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Hörbuch der Woche "Mein Geist hat sich verwildert" von Alois M. Haas

Was ist Mystik und was hat Meister Eckhart damit zu tun? Wer war Teresa von Avila und warum ist sie eine große Mystikerin? Warum ist die Nacht gerade im Mittelalter so mystisch und welche Erfahrungen machte der Schweizer Bergbauer und Asket Bruder Klaus? In dem Hörbuch "Mein Geist hat sich verwildet" nimmt uns Alois M. Hass mit in die vielfältige Welt der Mystik, eine Reise vor allem auch ins Mittelalter.  Für Kristina Dumas ist "Mein Geist hat sich verwildet" das Hörbuch der Woche.

Von: Kristina Dumas

Stand: 10.01.2022

B5 aktuell: Das Hörbuch der Woche | Bild: colourbox.com/#257659; Montage: BR

"Mystik ist ja ein Wort zunächst und das Wort hat zu tun mit einem uralten Begriff, im altgriechischen mystikós, das schon seit dem 5. vorchristlichen Jahrhundert präsent ist und benützt wird und das heißt im Grunde, geheimnisvoll. Mystik, anthropologisch gesehen, das ist für mich die Geheimnisdimension der menschlichen Existenz. Und das ist historisch variierbar und hat verschiedenen Ausgestaltungen erfahren."

Zitat aus Hörbuch

Alois Maria Haas, geboren 1934 in Zürich, ist ein fesselnder Erzähler. Über 60 Jahre hat er im Spannungsfeld zwischen Literaturwissenschaft, Philosophie und Theologie geforscht und als Professor in der Schweiz gelehrt. Nun schenkt er uns Einblicke in sein Lebensthema -  die "Mystik" - und  beleuchtet diese von ganz unterschiedlichen Seiten.

"Wenn ein Liebespaar, die sind beide 15jährig und sie werden verkauft als Sklaven, das wird im griechischen Roman immer wieder thematisiert, die haben ein Hölzchen, jeder ein Stück und dann gibt es plötzlich den Moment wo sie sich treffen, aber nicht erkennen, da sagen sie, sie haben ein Hölzchen und die andere auch, dann schließen sie sich in die Arme. Das ist die Anagnorisis Szenes. Mystik ist immer auch Anagnorisis, Wiederkennen. Wiedererkennen, dass ein Geheimnis die Welt durchwandert, durchdringt und dieses Geheimnis immer wieder Konkret werden darf."

Zitat aus Hörbuch

Alois Maria Hass erzählt auf Augenhöhe, so als säße er uns in einem bequemen Sessel bei einer Tasse Tee gegenüber.  Abwechselnd liest er mit seiner warmen Stimme mittelhochdeutsche Texte, die er sofort übersetzt und erklärt, dann erzählt er wieder von seinen Weggefährten, Mystikerinnen und Mystikern die ihn beindruckten wie Plotin, Teresa von Avila, Meister Eckhart. Die Mystikerin Mechthild von Magdeburg war eine besondere Frau. Sie lebte im 1300 Jahrhundert und trat erst als 70jährige ins Kloster ein.

"Sie hat sich ja willentlich in eine „Gottesfremdung“ begeben, das heißt, was muss ich tun, damit ich Gott fremd werde. Sie tut, das was sie als Frau kann, sie geht weg, in eine Stadt, wo sie fremd ist und im Mittelalter tun das die Dirnen, sie sind Import von anderen Landes, damit es keine Konflikte zwischen Einheimischen und Fremden gibt. (Sie versucht ein frommes Leben zu tun, sie hat sich emanzipiert, sie wollte keine ewigen Gelübde ablegen und ihren Eltern einen Gefallen tun und ins Kloster, sie wollte ihr Leben selber verdienen, vermutlich hat die Mechthilde versucht ein sinnvolles, frommes Leben zu führen. Pilgerschaft heißt Freiheit im Mittelalter. Diese Mechthilde hat sich also entfremdet, nur in der Fremde kann man anständig studieren. Sie hat dann ganz starke Gotteserfahrungen gehabt."

Zitat aus Hörbuch

Viele Lebenswege können zu mystischen Erfahrungen führen, Mystik, so erfährt man in dem Hörbuch, ist vielfältig. Alois Maria Hass nimmt uns mit in seinen reichen Kanon, über 3 Stunden fesselnde Erzählung.

Das Hörbuch "Mein Geist hat sich verwildet" ist im Supposé Verlag erschienen.


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