Wissen - Rote Liste


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WWF warnt Dramatischer "Artenkollaps" auf Feldern und Wiesen

Immer weniger Vogelgezwitscher und Insektengebrumm ist auf dem Land zu hören. Denn viele Pflanzen und Tiere auf Äckern und Wiesen sind bedroht. Der Grund für das Artensterben ist die intensive Landwirtschaft, so der WWF.

Stand: 18.01.2018

Luftaufnahme von Rapsfeldern in Oberschwaben | Bild: picture alliance/Joker

Aus Anlass der "Grünen Woche" in Berlin appellierte der World Wild Fund For Nature (WWF) Deutschland für einen ökologischen Neustart in der deutschen und europäischen Landwirtschaft. Sonst drohe ein "Artenkollaps auf dem Land" so der WWF, der seine Forderung untermauert mit Zahlen, die die Bundesregierung erhoben hat.

Demnach ist seit dem Jahr 1980 jeder zweite in der Agrarlandschaft beheimatete Vogel europaweit verschwunden. Das seien 300 Millionen Tiere, heißt es in der WWF-Mitteilung. Die Masse von Fluginsekten wie Biene, Hummel und Falter sei in den vergangenen 30 Jahren um durchschnittlich 76 Prozent zurückgegangen. Auch 30 Ackerwildkräuter fänden sich auf der Roten Liste des Bundamtes für Naturschutz (BfN) wieder.

"Überdüngte, flächendeckend mit Pestiziden behandelte Anbauflächen verdrängen artenreiche Wiesen und Weiden sowie Äcker mit vielfältigen Fruchtfolgen. Mit ihnen verschwinden Wiesenvögel, Schmetterlinge und Ackerwildkräuter."

 Jörg-Andreas Krüger, WWF

Starker Rückgang auf Wiesen und Feldern

Stellvertretend für den dramatischen Artenrückgang nennt der WWF unter den Vögeln die Feldlerche, das Braunkehlchen, das Rebhuhn und die Gartenammer (Ortolan). Neben Feldhamster, Wildbienen und Hauhechel-Bläuling sind bei den Feld- und Wiesenblumen die Kornrade, den Wiesensalbei und das Sommeradonis-Röslein auf der Roten Liste zu finden. Sie alle stünden beispielhaft für den starken Rückgang tausender Pflanzen und Tiere auf Feldern, Wiesen und Weiden und für die Ursachen des Artenschwunds.

Der WWF schlägt vor, die heutigen, rein flächenbezogenen Direktzahlungen an die Landwirte zu beenden. Stattdessen sollte der Landwirt finanziell unterstützt werden, der verbindliche Ziele beim Klimaschutz, dem Erhalt von Biodiversität und dem Schutz von Wasser und Boden verfolgt.

Politik gefordert

Der WWF will die Bauern stärken, die sich nachhaltig um das Land und die dort lebenden Tiere und Pflanzen bemühen. So fordert der WWF von der künftigen Bundesregierung ein landwirtschaftspolitisches Gesamtkonzept, "das den Einsatz von Pestiziden und Düngern reduziert, die biologische Vielfalt, Wasser und Boden systematisch schützt und die Zukunft der Landwirte wirtschaftlich sichert."


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