähnte Stabilisierung zeigt nur den kurzfristigen Trend. Langfristig geht der Trend eindeutig nach unten."

Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU), Quelle: www.nabu.de

Dem Feldhasen fehlt Lebensraum und damit Schutz und Nahrung

Die Lebensbedingungen des Feldhasen haben sich in den vergangenen rund 150 Jahren immer weiter verschlechtert. Früher fand er in extensiv bewirtschafteten Feldern ausreichend Deckung und abwechslungsreiche Nahrung wie Wildkräuter. In der monotonen intensiven Landwirtschaft sind die meisten Feldränder verschwunden. Der Feldhase ist Füchsen, Mardern, Wildschweinen, Raben- und Greifvögeln sowie Kälte und Nässe oft schutzlos ausgeliefert. Gerade junge Hasen fallen mitunter streunenden Katzen und nichtangeleinten Hunden zum Opfer. Straßen und Siedlungen machen ihm seinen Lebensraum nicht nur strittig, sondern ihn auch gefährlicher: Viele Hasen werden überfahren.

Jäger zählen die Feldhasen bei Nacht

Die nachtaktiven scheuen Hasen werden nachts gezählt - mit Auto und Scheinwerferlicht auf vorgegebenen Wegen.

Für das Wildtier-Informationssystem zählen Jäger die Hasen im Frühjahr und im Herbst in rund 500 Referenzgebieten in Deutschland. Daraus lässt sich ableiten, ob die Fortpflanzung im jeweiligen Jahr erfolgreich war: Im Herbst ist die Zahl der Hasen gut 15 Prozent höher als im Frühjahr, wenn es ein gutes Hasenjahr war. Im Winter schrumpft der Bestand wieder. Die Zählung erfolgt bei Dunkelheit: Entlang festgelegter Strecken suchen die Jäger mit speziellen Scheinwerfern aus dem fahrenden Auto die Felder ab und registrieren die charakteristischen Augenreflexionen der Tiere.

Feldhasen - Sprinter, Boxer und Verstecker

Damenwahl bei den Feldhasen: der schnellste Hase gewinnt

Die schnellsten und ausdauerndsten Feldhasen-Männchen erobern das Herz der Feldhasen-Weibchen.

Der Feldhase muss nicht nur generell ums Überleben kämpfen, sondern auch noch gegen seine eigenen Artgenossen. Bei den Feldhasen herrscht Damenwahl und die körperlich überlegene Häsin sucht sich ihren Partner beherzt selbst. Bevorzugt natürlich den Rammler mit dem vermeintlich besten Erbgut. Der wird auf "Hochzeitsgesellschaften" in spektakulären Wettläufen und Boxkämpfen ermittelt: Feldhasen können bis zu 70 Kilometer pro Stunde schnell werden, bis zu zwei Meter hoch und drei Meter weit springen. Nur die schnellsten und ausdauerndsten Männchen erhalten die Chance auf eine nur wenige Sekunden dauernde Begattung. Monogam sind Hasen nicht.

Bei den Feldhasen gibt es Fortpflanzung und Aufzucht im Schnelldurchlauf

Von Januar bis September ist die Häsin etwa alle 38 Tage empfängnisbereit. Die Tragezeit variiert aufgrund eines Fortpflanzungstricks, der sogenannten Superfötation, zwischen 38 und 42 Tagen. Sie wirft bis zu sechs Jungen, allerdings nicht in einem Bau. Feldhasen leben ausschließlich oberirdisch und ducken sich tagsüber mit ihrem graubraunen Fell in Mulden.

Der Fortpflanzungstrick: Superfötation

Die Häsinnen haben im Laufe der Evolution eine Besonderheit entwickelt, um den Bestand zu erhöhen: Sie können während der Tragezeit nach dem 38. Tag erneut befruchtet werden. Durch diese sogenannte Superfötation können Embryonen unterschiedlicher Entwicklungsstadien in der Häsin heranreifen: In der Gebärmutter werden die geburtsreifen Föten ausgetragen, während im Eileiter schon die neuen befruchteten Eizellen heranreifen können. Das erhöht die Wurfzahl deutlich.

Die Feldhasen-Mama bleibt immer nur kurz bei den Jungen

Die neugeborenen, 100 bis 150 Gramm schweren Hasen sind Nestflüchter: Sie haben schon ein Fell, können sofort sehen und sich bewegen. Drei bis fünf Wochen lang werden sie täglich nach Sonnenuntergang und manchmal nochmal morgens gesäugt, allerdings im Schnelldurchlauf: Nur zwei bis drei Minuten bleibt die Hasenmama bei ihren Kleinen. Ihr Geruch könnte Fressfeinde anlocken. Dann drücken sich die Jungen auf den Boden, verharren regungslos und fallen so weniger auf, als wenn die Häsin anwesend wäre. Das Trinken muss im Schnelldurchlauf geschehen: Bis zu einem Zehntel ihres eigenen Gewichts nehmen die Jungtiere an Muttermilch auf, die viermal fetter ist als Kuhmilch. Die Häsin bleibt auch während der Säugezeit allein, Feldhasen sind Einzelgänger durch und durch.

Hasenjunge nicht anfassen, nicht mitnehmen, vor Hunden und Katzen schützen

Die ersten Junghasen werden Anfang März bis Mitte Mai geboren. Sie werden oft und lange allein gelassen, das ist aber ganz normal. Wer Hasennachwuchs entdeckt, darf die Jungtiere deshalb auf keinen Fall mitnehmen. Auch Streicheln ist tabu: Das verschreckt die Mutter - unter Umständen für immer. Hunde sollten in dieser Zeit dringend an die Leine genommen werden. Ihr Geruch würde die Häsin ebenfalls vertreiben. Katzen sind versierte Jäger, sie können Junghasen problemlos fangen. Der BJV empfiehlt daher, Katzen, die in der Nähe von Feldern herumstreifen könnten, in diesen Wochen nachts im Haus zu behalten.

Feldhasen-Junge in Gefahr

Die meisten Feldhasen-Babys überleben das erste Jahr nicht.

Junge Feldhasen leben nicht wie Kaninchen in einem Bau, sondern im Freien auf dem Feld. Nässe und Kälte sind sie ungeschützt ausgeliefert: Wenn es lange regnet und kalt ist, durchnässt das Fell der jungen Hasen, sie können krank werden und erfrieren. Rund 60 Prozent des Hasennachwuchses überleben das erste Jahr nicht. Ein mildes, trockenes Frühjahr ist daher eine gute Voraussetzung für den Hasennachwuchs. Doch im Frühling lauert noch eine ganz andere Gefahr: Kleine und große Feldhasen werden oft von landwirtschaftlichen Maschinen erfasst.

Feldhase oder Kaninchen?

Hier hoppelt ein Kaninchen übers Feld.

Feldhasen besitzen längere Ohren und Hinterbeine als Kaninchen. Die Langohren leben allein auf weiter, offener Flur, die Kleinohrhasen dagegen gerne gesellig im Bau. Während der Feldhasen-Nachwuchs mit Fell und offenen Augen zur Welt kommt, sind die Kaninchen-Jungen noch nackt und blind.

Feldhasen säbeln und mahlen Kräuter, Klee und Knollen

Feldhasen sind Pflanzenfresser und können rund zwölf Jahre alt werden.

Bis zu zwölf Jahre kann ein Feldhase alt werden. Als Pflanzenfresser stehen Gräser, Klee, Kräuter, Kohl, junges Getreide, Raps, Knollen, Knospen von Bäumen und Sträuchern, im Winter auch die Rinde von Obstbäumen oder die Triebe junger Laubbäume auf dem Speisezettel. Die scharfen Nagezähne helfen beim Absäbeln, kleingeraspelt und feingemahlen wird dann mit den Backenzähnen. Auf Nahrungssuche begeben sich Feldhasen allerdings erst bei Einbruch der Dämmerung.

Gesucht: Feldhasen-Freundlichkeit in Feld und Flur

In einer natürlich belassenen Wiese findet der Feldhase nicht nur Nahrung, sondern auch ein Versteck.

Natur- und Tierschützer fordern seit Jahren mehr Schutz für Feldhasen. Was den Hasen hilft, sind zum Beispiel krautreiche Feldränder, Blühstreifen an Äckern, Wiesen, die seltener gemäht werden - und generell wieder mehr Flächen mit Wildkräutern. Dann kann der Feldhase wieder gehaltvoll und in Ruhe mümmeln.

Vom Feld- zum Osterhasen

Osterhase

Mit seiner schnellen Fortpflanzungsrate hat es der Feldhase zum Osterhasen geschafft. Als Symbol für Fruchtbarkeit, Leben und Wiedergeburt passen Hasen und Eier nicht nur gut zusammen, sondern auch zum Frühjahr.

Eier verstecken

Schon vor vielen Jahrhunderten war es zu Ostern Brauch, in der Kirche Nahrungsmittel - und eben auch Eier - weihen zu lassen. Irgendwann wurden diese Eier versteckt und von Kindern gesucht.

Eier-Verstecker

Als österliche Eier-Verstecker mussten erst der Fuchs, der Esel, der Kuckuck und der Storch herhalten.

Brauch

Als Job des Feldhasen wurde der Brauch erstmals vor über 300 Jahren in der Pfalz, dem Elsass und am Oberrhein verbürgt: Die Belege stammen aus dem Jahr 1678 von Georg Franck von Franckenau, einem Medizinprofessor aus Heidelberg, der ausgerechnet davor warnte, zu viele dieser Eier zu essen.

Glaube

Soll man Kindern tatsächlich erzählen, dass der Osterhase ihre Oster-Nester versteckt? Auf jeden Fall, meinen Psychologen. Der Glaube an Fantasiegestalten sei gut für ihre kognitive Entwicklung. Wenn Kinder an den Osterhasen glauben, rege das ihre Fantasie an. Und wenn sich alle Kindergartenkinder und Freunde darauf freuen, solle man zuhause die Freude darauf nicht dämpfen. Vorbei ist es mit dem Osterhasen dann, wenn Kinder anfangen zu zweifeln. Dann sollte man sie in ihren kritischen Fragen unterstützen.

  • Hasen - Wie die Tiere gezählt werden und warum so viele Jungtiere sterben. Gut zu wissen, BR Fernsehen, 15.08.2020, 19.00 Uhr
  • Sein Name ist Hase: natur exclusiv, BR Fernsehen, 13.04.2020, 18.45 Uhr

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