0

Hörbuch der Woche "Über dem Orinoco scheint der Mond" von Harald Lesch und Klaus Kamphausen

Der Astrophysiker, Naturphilosoph und Fernsehmoderator Harald Lesch und der Publizist und Dokumentarfilmer Klaus Kamphausen haben zusammen schon mehrere Sachbuchbestseller geschrieben. Jetzt ist mit "Über dem Orinoco scheint der Mond" ein weiteres gemeinsames Werk erschienen, dessen eigentlicher Inhalt sich über den Untertitel erschließt: "Warum wir die Natur des Menschen neu begreifen müssen, um die Welt von morgen zu gestalten." Zeitgleich mit der gedruckten Ausgabe ist auch eine Audioversion des Buches erschienen. Für Bernhard Jugel ist es das Hörbuch der Woche.

Von: Bernhard Jugel

Stand: 04.04.2022

B5 aktuell: Das Hörbuch der Woche | Bild: colourbox.com/#257659; Montage: BR

"Während der Mond sich still im Wasser spiegelte, hatten sie die Nacht hindurch geredet und diskutiert, Meinungen, Erfahrungen, Ideen, Mögliches und Unmögliches, Visionen und vieles mehr ausgetauscht."

Zitat aus Hörbuch

Was im Epilog des Hörbuchs etwas schwärmerisch beschrieben wird, ist tatsächlich sein eigentlicher Inhalt – ein Austausch zwischen den beiden Autoren Kamphausen und Lesch, ein Diskurs, locker angelehnt an die Dialoge des Philosophen Platon, der uns Wege in eine Welt von morgen weisen will, in der Kriege und Klimakrise überwunden, Pandemien beherrschbar sind. Ein Diskurs, der auch die Hindernisse aufzeigt, die diese Wege so beschwerlich machen.

"Von pluralistischer Ignoranz und Verantwortungsdiffusion sprechen Sozialpsychologen, wenn trotz des Wissens vieler keiner handelt. Woran liegt das? Gibt es einen Mangel an Kommunikation für die gemeinsame Verantwortung? Oder blindes Vertrauen darauf, dass die anderen es schon irgendwie richten werden?"

Zitat aus Hörbuch 

Diese Fragen wollen Kamphausen und Lesch beantworten – der eine, manchmal etwas steif, agiert als Frager und Mahner, der andere als Philosoph und Wissenschaftler - so locker und kenntnisreich wie in seinen Fernsehsendungen. Es wird viel zitiert in diesem Dialog, manchmal scheint das Ziel etwas aus dem Focus zu geraten, aber eines wird deutlich: das Spezialistentum unserer Zeit verstellt oft den Blick aufs große Ganze und die Beschleunigung unserer Lebensweise lässt uns zu wenig zum Nachdenken. Harald Lesch verdeutlich das am Beispiel des Astronauten Neil Armstrong, der als erster Mensch den Mond betreten hat und des Forschungsreisenden Alexander von Humboldt, der einst am Orinoco unterwegs war.

"Humboldt konnte seinem eigenen Tempo folgen. Natürlich gab es auch Heraus-forderungen, die die Natur an ihn stellte, bei denen er auch schnell handeln musste, aber seine Reise auf dem Orinoco war bei Weitem nicht so durchgetaktet wie Armstrongs Reise zum Mond. Da hieß es: Neil, du hast noch sechs Sekunden, sonst hast du nicht mehr genügend Treibstoff, um nach Hause zu kommen."

Zitat aus Hörbuch

 Immerhin hat Neil Armstrong mit dem Blick vom Mond auf unseren blauen Planeten auch ein Gefühl für die Verwundbarkeit der Erde verbunden und bei öffentlichen Auftritten stets thematisiert. Ein Gefühl, das auch Lesch und Kamphausen ansprechen, wenn sie in diesem Hörbuch Entschleunigung und Ganzheitlichkeit in den Mittelpunkt stellen.  

"Wenn wir unsere kühle Ratio mit unserer fürsorglichen, großzügigen, emotionalen Fürsorge für die Natur zusammenbringen, dann sind wir auf dem richtigen Weg, dann werden Verhalten und Haltung eins, dann wird der Mensch ganz, dann wird er eins sein mit der Natur."

Zitat aus Hörbuch

"Über dem Orinoco scheint der Mond" – als Download beim Hörverlag erschienen – ist ein klug argumentierender, aber auch sehr emotionaler Appell für eine entschlossene Umgestaltung unserer Lebensweise, damit die Menschheit weiterhin eine Zukunft hat. Ein Appell, der es an deutlichen Worten nicht fehlen lässt.

"Wir dürfen den Ökonomen und Rationalisten mit ihrer Art der Kontrolle und Steuerung nicht die Welt überlassen. Die Globalisierung, die ihr Hauptziel darin sieht, Ökonomie zu befördern, à la „menschlich und sozial sein können wir uns nur leisten, wenn wir vorher das Geld dafür erwirtschaftet haben“ – ist nicht zukunftsfähig."

Zitat aus Hörbuch


0