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Hörbuch der Woche "Trotzdem Mutter - Drei Frauen erzählen" von Klaus Sander und Maike Struve

Den Fokus auf die toxische Verbindung von Mutterschaft und psychischer Erkrankung legt die vor Kurzem erschienene Produktion "Trotzdem Mutter": Berichte von Ute, Inge und Ramona, die mittlerweile mit Depressionen leben gelernt haben. "Wie erzählen über 'Nicht-Sichtbares' (wie eine psychische Erkrankung) und 'Unsagbares' (wie eine traumatische Erfahrung)?" Das fragte sich Klaus Sander, der Leiter des supposé-Hörbuchverlags, als er zusammen mit der Psychotherapeutin Maike Struve dieses Projekt begann. "Trotzdem Mutter – Drei Frauen erzählen": für Kirsten Böttcher das Hörbuch der Woche.

Von: Kirsten Böttcher

Stand: 07.03.2022

B5 aktuell: Das Hörbuch der Woche | Bild: colourbox.com/#257659; Montage: BR

"Beim Burnout ist das so, das hat schon was mit: Oh boa! zu tun, also boa, der ist ja doll, puh! Und Depression ist: ach Herrje.... Das ist nicht gesellschaftsfähig, genau!"

(Ute) Zitat aus Hörbuch

Die Gespräche mit Ute, Ramona und Inge sind bereits vor 4 oder fünf Jahren, also vor der Pandemie, geführt worden. Vielleicht hat sich die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Depressionen schon wieder zum Positiven verändert. Nichtsdestotrotz verstärkt sich das Problem weltweit: Depressionen, überhaupt psychische Erkrankungen nehmen zu, vor allem nach den mehrfachen Lockdowns. Die Krankheit aus der "nicht gesellschaftsfähigen" Schublade zu holen, sie nicht als persönliches Versagen, als Charakterfehler zu stigmatisieren, das war das Ansinnen der Psychotherapeutin Maike Struve, die dem Verleger der supposé-Hörbücher Klaus Sander den Vorschlag machte, Patientinnen zu bitten, von ihren Erfahrungen zu erzählen.

"Was mir mein Herz zerrissen hat, war (…) zwei Tage nach seinem dritten Geburtstag, da kam ich wieder ins Krankenhaus und das heißt, von seinem dritten Lebensjahr an kennt er Mama nur im Krankenhaus und wenn zu Hause, mit ganz viel Psychopharmaka…"

(Inge) Zitat aus Hörbuch

"Und ich weiß nicht – wenn mein Sohn nicht da gewesen wäre, ob ich das dann auch so hingekriegt hätte, zu funktionieren – ich glaube, nicht."

(Ute) Zitat aus Hörbuch

"Das muss anders gehen! Das war mein, wie sagt man, mein Halt, meine Kraft, zu sagen: Irgendwann werde ich selber Mutter, und dann werde ich bestimmen und ich werde es anders machen. Und ich werde beweisen, dass das bessergeht."

(Ramona) Zitat aus Hörbuch                                                                                                                 

Trotz ihrer psychischen Erkrankungen sind Inge, Ute und Ramona Mütter geworden, wollten Besseres für ihre Kinder. Doch was tun, wenn das eigene Trauma alles überrollt? Nach Missbrauch, psychischer und physischer Gewalt, die sie in ihrer Kindheit erlebten, haben die drei Frauen teilweise jahrzehntelange Therapien durchgestanden, mit Suizidgedanken gerungen und Selbstmordversuche hinter sich. Ramona etwa berichtet von ihren Suizidgedanken nach dem frühen Tod ihrer Tochter.

"Ich dachte immer, es wird ein Wunder passieren, es wird ein Wunder passieren - wenn man doch so sehr liebt, dann passieren Wunder, aber – das Wunder ist leider nicht eingetreten."

(Ramona) Zitat aus Hörbuch

Zehn Jahre lang versorgte Ramona ihre anderen Kinder, bis die Depression so richtig zuschlug. Auch Ute erzählt vom unmöglichen Spagat zwischen "Funktionieren" als alleinerziehende Mutter und innerer Haltlosigkeit. Inge hatte zwar familiäre Unterstützung, kämpfte jedoch 25 Jahre lang um die richtige Therapie, während ihr Sohn aufwuchs.

"Wenn ich heute zurückdenke an die Zeit in der Psychiatrie hier in Hamburg, also, wenn ich entlassen wurde und ich habe zuhause diesen Entlassungsbericht gelesen, was da drinsteht, was ich an Therapien hatte, dann frage ich mich, wo ich in der Zeit dieser Therapien war, weil ich habe davon gar nichts wahrgenommen."

(Inge) Zitat aus Hörbuch

Erschütternd, verblüffend, voller Liebe – die drei CDs dokumentieren auch die Suche nach passenden Worten, nach einem Modus Operandi, den sehr persönlichen, imponierenden Weg zu schildern, zurück in ein relativ normales, selbstbestimmtes Leben, trotz bleibender Schuldgefühle den Kindern gegenüber. Aus Depressionen, das sagen alle drei Mütter, käme niemand allein heraus; dafür brauchen wir Mut und Menschen, die wirklich zuhören.

"Ich hätte nie geglaubt, dass es mir heute einmal so gut geht, wie es mir jetzt geht, dass ich so frei leben kann und … gut, richtig gut für mich sorgen kann! Wenn ich das geschafft habe, dann glaube ich, dass es ganz, ganz viele Andere auch schaffen können."

(Inge) Zitat aus Hörbuch

"Trotzdem Mutter. Drei Frauen erzählen" ist bei supposé erschienen.


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