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Giraffen sind gefährdet Lange Hälse auf der Roten Liste

Die Zahl der Giraffen ist innerhalb von 30 Jahren um 40 Prozent gesunken. Nur noch knapp 100.000 Langhälse streifen durch die Savannen. Seit 2016 stehen sie als "gefährdet" auf der Roten Liste. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass es verschiedene Giraffenarten gibt, die sich nicht kreuzen. Von einer davon gibt es nur noch ein paar tausend Tiere.

Stand: 20.06.2018

Giraffen im Amboseli-Nationalpark. Auch der Lebensraum der Giraffen wird immer knapper - und die Tierart immer seltener. Deshalb wurde die Giraffe als gefährdete Art auf die Rote Liste der IUCN gesetzt. | Bild: picture-alliance/dpa

Während es immer wieder einen Aufschrei der Empörung in sozialen Netzwerken gibt, wenn ein Elefant wegen seines Elfenbeins getötet wird, sinkt die Zahl der Giraffen fast unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Welt-Giraffen-Tag

Am 21. Juni ist Welt-Giraffen-Tag. Der Aktionstag wurde von der Giraffe Conservation Foundation GCF ins Leben gerufen und soll auf die Situation der Tiere mit den langen Hälsen aufmerksam machen.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN schlug auf der internationalen Artenschutzkonferenz im Herbst 2016 Alarm: Weltweit sei die Zahl der Giraffen in nur dreißig Jahren um mehr als vierzig Prozent zurückgegangen.

Die Gefährdung bedrohter Arten wird auf der Roten Liste in verschiedenen Graden angegeben: nicht gefährdet, gefährdet, stark gefährdet, vom Aussterben bedroht. Die Abstufung auf der internationalen Roten Liste der IUCN sind ähnlich, aber nicht genau übereinstimmend. | Bild: BR

"Gefährdet" oder "vom Aussterben bedroht"?

Während 1985 noch 163.000 Giraffen durch die Savannen streiften, lebten 2015 nur noch 97.000 der langhalsigen Tiere. Hauptursache seien Wilderei und der Verlust an Lebensraum, so die IUCN. Auf der Roten Liste von 2016 wurden Giraffen daher als "gefährdet" eingestuft.

"Mit den Giraffen steuert eine weitere ikonische Tierart ihrem möglichen Ende in freier Wildbahn entgegen. Wir erleben derzeit das größte globale Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier - und der Mensch ist die Ursache."

Eberhard Brande, Vorstand der Naturschutzorganisation WWF Deutschland

Umzug der Giraffen sinnvoll?

Doch die Bestandsentwicklungen sind nicht überall in Afrika gleich. So geht die Zahl der Giraffen in Ost- und Zentralafrika stetig zurück, während sie im südlichen Afrika steigt. Daher wollte die Naturschutzorganisation zum Schutz von Giraffen (Giraffe Conservation Foundation, GCF) in Namibia herausfinden, wie sehr sich die Langhälse in verschiedenen Teilen Afrikas ähneln. Und: Welche Auswirkungen hätte es, Tiere in andere Teile des Kontinents zu bringen, weil sie in ihren ursprünglichen Wanderungsgebieten gefährdet sind?

Angolanische Giraffen

Bislang wurde angenommen, Giraffen gehörten zu einer einzigen Art. Auf Anfrage der GCF fanden Axel Janke von der Frankfurter Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung und seine Kollegen durch einen Vergleich von Gewebeproben von 200 Giraffen aus ganz Afrika heraus: Genetisch sind die Langhälse in vier unterschiedliche Arten aufgeteilt. Die Studie erschien im September 2016 in dem Fachmagazin "Current Biology".

Genetisch wie Braunbären und Eisbären

Die Untersuchung des Erbguts sollte zeigen, ob Giraffen in anderen Gebieten angesiedelt werden und die heimischen gemeinsam mit den neuen Populationen Nachwuchs bekommen könnten. Das Studienergebnis überraschte auch die Wissenschaftler:

"Die Arten sind genetisch so unterschiedlich wie Braunbären und Eisbären. In freier Wildbahn paaren sie sich nicht untereinander."

Axel Janke, Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt

Nubische Giraffen

Eine Massai-Giraffe aus Kenia würde dementsprechend in Namibia keine Paarungspartner finden. Deshalb müssten die Anstrengungen verstärkt werden, die Giraffen in ihren angestammten Gebieten zu schützen, forderte Janke. So gebe es etwa nur noch wenige Tausend Exemplare der Nubischen Giraffe. "Das heißt, die Gefährdung ist etwa auf dem gleichen Niveau wie beim Nashorn."

Wilderer und die Zerstörung des Lebensraums

Netzgiraffe in Samburu in Kenia

Gefährlich wird es für die Giraffen zum Beispiel im konfliktgeladenen Südsudan oder auch in der Zentralafrikanischen Republik, wo das Militär und örtliche Milizen gegeneinander kämpfen. Zudem sind Wilderer auf der Suche nach Buschfleisch hinter ihnen her. Mitunter soll ihr Fleisch – gemäß des örtlichen Aberglaubens – zu Medizin gegen HIV und Aids verarbeitet werden. Die größte Bedrohung geht jedoch vom Verlust und der Zersplitterung ihres Lebensraums aus, weil sich menschliche Siedlungen immer weiter ausbreiten, so Julian Fennessy, Co-Direktor der GCF in Namibia über die Lage in Ost- und Zentralafrika.

Beispiel: Westafrikanische Giraffe

Noch vor hundert Jahren war zum Beispiel die Westafrikanische Giraffe, die "Giraffa camelopardalis peralta", in weiten Teilen Westafrikas zu Hause. Ihr Lebensraum reichte einst von der Atlantikküste Senegals bis in den Tschad, das Herz Afrikas. Heute ist er auf einen kleinen Landstreifen südöstlich von Niamey, der Hauptstadt des Niger, geschrumpft. Wilderer, Kriege und wachsende Wüsten wurden den sanften Riesen zum Verhängnis. 1996 lebten nur noch 50 Tiere. 2015 waren es wenigstens wieder über 200 - dem Aussterben entronnen, aber noch gefährdet.

Wie Schutzmaßnahmen greifen

Touristenattraktion: Giraffen im Nationalpark

Dass sie bislang vor dem Aussterben bewahrt werden konnte, führen Fachleute auf mehrere Ursachen zurück: engagierte Naturschützer, eine an Einnahmen interessierte Regierung, die den Tourismus als Gewinn versteht und die friedliche Koexistenz der Tiere mit den Menschen.

Jagdverbot auf Giraffen seit 1988

1988 wurde im Niger die Jagd auf Giraffen verboten. Die Regierung schien begriffen zu haben, dass sie mit der letzten Population in Westafrika eine unschätzbare biologische und touristische Ressource besitzt. Das Töten wurde mit Haft und Geldstrafen geahndet. Schon 2004 hatte sich die Zahl der Tiere verdoppelt.


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Timo Baumann, Donnerstag, 08.September 2016, 18:21 Uhr

1. Giraffen

Höchstwahrscheinlich werden sie in Afrika aussterben und mit ihnen noch viele andere Tiere. In Afrika wächst die Bevölkerung rasant, sie wird sich in ca 25 Jahren
verdoppelt haben und dies bei zunehmender Umweltzerstörung.
Ein Bewusstsein für Umwelt- und Tierschutz existiert nicht oder nur rudimentär und wird als eine Marotte der ehem. Kolonialherren betrachtet.
Das Fressen kommt vor der Moral! (B.Brecht).
Für den Ausblick in die nächste Zukunft: Ein kleines Sachbuch eines Oxford-Prof.: EMMOTT: 10 MILLIARDEN.